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Donnerstag, 08.12.2016
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Mukoviszidose: Erste Gentherapie zeigt Wirkung

Inhalierte DNA verbessert die Lungenfunktion bei betroffenen Jugendlichen

Hoffnung für Mukoviszidose-Patienten: Die erste Gentherapie gegen die tödliche Erbkrankheit hat in einer britischen Studie zu ermutigenden Resultaten geführt. Allerdings ist der positive Effekt bislang nur mäßig und nicht bei allen Patienten gleichermaßen ausgeprägt. Die Forscher sind jedoch zuversichtlich, die Therapie in weiteren Studien noch deutlich verbessern zu können, wie sie im Fachmagazin "The Lancet Respiratory Medicine" schreiben.
Flimmerhärchen der Lungenschleimhaut: Bei Mukoviszidose können sie den zähen Schleim nicht mehr abtransportieren.

Flimmerhärchen der Lungenschleimhaut: Bei Mukoviszidose können sie den zähen Schleim nicht mehr abtransportieren.

Mukoviszidose ist eine Krankheit mit einem traurigen Rekord: Sie ist von allen Erbkrankheiten die häufigste Todesursache bei Kindern bis 15 Jahre. Das bekannteste Symptom der auch Zystische Fibrose genannten Krankheit betrifft die Lunge: Die Zellen der Schleimhäute sondern einen besonders zähflüssigen Schleim ab. Dieser schränkt einerseits die Atemfunktion ein und liefert außerdem einen Nährboden für Bakterien. Häufige gefährliche Infektionen schädigen so die Lunge der Patienten weiter.

Gentherapie als Ausweg


Grund dafür sind Mutationen eines Gens namens CFTR. Fällt dieses Gen aus, können viele Zellen des Körpers den Wassergehalt der von ihnen produzierten Sekrete nicht korrekt steuern. Etwa einer von zweitausend Menschen wird mit der Krankheit geboren, in Deutschland leben zurzeit etwa 8.000 Menschen mit Mukoviszidose. Da es sich um eine Erbkrankheit handelt, ist Mukoviszidose bislang nicht heilbar, lediglich die Symptome lassen sich lindern. Die mittlere Lebenserwartung von Mukoviszidosepatienten liegt bei 40 Jahren.

Gentherapie liefert jedoch einen möglichen Ausweg: Wenn es gelingt, das durch Mutationen defekte Gen zu ersetzten, sollte sich die Krankheit heilen lassen. Diesen Ansatz verfolgen Mediziner um Eric Alton vom Imperial College London. Sie verpackten DNA-Moleküle mit der intakten Version des CFTR-Gens in winzige Fetttröpfchen. Diese lassen sich inhalieren, wodurch die gesunde DNA in die Lungenzellen gelangt.


Deutlich verbesserte Lungenfunktion


Diese erste Gentherapie gegen Mukoviszidose haben die Forscher nun auch klinisch getestet. An der Studie nahmen 136 britische Jugendliche mit Mukoviszidose im Alter von mindestens 12 Jahren teil. Sie erhielten das gesunde CFTR-Gen oder ein Placebo über einen Zeitraum von einem Jahr monatlich verabreicht.

Die Ergebnisse sind vielversprechend: "Patienten, die die Gentherapie erhielten, zeigten im Vergleich mit der Placebogruppe eine deutliche, wenn auch mäßige Verbesserung bei Tests ihrer Lungenfunktion", sagt Alton. Zusätzliche Gesundheitsrisiken für die Probanden habe es durch die Therapie nicht gegeben. Allerdings sei der positive Effekt inkonsistent, einige Patienten reagierten besser als andere.

"Die Ergebnisse sind ermutigend"


Dennoch sind die Mediziner zuversichtlich: "Die Ergebnisse sind ermutigend und legen das Fundament für weitere Studien, in denen wir den Effekt hoffentlich verbessern können." Dabei wollen die Forscher unter anderem häufigere Dosen und Kombinationen mit anderen Behandlungsmethoden untersuchen.

Die Gentherapie sei jedoch ein großer Fortschritt gegenüber den bisherigen symptomatischen Therapien, sagt Alton. Möglich geworden ist dieser Ansatz erst mit der Entdeckung des CFTR-Gens und seiner Mutationen im Jahr 1989. "Es hat über 20 Jahre gedauert, um dorthin zu gelangen, wo wir jetzt sind", so Alton. "Wir hoffen, dass die Gentherapie Mukoviszidose-Patienten schließlich näher an eine normale Lebenserwartung heranbringt und ihre Lebensqualität deutlich verbessert." (The Lancet Respiratory Medicine, 2015; doi: 10.1016/S2213-2600(15)00245-3)
(Imperial College London, 03.07.2015 - AKR)
 
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