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Montag, 29.08.2016
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Machen Emulgatoren im Essen krank und dick?

Gängiger Lebensmittelzusatz löst bei Mäusen Übergewicht und chronische Entzündungen aus

Sie stecken in Schokolade, in Eiscreme und im Fertiggericht: Emulgatoren sollen Lebensmittel cremig und stabil machen. Jetzt jedoch weckt eine Studie den Verdacht, dass diese Zusätze chronische Entzündungen und Übergewicht fördern könnten. Bei Mäusen veränderten schon geringe Dosen langfristig die Darmflora und lösten Überzuckerung, Übergewicht und Darmentzündungen aus, wie Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten.
Emulgatoren sind vielen Eiscremes, Yoghurts und anderern cremigen Speisen zugesetzt

Emulgatoren sind vielen Eiscremes, Yoghurts und anderern cremigen Speisen zugesetzt

Wir werden immer dicker und kränker, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronische Darm-Entzündungen sind auf dem Vormarsch, das belegen Studien. Die Ursachen für diese Entwicklung sind allerdings noch strittig. Zwar spielt eine ungesunde Lebensweise eine wichtige Rolle, Forscher vermuten jedoch, dass auch Stress oder Umweltchemikalien wie Weichmacher als Mitauslöser fungieren könnten.

Benoit Chassaing von der Georgia State University und seine Kollegen haben nun einen weiteren Verdächtigen überprüft: Emulgatoren. Diese Chemikalien sorgen in vielen Lebensmitteln dafür, dass sich wässrige und fettige Bestandteile gut mischen. Dies erzeugt ein cremiges Mundgefühl und verhindert ein unschönes Absetzen fester Komponenten.

Emulgatoren machen Mäuse krank und dick


Um die Langzeitfolgen von Emulgatoren im Essen zu testen, fütterten die Forscher junge Mäuse ab der Geburt mit zwei häufig eingesetzten Vertretern dieser Chemikalien, Polysorbat 80 and Carboxymethylzellulose. Die Dosis im Futter entsprach dabei den Gehalten, wie sie auch in gängigen Lebensmitteln enthalten sind. Nach vier Monaten verglichen sie die Darmflora und den Zustand der Darmschleimhäute dieser Mäuse mit dem Kontrolltieren, die normales Futter erhalten hatten.


Das Ergebnis: Die Mäuse, die regelmäßig Emulgatoren bekommen hatten, waren übergewichtiger, hatten erhöhte Blutzuckerwerte und erste Anzeichen für chronische Darmentzündungen, wie die Forscher berichten. Bei den Kontrolltieren war dies dagegen nicht der Fall.

Diese Karikatur verdeutlicht, dass Emulgatoren es der Darmflora erleichtern, in die Darmschleimhaut einzudringen und sie zu schädigen.

Diese Karikatur verdeutlicht, dass Emulgatoren es der Darmflora erleichtern, in die Darmschleimhaut einzudringen und sie zu schädigen.

Darmflora krankhaft verändert


Einen Hinweis auf den Grund dieser Veränderungen gab die Untersuchung der Darmflora. Denn bei den übergewichtigen und kranken Tiere zeigte sich auch eine Veränderung der Darmflora. Impften die Forscher keimfreie Mäusen mit der Darmflora der mit Emulgatoren gefütterten Tiere, entwickelten auch diese ähnliche Symptome.

"Diese Ergebnisse stützen die Theorie, dass gestörte Beziehungen zwischen Wirt und Darmflora zu Übergewicht und den damit verbundenen Stoffwechsel-Effekte verursachen können", konstatieren Chassaing und seine Kollegen. Schon frühere Studien hatten den großen Einfluss unserer Darmflora auf Essverhalten, Immunsystem und Allergien bestätigt.

Schädlich auch für den Menschen?


Noch ist nicht klar, ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. Die Forscher wollen dies nun in weiteren Versuchen testen. Doch sollte sich dies bestätigen, dann könnten Emulgatoren im Essen – neben einer ungesunden Lebensweise - ein weiterer Faktor sein, der die explosive Zunahme von Volkskrankheiten und Übergewicht antreibt.

"Unsere Daten sprechen dafür, dass Emulgatoren – und damit eine allgegenwärtige Klasse von Lebensmittelzusätzen – die Darmflora stören und damit Entzündungen des Darms und andere Folgen fördern können", konstatieren Chassaing und seine Kollegen. Sie weisen zudem darauf hin, dass die bisher gängigen Zulassungsverfahren für Lebensmittelzusätze nicht ausreichend sein könnten, um diese Effekte zu erfassen. (Nature, 2015; doi: 10.1038/nature14232)
(Georgia State University/ Nature, 26.02.2015 - NPO)
 
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