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Samstag, 02.07.2016
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New York: Alle 1,5 Tage ein Supertanker

Ressourcenverbrauch der 27 weltgrößten Megacities erstmals im Vergleich

New York ist ein echter Energiefresser, Tokio erstaunlich sparsam und London ist die einzige Megacity, deren Stromverbrauch sogar sinkt. Wie die 27 größten Megacities der Erde mit Energie, Wasser und anderen Ressourcen umgehen, hat ein internationales Forscherteam nun erstmals umfassend verglichen – mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. Sie zeigen aber auch, dass die wachsenden Ballungsräume überproportional an den Ressourcen zehren.
New York liegt im Ressourcenverbrauch an erster Stelle unter den 27 größten Megacities

New York liegt im Ressourcenverbrauch an erster Stelle unter den 27 größten Megacities

Die großen Ballungsräume der Erde wachsen immer weiter: 1970 gab es weltweit nur acht Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern, 2010 waren es bereits 27 solcher Megacities – mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Das aber hat Folgen. Denn die Ballungsräume mit ihrer dichten Bevölkerung verbrauchen enorme Mengen an Ressourcen.

27 Stadt-Giganten im Vergleich


Wie viele dies tatsächlich sind, haben Chris Kennedy von der University of Toronto und seine Kollegen nun erstmals bei den 27 größten Megacities im Vergleich untersucht. Unter diesen sind der weltweit größte Ballungsraum Tokio, Mexico City, Schanghai, Mumbai und Guangzhou, aber auch die die US-Städte New York und Los Angeles und europäische Metropolen wie London, Paris und Moskau.

Schon die Gesamtwerte zeigen, wie hoch der Ressourcenbedarf dieser Giganten unter den Ballungsräumen ist: In den 27 größten Megacities leben 6,7 Prozent der Weltbevölkerung. Dennoch verbrauchen ihre Einwohner neun Prozent der weltweiten Elektrizität und zehn Prozent des Treibstoffs. Gleichzeitig produzieren sie fast 13 Prozent des globalen Mülls.


Energie- und Wasserverbrauch der 27 größten Megacities im Vergleich

Energie- und Wasserverbrauch der 27 größten Megacities im Vergleich

Ein Supertanker alle eineinhalb Tage


Der Vergleich der Städte untereinander zeigte aber deutliche Unterschiede. Spitzenreiter im negativen Sinne war in fast allen Kategorien New York: Die US-Megacity verbrauchte am meisten Energie und Wasser und produzierte fast dreimal so viel Abfall wie die nächstfolgende Metropole Mexico City. Allein der Energiebedarf New Yorks entspricht der Ladung eines Supertankers alle 1,5 Tage, wie Kennedy berichtet. "Als ich das sah, fand ich das schier unglaublich", so der Forscher.

Insgesamt gehören neun Megacities zu den Super-Energiefressern: Moskau, Seoul, Los Angeles, Schanghai, Guangzhou, Osaka, Teheran, Mexico City und London verbrauchen pro Jahr mehr als 1.000 Petajoule, das entspricht etwa 280 Gigawattstunden. Beim Wasserverbrauch lagen New York mit 10,9 Millionen Megaliter vor Guangzhou und Schanghai mit rund 9,8 und Los Angeles mit 6,6 Millionen Megaliter. Am wenigsten verbrauchte Jakarta mit nur 0,48 Millionen Megaliter.

Reichtum, Dichte und Lage spielen eine Rolle


Als Gründe für die Unterschiede nennen die Forscher vor allem die Wirtschaft: "Reiche Menschen konsumieren mehr und werfen letztlich auch mehr Zeug weg", so Kennedy. "Der durchschnittliche New Yorker verbraucht 24 Mal mehr Energie als ein Einwohner von Jakarta und produziert mehr als 15-Fache des Abfalls." Es ist daher kein Zufall, dass auch Megacities wie Kalkutta, Lagos oder Delhi in der Liste der Verbraucher ganz hinten liegen.

Aber auch die geografische Lage und die Dichte der Besiedelung in der Stadt spielen eine Rolle, wie die Forscher erklären: Städte, die in kühleren Regionen liegen, verbrauchen auch mehr Energie, weil sie im Winter mehr heizen müssen. Beispiele dafür sind New York und Moskau. Hinzu kommt: "Städte mit niedrigerer Dichte wie Los Angeles und New York haben mehr Wohnraumfläche pro Kopf", so die Wissenschaftler. "Das führt zu höherem Stromverbrauch durch Heizung, Beleuchtung und andere Anwendungen."

Die weltgrößte Megacity Tokio ist zumindest im Wasserverbrauch in Positivbeispiel

Die weltgrößte Megacity Tokio ist zumindest im Wasserverbrauch in Positivbeispiel

Es geht auch anders


Aber Reichtum und Lage erklären nicht alle Unterschiede, wie die Forscher betonen. Der Vergleich enthüllt auch, dass einige Städte aktiv – und erfolgreich daran arbeiten, ihren Ressourcenverbrauch zu senken, andere dagegen nicht. So hat die 34-Millionen Stadt Tokio durch ihr effektives öffentliches Nahverkehrssystem den Energieverbrauch durch den Verkehr gesenkt. Gezielte Maßnahmen sorgten zudem dafür, dass der Wasserverlust durch Lecks im Leitungssystem auf nur drei Prozent reduziert wurde.

Auch Seoul ist ein Positivbeispiel: Die Stadt hat ein System für die Zweitnutzung von Brauchwasser beispielsweise für die Toilettenspülung entwickelt und installiert. Dadurch wird die Ressource Wasser effektiver genutzt. Gegenbeispiele sind die südamerikanischen Metropolen Rio de Janeiro und Sao Paulo: Hier versickern mehr als 50 Prozent des Wassers ungenutzt im Boden. "Dies sind Orte, die eigentlich wirklich knapp an Wasser sind – trotzdem lassen sie es versickern", so Kennedy.

Die Ressourcenfresser wachsen rapide


Und die Entwicklung setzt sich weiter fort, denn die Megacities wachsen rapide, wie die Forscher berichten. In den zehn Jahren von 200 bis 2010 wuchs die Hälfte der 27 untersuchten Megacities um mehr als zehn Prozent, Istanbul, Dhaka, Beijing, Shenzhen und Schanghai sogar um mehr als 40 Prozent. Mit der wachsenden Bevölkerung steigt auch der Ressourcenbedarf – und das größtenteils sogar überproportional schnell. In neun der Megacities nahm der Stromverbrauch dreimal stärker zu als die Bevölkerung.

Die Ausnahme ist hier London: Die britische Hauptstadt ist die einzige unter den Megacities, deren Stromverbrauch trotz steigender Einwohnerzahlen sank. Erreicht wurde dies unter anderem durch einen 66 Prozent gestiegenen Strompreis und eine erhöhte Energieeffizienz in Gebäuden und Geräten, wie die Forscher berichten.

"Das belegt, dass Megacities durchaus Fortschritte machen können, wenn es um die Reduktion ihres Ressourcenverbrauchs geht", so Kennedy. "Das ist ermutigend." Die Studie zeige aber auch, dass dringend Handlungsbedarf bestehe. (Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 2015; doi: 10.1073/pnas.1504315112)
(University of Toronto, 29.04.2015 - NPO)