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Montag, 05.12.2016
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Ist die Erwärmungs-Pause ein Mythos?

Fehlende Korrekturen für Messmethoden könnten die Verlangsamung erklären

Doch keine Pause? Selbst das IPCC ging in ihrem letzten Bericht von einer vorübergehenden Verlangsamung der Erderwärmung aus. Doch US-Klimaforscher widersprechen dem nun: Verfälschungen in den Messungen haben demnach diesen Knick nur vorgegaukelt. In Wirklichkeit geht der Klimawandel auch seit 1998 unvermindert stark weiter, wie sie im Fachmagazin "Science" vorrechnen. Hauptgrund für die vermeintlich niedrigeren Erwärmungsraten ist demnach nicht das Klima, sondern die ungenügende Berücksichtigung geänderter Messmethoden.
Keine Entwarnung für den Eisbären: Die Erwärmung geht unvermindert weiter

Keine Entwarnung für den Eisbären: Die Erwärmung geht unvermindert weiter

Als das IPCC im Jahr 2013 seinen jüngsten Weltklimabericht veröffentlichte, sorgte vor allem ein Ergebnis für Aufsehen: Eine Delle in der Klimakurve, die auf eine verlangsamte Erwärmung in den letzten gut 15 Jahren hinzudeuten schien. Dies löste eine ganze Serie von Studien aus, die nach Erklärungen für diese Pause suchten. Als Gründe sah man vor allem eine erhöhte Wärmeaufnahme der Ozeane, aber auch verstärkte Passatwinde oder sogar die Schwefelemissionen Chinas.

Keine Verlangsamung


Thomas Karl und seine Kollegen von der National Oceanographic and Atmospheric Administration (NOAA) liefern nun aber eine ganz andere, verblüffend simple Erklärung für die Erwärmungs-Pause: Die Messungen sind schuld. Denn berücksichtigt man die Veränderungen in der Messtechnik und in der Verteilung der Messstationen in den letzten gut 15 Jahren, dann ergibt sich ein völlig anderes, "pausenfreies" Bild, wie sie erklären.

Die Erwämungsraten nach dem letzen IPCC-Bericht (links) und nach den neuen Analysen

Die Erwämungsraten nach dem letzen IPCC-Bericht (links) und nach den neuen Analysen

Demnach lag die Rate der Erwärmung seit 1998 keineswegs niedriger als in den Jahrzehnten davor. "Für die aktuellste Periode von 1998 bis 2012 kommt unsere neue Analyse auf mehr als doppelt so hohe Erwärmungsraten wie das IPCC", berichten die Forscher. Sie ermittelten 0,86 Grad pro Dekade statt nur 0,36 Grad wie noch im Weltklimabericht. "Unsere Ergebnisse könne daher eine Verlangsamung der Erwärmung nicht bestätigen", konstatieren Karl und seine Kollegen. Sie führen drei Faktoren an, die die Messergebnisse der letzten eineinhalb Jahrzehnte verfälscht haben könnten.


Bojen und Eimer


Zum einen hat sich die Probennahme auf See deutlich gewandelt: Früher wurden nahezu alle Messungen der Meeresoberflächen-Temperatur von Schiffen aus gemacht. Inzwischen aber dienen immer mehr verankerte Bojen als marine Messstationen. "Die Bojendaten haben sich als akkurater und verlässlicher erwiesen als die Schiffsdaten", erklären Karl und seine Kollegen. Gleichzeitig aber liefern sie im Durchschnitt leicht kühlere Werte als die ungenaueren Schiffsmessungen.

Zum zweiten hat sich auch die Technik der Schiffsmessungen verändert: Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde einfach ein Eimer mit Wasser aus dem Meer geholt und darin die Wassertemperatur gemessen. Dies ergab aber andere Werte als die seither übliche Methode mit Thermometern im von den Motoren angesaugten Wasserstrom. Deshalb wurde für die alten Werte ein Korrekturfaktor eingeführt. "Kürzlich erhobene Daten zeigen jedoch, dass einige Schiffe bis heute die Eimermethode anwenden", berichten die Forscher. Das aber bedeutet, dass auch ein Teil der Messungen der letzten Jahre korrigiert werden muss.

Das Arktis-Problem


Der dritte Faktor ist die Verteilung der Messstationen auf dem Land: "Neue Analysen haben enthüllt, dass die unvollständige Abdeckung der Arktis durch Messstationen dazu geführt hat, dass die Erwärmung dort unterschätzt wurde", erklären die Forscher

Die neue Analyse ergab keine Verringerung der Erwärmungsrate in den letzten gut 15 Jahren.

Die neue Analyse ergab keine Verringerung der Erwärmungsrate in den letzten gut 15 Jahren.

Hinzu kommt, dass es in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel tatsächlich eine deutliche regionale Abkühlung im 21. Jahrhundert gegeben hat, wie Karl und seine Kollegen erklären. Die Ursache ist eine Verlagerung von Luftmassen: Kühle Luft aus der Arktis reicht weiter nach Süden bis zu uns, dafür gelangt milde Luft in die Arktis. Wird dieser Bereich aber überrepräsentiert, und die Arktis unterschätzt, dann ergibt sich ebenfalls eine leichte Verfälschung der Daten.

"Kein Anzeichen für eine Pause"


Für ihre Neuanalyse berücksichtigen die Forscher alle drei Faktoren und kamen dadurch für die Periode 1998 bis 2012 auf andere Werte als das IPCC. Sie fanden keinen Hinweis mehr auf eine "Pause" in der Erwärmung. "Unsere Analysen zeigen, dass der Trend von 1950 bis 1999 mit 0,113 Grad pro Dekade nahezu ununterscheidbar ist vom Trend der Periode 1998 bis 2012 mit 0,106 Grad pro Dekade", so die Forscher. Nehme man die Jahre 2013 und 2014 noch hinzu, steige die Erwärmungsrate sogar auf 0,116 Grad pro Dekade.

Für die Jahrzehnte davor aber lagen die Werte der neuen Analyse im gleichen Bereich wie in den IPCC-Messungen – ein Hinweis darauf, dass die Methodik stimmt. "Für die volle Periode von 1880 bis heute zeigt unsere Analyse die gleichen Erwärmungsraten wie die vorhergehenden Analysen", so die Forscher. "Das bestätigt, dass die Korrekturen vor allem in den jüngsten Dekaden greifen." Den größten Anteil hatten daran die Korrekturen der Messungen auf See, wie sie berichten. (Science, 2015; doi: 10.1126/science.aaa5632)
(American Association for the Advancement of Science / Science, 08.06.2015 - NPO)
 
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