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Dienstag, 19.09.2017
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"Haarige" Bakterienproteine lassen Adern wachsen

Bakterielles Oberflächenmolekül fördert Gefäßwachstum

Normalerweise verursachen Bakterien beim Menschen Entzündungen. Das Bakterium Bartonella henselae hingegen löst bei abwehrgeschwächten Patienten, beispielsweise bei AIDS-Kranken, das Wachstum von Blutgefäßen aus. Wie dies geschieht, haben jetzt Ärzte und Biologen des Universitätsklinikums Tübingen herausgefunden.
Blutgefäße

Blutgefäße

Das für die erst 1992 entdeckten Bakterien einzigartige Phänomen wird als bazilläre Angiomatose bezeichnet. Dem Forscherteam um Dr. Volkhard A. J. Kempf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Tübingen ist es gelungen, einen für die Entstehung dieser Gefäßneubildungen verantwortlichen bakteriellen Faktor, Bartonella-Adhäsin-A (BadA), zu identifizieren. Diese Erkenntnis könnte, so die Hoffnung der Wissenschaftler, in noch ferner Zukunft zur Therapie von Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall eingesetzt werden. Die Ergebnisse ihrer Forschung werden in der kommenden Ausgabe von The Journal of Experimental Medicine veröffentlicht.

Das Team aus Tübingen und Uppsala (Schweden) fand heraus, dass die Anwesenheit eines Proteins auf der Oberfläche von Bartonella henselae möglicherweise ausschlaggebend für die Verursachung der ungewöhnlichen Infektionserkrankungenist. Bei dem als BadA bezeichneten Molekül handelt es sich um eines der größten bislang beschriebenen bakteriellen Oberflächenmoleküle. Die zirka 100 bis 300 Nanometer lange, haarartige Struktur ist im Infektionsverlauf wahrscheinlich verantwortlich für die Anheftung der Bakterien an Bindegewebssubstanzen (zum Beispiel Kollagene) und Endothelzellen, die Blutgefäße auskleiden.

Der Zellkontakt wird dabei über spezielle Moleküle auf der Oberfläche der Endothelzellen hergestellt. Werden menschliche Zellen mit Bakterien, auf deren Oberfläche BadA vorhanden ist, infiziert, kommt es danach in den Zellen erst zur Aktivierung des Schlüsselproteins für Gefäßwachstum (hypoxia inducible factor-1) und dann zur Ausschüttung von Substanzen, die das eigentliche Gefäßwachstum auslösen, wie biepsielsweise den so genannten vaskuloendothelialen Wachstumsfaktor.


Ferner fanden die Forscher heraus, dass in der Mehrzahl der Blutproben von Patienten, die eine Bartonella-Infektion durchgemacht hatten, Antikörper gegen BadA nachgewiesen werden konnten. Diese Beobachtung könnte in Zukunft zu einem neuen, serologischen Nachweisverfahren für Bartonella-Infektionen führen.

Krankheiten der Blutgefäße wie Gefäßverkalkung, Schlaganfall, Herzinfarkt, sind die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. "Wir hoffen", sagt Kempf, "dass unsere Arbeiten Anstöße für neue Behandlungskonzepte von Gefäßkrankheiten geben.
(Universitätsklinikum Tübingen, 10.11.2004 - NPO)
 
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