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Samstag, 24.09.2016
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Ein Drittel der Grundwasser-Reservoire sind übernutzt

Neue Daten bestätigen rapide Abnahme der Reserven in vielen Teilen der Welt

Forscher schlagen Alarm: Nach neuesten Daten sind ein Drittel der großen Grundwasser-Vorkommen der Erde bereits übernutzt – Wasser wird schneller entnommen als nachfließen kann. Am stärksten betroffen ist das Arabische Aquifer-System, dicht gefolgt vom Indus-Becken und einem Reservoir in Nordafrika. Angesichts der rapiden Leerung dieser Reservoire sei es nun noch wichtiger, genau zu ermitteln, wie viel Grundwasser überhaupt übrig ist, so die Forscher.
Übernutzung der Aquifere weltweit - ausgedrückt als Entnahme gegenüber der Regeneration

Übernutzung der Aquifere weltweit - ausgedrückt als Entnahme gegenüber der Regeneration

Das Grundwasser ist vor allem in den trockenen Regionen der Erde eine überlebenswichtige Ressource. Doch gerade dort wird dieses knappe Gut oft schneller aus den Reservoiren gepumpt, als es sich regenerieren kann. Der steigende Wasserbedarf von Landwirtschaft, Industrie und Städten lässt die Pegel in den Aquiferen fallen – mit teilweise schon jetzt gravierenden Folgen. Doch wie viel ist noch übrig? Und wo droht der Mensch die unterirdischen Wasserreserven zu erschöpfen?

Ein Drittel ist übernutzt


Alexandra Richey von der University of California in Irvine und ihre Kollegen haben diese Frage für die 37 größten Grundwasser-Reservoire der Erde untersucht. Mit Hilfe von Daten der GRACE-Satelliten der NASA analysierten sie Schwerefeld-Anomalien über den Aquiferen und ermittelten über Modelle zum örtlichen Wasserhaushalt, wie viel Wasser aus den Reservoiren entnommen wird und wie viel über Niederschläge und Gewässerversickerung nachfließt. Auf diese Weise konnten die Forscher die Belastung der Aquifere quantifizieren.

Das Ergebnis: Rund ein Drittel aller großen Grundwasserspeicher der Erde sind übernutzt und damit gestresst, wie Richey und ihre Kollegen berichten. Acht davon verlieren durch ständige Entnahme beträchtliche Wassermengen, erhalten aber so gut wie keinen Nachschub durch natürliche Prozesse. Fünf weitere Aquifere werden von den Forschern als extrem gestresst klassifiziert, bei ihnen gibt es zwar Nachschub, aber zu wenig, um den Verlust auszugleichen.


Das Arabische Aquifer gehört zu den am stärksten belasteten weltweit - denn es regenerier sich so gut wie gar nicht.

Das Arabische Aquifer gehört zu den am stärksten belasteten weltweit - denn es regenerier sich so gut wie gar nicht.

Arabien, Indus-Becken und Nordafrika


Weltweit am stärksten übernutzt ist nach Angaben der Forscher das Arabische Aquifer-System – eine wichtige Wasser-Ressource für 60 Millionen Menschen. Durch das Wüstenklima dieser Region ist die Bevölkerung hier auf Grundwasser angewiesen, gleichzeitig aber verhindert das trockene Klima, dass sich neues Grundwasser nachbildet.

Zu den am stärksten gestressten Grundwasser-Vorkommen gehören auch das Indus-Becken unter Nordwest-Indien und Pakistan und das Murzuk-Djado-Becken unter Nordafrika. Ebenfalls stark von Übernutzung gefährdet sind das Kaukasus-Aquifer, das Canning-Becken in Nordaustralien und das Grundwasser-Reservoir unter dem Central Valley in Kalifornien. Bei Letzterem ist vor allem die übermäßige Wasserentnahme für die Landwirtschaft die Ursache für die Übernutzung, so die Forscher.

Wie viel Wasser bleibt uns noch?


Ein großes Problem aber bleibt, wie die Wissenschaftler erklären: Zwar kann man Wasserentnahme und Nachschub bei diesen Reservoiren inzwischen halbwegs abschätzen. Unbekannt aber bleibt, wie viel Grundwasser in diesen unterirdischen Vorkommen überhaupt enthalten ist. "Die Schätzungen zur Reichweite der verbleibenden Wassermenge variieren zwischen Jahrzehnten du Jahrtausenden", sagt Richey. Die verfügbaren physikalischen und chemischen Messungen sind bisher einfach ungenügend.

Doch gerade angesichts der klaren Übernutzung vieler Reservoire sei dies enorm gefährlich, betonen die Forscher. "Angesichts der Geschwindigkeit, mit der wir die Grundwasserreserven der Erde plündern, brauchen wir eine koordinierten globale Anstrengung, um herauszufinden, wie viel uns noch bleibt", sagt Seniorautor Jay Famiglietti von der University of California. Bis dahin könne die aktuelle Studie nur rote Warnflaggen dort hissen, wo ein besseres und nachhaltigeres Wassermanagement dringen nötig ist. (Water Resources Research, 2015; doi: 10.1002/2015WR017349)
(University of California - Irvine, 17.06.2015 - NPO)
 
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