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Mittwoch, 25.05.2016
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Salz als Infektions-Schutz?

Eine salzreiche Diät könnte gegen eindringende Mikroben schützen

Ist viel Salz doch gesund? Das viel geschmähte Gewürz trägt offenbar dazu bei, uns vor Wundinfekten und Erregern zu schützen. Darauf deuten nun Experimente mit Mäusen und Zellkulturen hin. Das Salz reichert sich in der Haut an und wirkt so wie eine Barriere, gleichzeitig aktiviert es die Fresszellen des Immunsystems, wie Forscher im Fachmagazin „Cell Metabolism“ berichten.
Salz stärkt die Immunabwehr in der Haut

Salz stärkt die Immunabwehr in der Haut

Kochsalz (Natriumchlorid) ist für unseren Körper überlebenswichtig, kann im Übermaß aber auch schaden. So kann ein Zuviel Bluthochdruck fördern und Volkskrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigen. Sogar auch Autoimmunkrankheiten könnten durch zu viel Salz ausgelöst werden. Gerade bei Älteren reichert sich das Salz oft auch in der Haut an.

Abwehr gegen die Infektion


"Trotz der überwältigen Belege für einen Zusammenhang von Salzaufnahme und Krankheiten beim Menschen blieb bisher aber unklar, warum der Körper so viel Salz im Körper speichert", erklärt Seniorautor Jens Titze von der Vanderbilt University in Nashville. Einen Hinweis auf die mögliche Antwort gab den Forschern eine zufällige Beobachtung: Sie stellten fest, dass die Haut von Labormäusen dort besonders viel Salz enthielt, wo sie zuvor von ihren Käfiggenossen gebissen worden waren.

War dies vielleicht kein Zufall? Titze und sein Kollege Jonathan Jantsch von der Universität Regensburg suchten nun nach weiteren Fällen – und wurden fündig: Auch bei menschlichen Patienten mit infizierten Wunden sammelt sich rund um die Wunde auffällig viel Salz in der Haut. "Eine solche hypertonische Mikroumgebung könnte als Barriere gegen Infektionen dienen", mutmaßen die Forscher.


Um den Zusammenhang von Infektionen und Salznäher zu untersuchen, führten die Forscher zunächst Experimente mit Zellkulturen durch. Dabei zeigte sich, dass ein erhöhter Salzgehalt die Fresszellen des Immunsystems aktiviert. Diese können dadurch effektiver Erreger bekämpfen. Dies bestätigte sich auch in Mäuseexperimenten: Erhielten die Tiere eine salzreiche Diät, heilten ihre mit dem einzelligen Parasiten Leishmania major infizierten Füße schneller, wie die Forscher berichten.

Viel Salz nicht nur schlecht


Dass zu viel Salz für den Körper schwerwiegende gesundheitliche Risiken birgt, ist geläufig. „Unsere aktuelle Studie stellt diesen einseitigen Blickwinkel in Frage“, sagt Jantsch. „Und die Studie weist darauf hin, dass eine erhöhte Salzanreicherung eine alte Abwehrreaktion gegen Infektionen sein könnte, lange bevor Antibiotika erfunden wurden.“

Demnächst wollen die Forscher prüfen, wie sich Salz in der Haut anreichert, wie es eine Immunabwehr auslöst und warum es gerade bei Älteren zu einer vermehrten Salzakkumulation in der Haut kommt. „Ein besseres Verständnis der regulierenden Kaskaden könnte nicht nur helfen, neue Medikamente zu entwickeln, die speziell lokale Salzabsetzungen bewirken, und Infektionskrankheiten zu bekämpfen“, sagt Jantsch. „Sondern es könnte auch dazu beitragen, neue Strategien zu entwickeln, um Natriumvorräte bei der älteren Bevölkerung zu mobilisieren und so kardiovaskulären Krankheiten vorzubeugen.“

Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass es falsch wäre, nun besonders viel Salz zu essen, um der Immunabwehr zu helfen. Auch die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, möglichst weniger als fünf Gramm Salz pro Tag zu essen, halten sie weiterhin für sinnvoll. (Cell Press, 2015; doi: 10.1016/j.cmet.2015.02.003)
(Cell Press, 04.03.2015 - MAH)