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Montag, 26.09.2016
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Hustensaft hilft Diabetikern

Rezeptfreier Wirkstoff regt Insulinproduktion an und kann Zuckerwerte verbessern

Hustensaft gegen Diabetes? Was überraschend klingt, scheint tatsächlich zu funktionieren: Der in vielen rezeptfreien Hustenmedikamenten enthaltene Wirkstoff Dextromethorphan verbessert einer Studie nach den Blutzucker bei Patienten mit Typ2-Diabetes. Das Mittel regt die Insulinproduzierenden Zellen an und schützt sie vor dem Zelltod, berichten Mediziner im Journal "Nature Medicine". Auch Typ1-Diabetiker könnten von dem Wirkstoff profitieren, hoffen die Forscher.
Viele Diabetes-Patienten müssen Insulin spritzen, um ihren Blutzucker zu regeln.

Viele Diabetes-Patienten müssen Insulin spritzen, um ihren Blutzucker zu regeln.

Das Hormon Insulin ist entscheidend für den Zuckerstoffwechsel im Körper: Fehlt es an Insulin, kann der Blutzuckerspiegel auf bedrohlich hohe Werte ansteigen. Ein lebensgefährlicher Zuckerschock oder langfristige Organschäden können die Folge sein. Bei Diabetes ist die Produktion dieses wichtigen Insulins jedoch gestört.

Bei Typ1-Diabetes sterben die insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse durch eine Autoimmunreaktion ab. Typ2-Diabetes kann dagegen mehrere Ursachen haben, meist arbeiten entweder die Beta-Zellen nur eingeschränkt, oder die Insulinrezeptoren reagieren nur noch schwach auf das Hormon. Diabetes-Patienten sind deshalb häufig darauf angewiesen, entweder mit Medikamenten die Insulinproduktion anzuregen, oder ihren Blutzuckerspiegel mit Insulinspritzen zu regeln.

Hustenmittel in der Bauchspeicheldrüse


Wissenschaftler unter der Leitung von Eckhard Lammert von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben eine Klasse von Rezeptoren untersucht, die sowohl im Nervensystem als auch in der Bauchspeicheldrüse vorkommen. Während diese NMDA-Rezeptoren in den Nerven an der Signalübertragung beteiligt sind und Nervenzellen stimulieren, ist ihre Rolle in der Bauchspeicheldrüse bislang nur wenig bekannt. Besonders, ob sie eine Funktion im Insulinstoffwechsel haben, interessierte die Forscher.


Viele Hustenmedikamente enthalten den Wirkstoff Dextromethorphan.

Viele Hustenmedikamente enthalten den Wirkstoff Dextromethorphan.

Sowohl am Menschen als auch in Tierversuchen mit Mäusen testeten sie den Effekt des Wirkstoffs Dextromethorphan auf diese Rezeptoren. Dessen Wirkung auf das Nervensystem ist bereits bekannt: Dextromethorphan blockiert die NMDA-Rezeptoren und unterdrückt so den Hustenreiz. Darum ist es als Wirkstoff in vielen rezeptfreien Hustensäften und –pastillen enthalten.

Gestärkte Betazellen leben länger


In der Bauchspeicheldrüse, so fanden die Forscher heraus, hat die Blockade durch Dextromethorphan einen anderen Effekt: Die Betazellen geben dadurch bei erhöhtem Blutzuckerspiegel mehr Insulin ab. Bei Typ2-Diabetikern verbessert sich so der Blutzuckerspiegel, insbesondere Spitzen in der Blutzuckerkonzentration werden abgedämpft. Die Experimente weisen darauf hin, dass Dextromethorphan die Insulin-produzierenden Zellen stärkt und sie möglicherweise vor einem Zelltod schützt.

Dies könnte die Lage der Patienten langfristig verbessern: Denn häufig verschlechtert sich das Krankheitsbild bei Diabetes im Laufe der Zeit, weil Betazellen zunehmend weniger Insulin abgeben oder ganz absterben. Und auch Typ1-Diabetiker können profitieren: "Wir werden längerfristig unter ärztlicher Aufsicht untersuchen, ob die Gabe von Dextromethorphan bei Typ1-Diabetikern während der Frühphase der Erkrankung eine Insulinfreiheit herbeiführen kann", verspricht Studienleiter Lammert. Diabetiker sollten allerdings noch warten, bevor sie sich einen Vorrat an Hustensaft kaufen: Die Wirkung und vor allem mögliche Nebeneffekte müssten erst in langfristigen klinischen Studien untersucht werden, betonen die Forscher. (Nature Medicine, 2015; doi: 10.1038/nm.3822)
(Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 17.03.2015 - AKR)
 
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