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Freitag, 30.09.2016
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Juckreiz: Warum wir uns kratzen

Das Kratzen aktiviert den Belohnungs-Schaltkreis im Gehirn – und kann regelrecht süchtig machen

Kratzen hilft: Forscher haben herausgefunden, warum es so gut tut, sich an einer juckenden Stelle zu kratzen. Das Kratzen überdeckt nicht nur vorübergehend den Juckreiz, es aktiviert auch das Belohnungssystem des Gehirns und löst dadurch Wohlgefühl aus. Bei chronischen Juck-Patienten allerdings ist diese Hirnreaktion übersteigert, wie Hirnscans enthüllten. Sie entwickeln dadurch fast schon eine Kratz-Sucht.
Kratzen gegen den Juckreiz tut sooo gut - aber warum?

Kratzen gegen den Juckreiz tut sooo gut - aber warum?

Es gibt kaum etwa Nervigeres als chronisches Jucken beispielsweise bei einer Neurodermitis oder einem Ekzem. Meist helfen selbst Salben nur bedingt gegen den quälenden Juckreiz. Da wundert es kaum, dass viele Betroffene das Einzige tun, was - zumindest im Moment - Linderung verschafft: Sie kratzen sich.

Tiefes Wohlgefühl


Das Gefühl des Kratzens überdeckt den Juckreiz und löst ein tiefes Wohlgefühl aus. Auf Dauer allerdings ist das Herumreiben an der juckenden Stelle eher kontraproduktiv: "Obwohl es zunächst angenehm ist, kann anhaltendes Kratzen sogar die Intensität des Juckens verstärken", erklärt Hideki Mochizuki von der Temple University in Philadelphia. "Schmerzen und im Extremfall bleibende Hautschäden können die Folge sein."

Warum aber ist es so schwer, dem Kratz-Drang zu widerstehen? Um das zu klären, haben Mochizuki und seine Kollegen nun die Hirnaktivität beim Kratzen mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) näher untersucht. Für ihre Studie baten sie zehn Patienten mit chronischem Juckreiz und zehn gesunde Probanden in den Hirnscanner. Alle Teilnehmer erhielten eine juckende Lösung auf den Unterarm und kratzten sich dort, während ihre Hirnaktivität aufgezeichnet wurde.


Kratzen aktiviert Belohnungs-Schaltkreis


Wie sich zeigte, aktivierte das Kratzen bei allen Probanden zwei Hauptschaltkreise des Gehirns: Zum einen waren dies Hirnareale, die zum Belohnungssystem gehören, wie die Forscher berichten. Dies erklärt das intensive Wohlgefühl beim Kratzen einer juckenden Stelle und auch den Drang, immer weiter daran herumzureiben. "Dieses Ergebnis bestätigt, dass das Belohnungssystem eine entscheidende Rolle für das vom Kratzen ausgelöste Wohlgefühl spielt", so Mochizuki und seine Kollegen.

Zum anderen aktivierte das Kratzen auch Areale, die mit der Kontrolle der Bewegungen und der Motivation zu Handeln assoziiert sind – da Kratzen mit Bewegung des Arms und der Finger verbunden ist, erscheint dies logisch. Auffallend aber waren die Unterschiede zwischen den chronischen Juck-Patienten und den gesunden Kontrollprobanden. Denn bei ersteren war die Hirnaktivität im Bewegungssystem deutlich höher und auch das Belohnungssystem feuerte intensiver, wie die Forscher feststellten.

Komplexe Zusammenhänge


Nach Ansicht der Forscher könnte diese Überaktivität erklären, warum das Kratzen bei Patienten mit chronischem Juckreiz geradezu suchtähnliche Züge annehmen kann. Ihr Gehirn reagiert intensiver positiv auf den Kratzreiz. "Unsere Ergebnisse können dazu beitragen, das Hirn-Netzwerk hinter dem Jucken-Kratzen-Kreislauf besser zu verstehen", sagt Mochizuki. "Das könnte dabei helfen, neue Therapien für die betroffenen Patienten zu finden."

Dass die Sache nicht so einfach ist, zeigte allerdings bereits 2012 eine Studie, bei der Forscher das Phänomen der "Juck-Ansteckung" untersuchten: Selbst wenn wir nur jemanden sehen, der sich kratzt, juckt es uns unwillkürlich auch und in unserem Gehirn springen die "Juck-Schaltkreise" an. Psyche und körperliche Symptome sind hier demnach besonders eng verknüpft. (Journal of Investigative Dermatology, 2015; doi: 10.1038/jid.2015.223)
(Temple University, 16.06.2015 - NPO)
 
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