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Dienstag, 30.08.2016
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Vorurteile: Negativer Effekt wird unterschätzt

Frauen schneiden in Tests tatsächlich schlechter ab, wenn sie mit Vorurteilen konfrontiert wurden

Leistungsbremse Vorurteil: Werden Frauen mit dem Klischee konfrontiert, dass sie ohnehin schlechter in Mathe sind, dann erfüllen sie das Vorurteil prompt. Denn sie schneiden dann in Mathematik-Tests messbar schlechter ab als unter neutralen Voraussetzungen. Trotzdem glauben sowohl Frauen als auch Männer fälschlicherweise daran, dass Frauen diese Hürden überwinden und durch die Klischees sogar noch zu besseren Leistungen angestachelt werden, wie eine Studie nun enthüllt.
Frauen sind nicht per se schlechter in Mathe - sie werden schlechter gemacht

Frauen sind nicht per se schlechter in Mathe - sie werden schlechter gemacht

Rollenklischees gibt es zuhauf – und die meisten von ihnen sind schlicht falsch. So sind Frauen keineswegs begabter im Multitasking, wie Studien zeigen. Auch ihre größere Gesprächigkeit stimmt nur zum Teil. Besonders hartnäckig hält sich auch das Vorurteil, Frauen seien per se weniger begabt in Mathematik, Physik und Technik. Das solche negativen Annahmen oft erst das hervorrufen, was sie besagen, zeigte sich schon vor einigen Jahren. Kathrin Boucher von der Indiana University und ihre Kollegen haben nun genauer überprüft, wie sich die Vorurteile auf die mathematischen Leistungen von Frauen auswirken – und ob sich Männer und Frauen dieser Auswirkungen bewusst sind.

Manipuliertes Rechnen


Für ihr Experiment erhielten 150 Männer und Frauen die Aufgabe, sieben schwere Matheaufgaben innerhalb von zehn Minuten am Computer zu lösen. Bevor der Test begann, manipulierten die Forscher die Erwartungen der Versuchspersonen: Sie erklärten ihnen, dass sie mit diesem Versuch herausfinden wollten, warum Frauen schlechter in Mathematik seien. Damit vermittelten sie unterschwellig – und falsch, dass die geringeren Fähigkeiten der Frauen Tatsache sind.

Ein Teil der Probanden sollte dann ihr eigenes Abschneiden im kommenden Test einschätzen. Einer zweiten Gruppe erzählten die Forscher, sie müssten den Test nicht selbst machen, sie sollten aber einschätzen, wie gut Frauen ihrer Ansicht nach die Aufgaben bewältigen würden. Wie erwartet, schnitten die Frauen im Mathetest schlechter ab, wenn sie zuvor dem Vorurteil ausgesetzt waren. Auch ihre eigenen Fähigkeiten schätzten sie geringer ein.


Auswirkungen unterschätzt


Das Interessante aber: Sollten die Frauen das Abschneiden anderer weiblicher Probanden prognostizieren, überschätzten sie deren Fähigkeiten. Ähnlich wie die Männer waren sie fast einhellig der Ansicht, dass Frauen sich zwar emotional von den Vorurteilen beeinflussen lassen. Sie waren aber auch davon überzeugt, dass sie diese Hürden überwinden und trotzdem gut abschneiden können.

Mit anderen Worten: Zwar sind sich alle der negativen Auswirkungen von Vorurteilen bewusst, sie unterschätzen aber deren Tragweite. Dieser Effekt könnte nach Ansicht der Forscher auch erklären, warum bisher nur wenig gegen Klischees und Rollenstereotype getan wird: "Weil die Menschen glauben, dass solche Vorurteile die tatsächlichen Leistungen nicht beeinträchtigen, tun sie auch wenig dagegen", meint Boucher.

Einer der Gründe für den Frauenmangel


Dieses Ergebnis hat nach Ansicht der Forscher große Bedeutung für Frauen in Berufen, in denen mathematische oder naturwissenschaftliche Fähigkeiten im Vordergrund stehen. "Denn hier werden die Frauen regelmäßig mit Vorurteilen gegenüber ihren Fähigkeiten konfrontiert", sagt Studienleiterin Mary Murphy von der Indiana University. "Und wenn ihre Vorgesetzten und Kollegen nicht begreifen, wie diese Vorurteile die Leistung der Frauen beeinträchtigen, dann ist das ein ernstes Problem. Es ist einer der Gründe, warum Frauen in Wissenschaft, Technologie und Mathematik unterrepräsentiert sind." (Experimental Social Psychology, 2015)
(Indiana University, 02.04.2015 - NPO)
 
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