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Dienstag, 27.09.2016
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Top Ten der ungewöhnlichsten Arten 2015 gekürt

Zu den Neuentdeckungen gehören eine Flickflack-Spinne, Unterwasser-Kornkreise und Rätselwesen aus der Tiefsee

Ein Fisch, der "Kornkreise" unter Wasser malt, eine radschlagende Spinne und ein urzeitliches "Höllenhuhn" – sie gehören zu den Top Ten der ungewöhnlichsten Neuentdeckungen des letzten Jahres. Die bizarren Wesen demonstrieren, welche Überraschungen die Natur noch immer bereiten kann – und sie zeigen, dass wir gerade erst begonnen haben, die erstaunliche Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten zu erkunden.
Sechs der zehn ungewöhnlichsten Arten 2015

Sechs der zehn ungewöhnlichsten Arten 2015

Wie schon im letzten Jahr haben auch 2015 Forscher des International Institute for Species Exploration (IISE) eine Liste der zehn ungewöhnlichsten Neuentdeckungen des Jahres zusammengestellt. Ein internationales Komitee von Taxonomen wählt dafür die Spezies aus, die in ihren Augen besonders faszinierend, besonders oder überraschend sind. Die seit 2008 jährlich veröffentlichte Liste soll aber auch bewusst machen, dass in vielen Regionen der Erde Tiere und Pflanzen schneller aussterben als sie identifiziert werden können.

"Der letzte noch unentdeckte Bereich auf der Erde ist die Biosphäre", betont Quentin Wheeler, einer der Gründer des IISE. "Wir haben gerade erst damit begonnen, die erstaunliche Herkunft, Geschichte und Vielfalt des Lebens zu erkunden." Forscher gehen davon aus, dass weltweit noch mindestens zehn Millionen Arten auf ihre Entdeckung warten – fünf Mal so viele wie bisher bekannt und beschrieben sind. "Unsere Top Ten sind eine Erinnerung daran, welche Wunder uns noch erwarten", so Wheeler.

Der Pufferfisch (Torquigener albomaculosus) schafft erstaunlich komplexe geometrische Gebilde.

Der Pufferfisch (Torquigener albomaculosus) schafft erstaunlich komplexe geometrische Gebilde.

"Kornkreise" am Meeresgrund


20 Jahre lang rätselten Meeresforscher über dieses Phänomen: Vor der Küste der japanischen Insel Amami-Ōshima fanden sie immer wieder kreisrunde, etwa zwei Meter große Muster am Meeresboden. Die komplexen geometrischen Formen erinnerten an Kornkreise – und auch in diesem Fall blieben ihre Schöpfer zunächst rätselhaft. Doch dann ertappte der Unterwasser-Fotograf Yoji Okata den Täter: Es war ein zuvor unbekannter Pufferfisch (Torquigener albomaculosus).


Wie sich zeigte, erzeugt dieser Fisch die geometrischen Wälle und Senken, indem er dicht über den Meeresboden schwimmt und dabei den Sand mit seinem Körper formt. Der Unterwasser-"Kornkreis" erfüllt dabei einen wichtigen Zweck: Er minimiert Strömungen und Turbulenzen und schützt so den im Zentrum abgelegten Laich des Fisches.

Rätselwesen aus der Tiefsee


Noch immer rätselhaft ist dagegen ein Wesen, das in der Tiefsee vor der australischen Küste entdeckt wurde: Dendrogramma enigmatica ähnelt auf den ersten Blick einem Pilz, doch das nur wenige Millimeter große Gebilde lässt sich keiner bekannten Tiergruppe zuordnen. In mancher Hinsicht ähneln diese Wesen Ur-Mehrzellern, wie sie im Präkambrium vor mehr als 500 Millionen Jahren lebten. Forscher hoffen nun auf weitere Funde dieser Art, um mehr über dieses seltsame Tier zu erfahren.

Ebenfalls vor der Küste Japans fanden Forscher die rund zwei Zentimeter lange Meereschnecke Phyllodesmium acanthorhinum. Sie besticht nicht nur durch ihre ätherische Schönheit, sondern ist auch ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den korallen- und medusenfressenden Meeresschnecken.

Flick-flack-Spinne und Kadaverwall


In der Wüste Marokkos entdeckten Wissenschaftler die Spinne Cebrennus rechenbergi – und staunten über ihre ungewöhnliche Fluchtmethode: Droht Gefahr, stößt sich die Spinne wie eine Kunstturnerin vom Boden ab und schlägt eine Reihe schneller Flick-Flacks. Mit einem Tempo knapp zwei Metern pro Sekunde ist die radschlagende Spinne doppelt so schnell unterwegs wie im normalen Laufmodus.

Die Spinne Cebrennus rechenbergi entzieht sich durch Flickflacks der Gefahr


Eher gruselig ist dagegen die Schutzstrategie der in China entdeckten Beinhaus-Wespe (Deuteragenia ossarium). Um den Nachwuchs in ihrem Nest zu schützen, türmt sie in einer Vorkammer einen Wall aus bis zu 13 toten Ameisen auf. Der Geruch der Kadaver und ihre Barrierewirkung bewahren die Nachkommen vor Fressfeinden. Die Beinhaus-Wespe ist das einzige Tier, von dem eine solche Schutzstrategie bekannt ist.

Höllenhuhn, eine Stabschrecke und ein lebendgebärender Frosch


In der diesjährigen List ist auch ein bereits ausgestorbenes Tier dabei: Das "Höllenhuhn" Anzhu wyliei. Dieser gut drei Meter lange gefiederte Dinosaurier ist mit seinen Federn, hohlen Knochen und Papageienschnabel sehr vogelähnlich, gehört aber nicht zu den direkten Vorfahren der heutigen Vögel. Sein auffallendstes Merkmal ist ein hoher, dünner Knochenkamm auf dem Kopf – wozu dieser diente, ist bisher unklar.

Ziemlich lebendig ist dagegen die bizarre Stabschrecke Phryganistria tamdaoensis. Mit mehr als 20 Zentimetern Länge gehört dieses in Vietnam entdeckte Insekt zu den großen Vertretern dieser Tiergruppe. Verblüffend gut ahmt die Stabschrecke mit ihrem dünnen Körper und den zweigähnlichen Beinen einen Ast nach – erst wenn sie sich bewegt, wird die Täuschung sichtbar.

Eine ungewöhnliche Fortpflanzung hat die in Indonesien entdeckte Froschart Limnonectes larvaepartus. Die meisten Amphibien nutzen eine externe Befruchtung und geben Eier und Samen einfach ins Wasser ab, einige wenige gebären fertige Fröschlein oder legen befruchtete Eier. Doch der neuentdeckte Frosch gebärt lebende Kaulquappen – dies ist bisher einzigartig. Als einer der Biologen ein Weibchen in die Hand nahm, gebar sie sogar ein paar Kaulquappen in die winzige Wasserlache auf ihrer Handfläche.

Parasitenpflanze und Weihnachts-Bromelie


Kaum entdeckt, schon akut von Aussterben bedroht: An einem Berghang auf den Philippinen haben Forscher eine parasitische Pflanze entdeckt, von der wahrscheinlich nur rund 50 Exemplare existieren. Balanophora coralliformis besteht nur aus wurzelartigen Auswüchsen, mit denen sie die Wurzeln anderer Pflanzen anzapft. Blätter oder andere grüne Pflanzenteile besitzt sie nicht und kann daher auch keine Fotosynthese durchführen. Sie ist daher völlig auf die von ihr parasitierten Wirte angewiesen.

Eher bunt ist dagegen das in Mexico entdeckte Bromeliengewächs Tillandsia religiosa. Für die Einheimischen sind seine rosafarbenen Blätter und sattgrünen Blattrosetten nichts Neues: Darstellungen dieser Pflanze finden sich oft in den Bildern, die die weihnachtlichen Altäre dieser Region schmücken. Der Wissenschaft aber war diese Pflanze unbekannt. Erst jetzt wurde sie offiziell beschrieben.
(SUNY College of Environmental Science and Forestry, 21.05.2015 - NPO)
 
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