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Mittwoch, 28.09.2016
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Wer benutzt ein Elektroauto?

Studie zeigt hohe Zufriedenheit der Nutzer von Elektroautos trotz kleinerer Einschränkungen

Wer sind die Nutzer von Elektroautos – und wie zufrieden sind sie damit? Elektroautos haben zwar einige ihrer anfänglichen Probleme überwunden, können sich bislang aber noch nicht durchsetzen. Deutsche Verkehrsforscher haben darum in der bisher größten Studie zum Thema untersucht, wie die Nutzer von elektrisch getriebenen Fahrzeugen im Alltag mit den Vorteilen und Einschränkungen umgehen. Fazit: Die Fahrer sind hochzufrieden und dem Durchbruch der Elektroautos steht kaum etwas im Weg - theoretisch.
Elektroautos fehlt bislang der große Durchbruch - warum eigentlich? Die Fahrer sind hochzufrieden.

Elektroautos fehlt bislang der große Durchbruch - warum eigentlich? Die Fahrer sind hochzufrieden.

Elektroautos sind auf deutschen Straßen bislang kein alltäglicher Anblick – die elektrisch getriebenen Fahrzeuge warten noch auf den ganz großen Durchbruch. Vor allem die kurze Reichweite und die vergleichsweise geringe Menge an Ladestationen sehen viele Menschen als Nachteil. Die Zahl zugelassenen Elektroautos steigt dennoch immer schneller an. Welche Menschen und Betriebe sind es, die sich für einen elektrischen Antrieb entscheiden – und wie zufrieden sind sie damit?

Gut gebildet, höheres Einkommen


Um diese Fragen zu beantworten, haben Wissenschaftler um Stefan Trommer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln über 9.200 Halter von reinen Elektroautos oder Plug-In-Hybriden für eine Umfrage angeschrieben. Rund doppelt so viele Elektro-PKW sind in Deutschland zurzeit zugelassen. Knapp ein Drittel der kontaktierten Elektroauto-Besitzer nahm an der Studie teil: "Die Zahl der Teilnehmer ist mit 3.111 sehr erfreulich und bietet uns für den deutschen Raum einen repräsentativen Einblick in Einstellungen zum Elektroauto und seiner Nutzung", sagt Trommer.

Den Ergebnissen zufolge sind es unter Privatpersonen vor allem gut gebildete Männer mit höherem Einkommen, die ein Elektroauto nutzen. Das Durchschnittsalter liegt mit 51 Jahren höher als bei Käufern von konventionellen Neuwagen. Die meisten Nutzer leben abseits der Großstädte: Nur etwas mehr als jeder Fünfte der Befragten lebt in einer Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Über die Hälfte wohnt dagegen in Kleinstädten und Landgemeinden mit Einwohnerzahlen unter 20.000.


Kleine Unternehmen statt großer Elektro-Flotten


Die privaten Halter von Elektroautos zeichnen sich zwar durch hohes Umweltbewusstsein aus. Allerdings ergänzen viele von ihnen die begrenzte Reichweite des Elektrofahrzeugs durch einen Zweitwagen: Vier von fünf Personen gaben an, auch einen konventionellen Pkw zu besitzen. Allerdings hatte die Hälfte der Halter bereits zuvor zwei Autos und ersetzte eins davon bewusst durch ein elektrisches.

Genug Schnellladepunkte im öffentlichen Raum fehlen vielen Nutzern von Elektroautos bislang.

Genug Schnellladepunkte im öffentlichen Raum fehlen vielen Nutzern von Elektroautos bislang.

Die gewerblichen E-Fahrzeug-Nutzer sind vor allem kleine Unternehmen mit maximal 49 Mitarbeitern und neun Fahrzeugen, inklusive dem E-Auto. Damit widerlegt die Studie eine verbreitete Annahme: Ursprünglich galten vor allem große Unternehmen mit großer Fahrzeugflotte als mögliche treibende Kraft hinter dem Durchbruch der Elektromobilität.

Umweltbewusstsein und Fahrspaß


Private wie gewerbliche Nutzer schaffen sich aus denselben Gründen ein Elektroauto an: Sie haben vor allem Interesse an der innovativen Fahrzeugtechnologie und wollen die Umweltbelastung durch ausgestoßene Schadstoffe verringern. Aber auch günstigere Energiekosten pro Kilometer und der Fahrspaß am Elektroantrieb bewegten die Nutzer zum Kauf. Externe Anreize, wie die Befreiung von der Kfz-Steuer oder kostenloses Parken und Aufladen, spielen der Studie zufolge dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Im hauptsächlich städtischen Umfeld, wo die Elektrofahrzeige vor allem genutzt werden, wirken sich die vermeintlichen Nachteile offenbar nicht merklich aus: Im privaten Alltag werden E-Fahrzeuge wie konventionelle Pkws genutzt und legen an einem durchschnittlichen Werktag genauso viele Kilometer zurück.

Reichweite macht sich bemerkbar


Auf das ganze Jahr gerechnet macht sich die geringere Reichweite jedoch bemerkbar: Die privaten Nutzer von rein batteriebetriebenen E-Autos absolvieren mit ihren Neuwagen jährlich 10.300 Kilometer, herkömmliche Pkw dagegen kommen auf 15.400 Kilometer. Der zusätzliche Verbrennungsmotor verschafft den Plug-In-Hybriden einen Platz dazwischen, sie kommen auf jährlich 13.600 Kilometer.

Diese Unterschiede liegen vor allem daran, dass mehr als die Hälfte der privaten Nutzer aufgrund der eingeschränkten elektrischen Reichweite keine Wochenend- und Urlaubsfahrten mit dem E-Auto unternehmen. Gewerbliche Nutzer sind außerdem durch die im Vergleich geringeren Zulademöglichkeiten der Elektroautos beim Transport von Waren und Gütern eingeschränkt.

Insgesamt hochzufrieden


Ein weiterer begrenzender Faktor der Autos mit Elektroantrieb sind die verfügbaren Ladestationen. Die meisten Nutzer laden ihr Fahrzeug bequem über Nacht am Wohnort, viele auch am Arbeitsplatz. Diese Orte sind wegen der langen Aufenthalte und damit langer Standzeiten des Autos besonders wichtig. Eher unbedeutend sind dagegen Ladestationen im öffentlichen Raum, welche die Nutzer nur selten ansteuern. Dies hängt auch mit den Ladezeiten zusammen: Die meisten Elektroauto-Fahrer wünschen sich mehr Schnelllade-Punkte und halten die technischen Voraussetzungen für eine Schnellladung im Elektroauto für serienmäßig notwendig.

Insgesamt zeigten sich die befragten Nutzer hochzufrieden mit ihrem elektrischen Neuwagen. 84 Prozent der privaten Halter würden die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs weiterempfehlen. Die Mehrheit der gewerblichen Elektrofahrzeughalter plant sogar, den Fuhrpark mit zusätzlichen Elektrofahrzeugen zu erweitern. Die Studienteilnehmer bilden den Forschern zufolge damit einen soliden Kern sogenannter "Early Adopter", der als Ausgangspunkt dienen und den Elektroautos doch noch zum Durchbruch verhelfen kann.

Den vollständigen Bericht stellt das DLR auch zum Download (pdf, 1 MB) bereit.
(Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, 27.05.2015 - AKR)
 
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