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Samstag, 30.07.2016
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Artensterben: Diese 15 haben die geringsten Chancen

Liste zeigt Arten, die sich mit sofortigem Schutz noch vor dem Aussterben retten lassen

Die letzten ihrer Art? Für eine Maus in Kamerun, einen Salamander in der Türkei und eine Lerche in Somalia wird die Zeit knapp. Denn sie gehören zu den 15 bedrohtesten Tierarten der Erde. Sie stehen ganz am Ende einer Liste Tierarten, die sich einem internationalen Forscherteam zufolge aber mit sofortigen Schutzmaßnahmen noch retten lassen könnten. Die Wissenschaftler nennen im Magazin "Current Biology" auch die Kosten für den nötigen Schutz – sie fallen vergleichsweise niedrig aus.
Ein Frosch der in Brasilien vorkommenden besonders bedrohten Art Physalaemus soaresi.

Ein Frosch der in Brasilien vorkommenden besonders bedrohten Art Physalaemus soaresi.

Tausende von Tierarten weltweit sind vom Aussterben bedroht – Schuld daran ist in den meisten Fällen der Mensch. Maßnahmen zum Artenschutz gibt es zwar mehr und mehr, sie können aber bislang kaum mithalten, um ein drohendes Massenaussterben abzuwenden. Nach den im Rahmen der UN-Biodiversitäts-Konvention im Jahr 2010 beschlossenen Zielen soll der Artenschutz deshalb bis 2020 deutlich ansteigen: Natürliche Lebensräume sollen besser geschützt, die Überfischung der Ozeane gestoppt und große Flächen der Erde unter Naturschutz gestellt werden.

Wissenschaftler unter der Leitung von Dalia Conde von der Süddänischen Universität in Odense haben nun untersucht, wie hoch der Aufwand und die Kosten wären, um besonders bedrohte Tierarten zu retten. Dabei konzentrierten sie sich auf Arten, die nach Angaben der Schutzorganisation "Alliance for Zero Extinction" (AZE) nur noch an jeweils einem einzigen Ort auf der Erde existieren. Auch das bereits existierende Fachwissen und die Schwierigkeit, eine Art in Zoos zu erhalten, bezogen die Forscher mit ein. Das Ergebnis ist eine Liste von 841 Tierarten, bei denen Aussicht auf Rettung besteht – ein "conservation opportunity index".

Der Amsterdam-Albatross lebt nicht in den Niederlanden, sondern ausschließlich auf der Ile Amsterdam im Südindischen Ozean.

Der Amsterdam-Albatross lebt nicht in den Niederlanden, sondern ausschließlich auf der Ile Amsterdam im Südindischen Ozean.

Extrem gefährdete Lebensräume


Am unteren Ende dieser Liste stehen Tierarten, deren Überleben besonders gefährdet ist. Das Säugetier mit der geringsten Aussicht auf Rettung ist demnach die Maus Lophuromys eisentrauti im westlichen Kamerun. Nur wenig besser geht es der Chiapa-Kletterratte Tylomys bullaris und der Tropischen Taschenratte Geomys tropicalis, die beide in Mexico leben – noch.


Unter den Amphibien steht ein Lykischer Salamander am schlechtesten da, und zwar der in Anatolien beheimateten Art Lyciasalamandra billae. Direkt dahinter folgen drei Frösche, deren Lebensraum in Brasilien immer weiter schrumpft, die Arten Bokermannohyla izecksohni, Hypsiboas dulcimer und Physalaemus soaresi. Zwei weitere Froscharten, einer aus Sri Lanka und einer aus Kolumbien, gehören ebenfalls dazu.

Kaum Chance auf Nachzucht


Vögel finden sich ebenfalls auf dem Index der noch zu rettenden Arten. Die größte Gefahr droht hier der Ash-Lerche Mirafra ashi. Die politischen Unruhen in ihrem Lebensraum in Somalia bedrohen auch die Tierwelt. Weitere stark bedrohte Vogelarten leben vor allem auf tropischen Inseln: Ob der Tahiti-Monarch in Französisch-Polynesien, der Madeira-Sturmvogel auf der namensgebenden Insel portugiesischen Insel Madeira oder der Maskarenensturmvogel auf Réunion. Noch entfernter liegen die Lebensräume der Willis-Ammer und des Amsterdam-Albatross. Erstere lebt auf der Südatlantikinsel Tristan da Cunha. Der Albatross stammt nicht etwa aus den Niederlanden, sondern vom französischen Übersee-Departement Ile Amsterdam im südlichen indischen Ozean.

Die seltene Wilkins-Ammer auf der Insel Trsitan da Cunha ist ebenfalls stark bedroht.

Die seltene Wilkins-Ammer auf der Insel Trsitan da Cunha ist ebenfalls stark bedroht.

Für all diese genannten Arten besteht kaum die Chance, sie in Zoos nachzuzüchten. Für eine solche Zucht fehlt entweder die nötige Erfahrung, oder sie erfordert außerordentlich hohe Kosten. Einzige Hoffnung ist daher der sofortige und umfassende Schutz ihres Lebensraums. "Untersuchungen der Schutzmöglichkeiten zeigen, wie wichtig es ist, Maßnahmen zu ergreifen bevor es zu spät ist", sagt Conde.

Geringe Investition zum Schutz der Biodiversität


Die Wissenschaftler haben auch abgeschätzt, wie teuer solche Schutzmaßnahmen für den gesamten Index von 841 Arten wären. Sie kommen dabei auf einen Betrag von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar – jährlich. Diese hohen Kosten seien jedoch absolut notwendig, um das Artensterben bis 2020 tatsächlich zu verringern. Und "verglichen mit weltweiten Regierungsausgaben in anderen Bereichen, etwa dem 500mal größeren US-Verteidigungsetat, fällt diese Investition in den Schutz für die Biodiversität wichtiger Orte gering aus", meint Hugh Possingham von der australischen University of Queensland.

Neben dem Schutz der Lebensräume betonen die Forscher auch die Bedeutung von Zoos im Artenschutz. Wenn der natürliche Lebensraum unweigerlich verloren sei, blieben diese für viele Arten als letzte Rettungsmöglichkeit. "Unsere Anstrengungen geben Hoffnung, dass wir viele stark bedrohte Arten vor dem Aussterben retten können", fasst John Fa vom Imperial College in London zusammen, "aber es muss sofort etwas passieren." (Current Biology, 2015; doi: 10.1016/j.cub.2015.01.048)
(Syddansk Universitet, 19.03.2015 - AKR)