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Dienstag, 27.09.2016
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Deepwater Horizon – fünf Jahre danach

Die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sind bis heute spürbar

Folgen bis heute: Als am 20. April 2010 die Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko explodierte, begann damit die schlimmste Ölkatastrophe der Geschichte. Auch heute, fünf Jahre später, sind die Folgen der Ölpest längst nicht überwunden – weder von der Natur, noch von den Menschen, die an den betroffenen Küsten leben.
Feuer auf der Bohrinsel Deepwater Horizon nach dem Blow Out des Bohrlochs am 20. April 2010

Feuer auf der Bohrinsel Deepwater Horizon nach dem Blow Out des Bohrlochs am 20. April 2010

Am 20. April 2010 begann mit einer Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko eine der größten Umweltkatastrophen der Neuzeit. Rund 700 Millionen Tonnen Öl und 500.000 Tonnen Methangas strömten 84 Tage lang aus dem geborstenen Bohrloch ins Meer. Der hohe Druck und die große Tiefe machten es zunächst unmöglich, das Leck zu verstopfen. Ein Tiefseeroboter, der das Bohrloch verschließen sollte, scheiterte.

"Das Bild dieser ineffektiven Metallklaue wurde für mich zum Symbol unserer technologischen Hybris und fehlgeleiteten Energiepolitik", sagte Jean-Michel Cousteau, der Sohn des berühmten Meeresforscher Jacques Cousteau und Präsident der Ocean Futures Society anlässlich des fünften Jahrestags der Ölkatastrophe. Erst rund drei Monate nach der Explosion gelang es BP, das Leck zu stopfen. Doch für den Golf von Mexiko und seine reiche Artenvielfalt war es da schon zu spät.

Dramatische Folgen für den gesamten Lebensraum


Der Ölteppich verseuchte mehr als 1.00 Kilometer Küste und brachte giftiges Öl und Lösungsmittel in den Lebensraum von mehr als 8.000 Arten, darunter Fischen, Vögeln, Weichtieren, Reptilien, Krebsen und Meeressäugern. Unter den Delfinen im Golf von Mexiko löste die Ölpest das größte bekannte Massensterben dieser Region aus: Mehr als 1.300 Delfine wurden in den Monaten und Jahren nach der Katastrophe tot an die Strände geschwemmt, zudem stellten Forscher fest, dass Lungenerkrankungen bei den Meeressäugern deutlich zugenommen haben.


Ein stark verölter Brauner Pelikan an der Küste von Louisiana im Sommer 2010

Ein stark verölter Brauner Pelikan an der Küste von Louisiana im Sommer 2010

In den Wochen nach der wurden tausende von Seevögeln mit ölverklebtem Gefieder an die Strände gespült, Fische und Krebse entwickelten entstellende Mutationen und Tumore. Bis heute fangen die Fischer an der US-Golfküste weniger Krebse als früher und die Austern bleiben kleiner als zuvor, wie Cousteau berichtet. Viele von ihnen mussten nach der Ölkatastrophe ihre Betriebe aufgeben – es gab weder Fang noch Abnehmer für die verseuchten Fische, Krebse und Muscheln.

Das Öl ist immer noch da


Wo der Hauptteil des vor fünf Jahren ausgeströmten Öls geblieben ist, bleibt bis heute unklar. Ein Bericht der US-Regierung ermittelte 2010, dass nur rund ein Viertel des Öls durch Abschöpfen oder Verbrennen entfernt wurde – drei Viertel blieben im Ozean. Bis heute werden Teerklumpen und Ölreste an die Strände angeschwemmt, allein in Louisiana wurden noch im Jahr 2013 zwei Millionen Tonnen Ölreste von Stränden und Küstenabschnitten entfernt.

Erste Berichte nach der Ölpest hatten die Hoffnung geweckt, dass das Meer einen Großteil des Erdöls aus eigener Kraft abbauen könnte. Vor allem methanfressende Bakterien am Meeresboden und im Meerwasser schienen zunächst sehr effektiv. Doch nach einigen Monaten fiel die Aktivität dieser Mikroben rapide ab, wie Forscher feststellten. Ihr Fazit: Wir haben die Selbstreinigungskraft des Ozeans stark überschätzt.

Mai 2010: Ein Flugzeug versprüht Lösungsmittel über dem ölverseuchten Wasser des Golf von Mexiko

Mai 2010: Ein Flugzeug versprüht Lösungsmittel über dem ölverseuchten Wasser des Golf von Mexiko

Lösungsmittel macht es noch schlimmer


Um die Ölpest einzudämmen, ließ der Ölkonzern BP knapp sieben Millionen Liter eines chemischen Lösungsmittels auf die Ölteppiche und in der Nähe der Austrittstelle verteilen. Dieses wirkt ähnlich wie ein Emulgator und sorgt dafür, dass größere Ölflecke in kleinere Tröpfchen zerfallen, die dann leichter von Bakterien abgebaut werden können – so hoffte man wenigstens.

"Der Einsatz des Lösungsmittels war ein gigantisches Experiment – sie wollten unbedingt etwas tun, wussten aber in Wirklichkeit nicht, was dabei passieren würde", sagt Erik Cordes von der Temple University in Philadelphia. Schon bald zeigte sich, dass das Lösungsmittel für Phytoplankton und Korallen giftig ist, zusammen mit dem Öl potenzierte sich die Giftwirkung beider sogar noch.

Und leider hielt sich das Lösungsmittel mindestens so lange wie das Öl: Noch Jahre später sind ganze Strände mit Klumpen aus Sand und Lösungsmittel verseucht. Welche Folgen dies hat, weiß keiner so genau. "Selbst nach fünf Jahren der Forschung durch öffentliche und private Einrichtungen wissen wir noch immer nicht, wie lange Öl und Lösungsmittel im Golf bleiben werden, wie lange sie in der Nahrungskette bleiben und welche Folgen dies für Mensch und Tier hat", sagt Cousteau.

Kaum Konsequenzen für die Ölindustrie


Während die Natur und Menschen am Golf von Mexiko noch immer unter den Folgen der Ölkatastrophe leiden, hat sich der Verantwortliche Ölkonzern längst erholt: Von 2011 bis 2014 brachte es BP auf Gewinne von mehr als 63 Milliarden Dollar. Und auch andere Ölkonzerne machen nach wie vor Gewinne – auch, weil die Nachfrage nach Erdöl immer weiter steigt. Um den Bedarf zu decken, wird auch weiterhin die riskante Förderung in tiefen Meeresgebieten wie bei Deepwater vorangetrieben.

"Wenn wir weiterhin den Ölkonzernen erlauben, immer tiefer und weiter zu bohren, um nicht erneuerbaren fossile Brennstoffe zu fördern, dann ist die nächste kolossale Ölpest vorprogrammiert", warnt Cousteau. Es sei dringend nötig, gerade die Förderung von Öl und Gas in tiefen Offshore-Gebieten zu reduzieren. "Als Hüter unseres Planeten haben wir die Verantwortung – und nun auch das Wissen – um auf eine sauberer Zukunft zuzusteuern und unseren Nachkommen ein Erbe zu hinterlassen, auf das wir stolz sein können", mahnt der Meeresforscher.
(National Wildlife Federation, Science, Ocean Futures, 20.04.2015 - NPO)
 
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