• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 03.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Seltenerd-Metalle in Rhein-Muscheln nachgewiesen

Zumindest einige der Hightech-Metalle sind offenbar doch bioverfügbar

Hightech-Metalle in der Nahrungskette? In Muscheln des Rheins haben Forscher erstmals erhöhte Gehalte der Seltenerdmetalle Lanthan und Samarium nachgewiesen. Dies belegt, dass diese Metalle nicht nur das Flusswasser kontaminieren, sondern auch von Wasserorganismen aufgenommen werden. Sie könnten so möglicherweise in die Nahrungskette gelangen. Ob und wie diese Hightech-Metalle die Gesundheit beeinflussen, ist bislang unbekannt.
Die im Rhein vorkommende Körbchenmuschel Corbicula fluminea reichert Lanthan und Samrium in ihrer Schale an

Die im Rhein vorkommende Körbchenmuschel Corbicula fluminea reichert Lanthan und Samrium in ihrer Schale an

Seltene Erden gehören heute zu den begehrtesten Technologie-Rohstoffen. Immer häufiger finden sich diese Seltenerdmetalle aber auch in der Umwelt, wie beispielsweise in Flüssen und im Trinkwasser. Erst 2013 stellten Forscher der Jacobs University in Bremen extrem hohe Mengen von Lanthan und dem häufig in Kontrastmitteln enthaltenen Gadolinium im Rhein fest. Bisher war jedoch unklar, ob Wasserorganismen diese Metalle aufnehmen und in ihrem Körper anreichern können und welche Folgen dies hat.

Lanthan und Samarium in Muschelschalen


Jetzt jedoch zeigt sich, dass die Seltenerdmetalle offenbar durchaus von Tieren aufgenommen werden. Michael Bau und Gila Merschel von der Jacobs University haben erstmals deutlich erhöhte Werte von Lanthan und Samarium in den Schalen von Flussmuscheln nachgewiesen. Diese beiden Metalle gehören zur Gruppe der Seltenen Erden und stammen aus der Produktion von Katalysatoren für die Erdölverarbeitung.

Flussabwärts von Worms finden sich vermehrt Seltenerdmetalle in Muscheln

Flussabwärts von Worms finden sich vermehrt Seltenerdmetalle in Muscheln

"Wir haben an neun Stellen am Rhein zwischen Bodensee und niederländischer Grenze die Schalen von Körbchenmuscheln untersucht", berichtet Bau. "Alle Muschelschalen, die wir nördlich von Worms beprobt haben, also flussabwärts von der Stelle, an der anthropogenes Lanthan und Samarium in den Rhein gelangen, weisen anomal hohe Gehalte dieser Metalle auf."


Wirkung auf den Menschen noch ungeklärt


Das aber bedeutet, dass zumindest einige der Seltenen Erden sehr wohl von Organismen aufgenommen werden und bioverfügbar sind. Damit könnten sie auch in die Nahrungskette gelangen. Ob die Metalle auch von Fischen aufgenommen und angereichert werden, muss nun als nächstes geklärt werden. Über die Wirkung der Seltenen Erden auf den Menschen und insbesondere auf Kinder und Schwangere ist bisher nur wenig bekannt.

Einen ersten Hinweis darauf, dass einige Tiere Seltenerdmetalle anreichern, hatten schon vor einigen Jahren Muscheln an heißen Quellen der Tiefsee geliefert. In Tiefseemuscheln der Gattung Bathymodiolus, die an hydrothermalen Schloten im Atlantik leben, entdeckten Forscher ebenfalls erhöhte Konzentrationen des Seltenerdmetalls Europium. Dieses tritt mit dem mineralienreichen Wasser der Schlote aus.

Bisher kein Gadolinium in Organismen


Die Studie zeigt aber auch, dass die Bioverfügbarkeit offenbar nicht für alle Seltenerdmetalle gilt: Gadolinium, das in nahezu alle deutschen Flüssen in erhöhten Werten vorkommt und auch schon im Trinkwasser nachgewiesen wurde, konnten die Geochemiker in den Muschelschalen bisher nicht nachweisen.

Aber nicht nur in Deutschland, sondern nahezu überall auf der Welt breiten sich die Hochtechnologiemetalle in der Umwelt aus. So hatten die beiden Forscher bereits kurz zuvor herausgefunden, dass der brasilianische Lago Paranoa, ein als Naherholungsgebiet vielbesuchter künstlicher See in der Hauptstadt Brasilia, weiträumig mit Kontrastmittel-Gadolinium verunreinigt ist. Die Bioverfügbarkeit dieser Metalle müsse daher dringend weiter erforscht und überprüft werden, so die Wissenschaftler. (Science of the Total Environment, 2015; doi: 10.1016/j.scitotenv.2015.06.042)
(Jacobs University Bremen , 09.07.2015 - NPO)
 
Printer IconShare Icon