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Freitag, 29.07.2016
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Männer lügen in Gruppen häufiger

Bei Gruppenentscheidungen sind Frauen ehrlicher als Männer

Wenn es ums Lügen geht, haben Männer die Nase vorn: Vor allem in Gruppen schummeln sie oft, wenn ihnen dies einen Vorteil bringt, wie ein Experiment zeigt. Frauenteams lügen demnach zwar auch, aber weniger häufig und weniger ausgeprägt. Diese Erkenntnis ist nicht nur entlarvend, sie hat auch für Politik und Wirtschaft eine Bedeutung – denn hier geschieht vieles in Gremien und Teams, wie die Forscher im Fachmagazin " Economics Letters" berichten.
Experiment: Beim Würfeln zeigt sich wie viel wir lügen

Experiment: Beim Würfeln zeigt sich wie viel wir lügen

Flunkern, schwindeln, täuschen: Angeblich lügen wir bis zu 200 Mal pro Tag er - um zu prahlen, sich besser darzustellen oder eben als kurze Notlüge. Wie oft, wann und warum wir zum Schwindeln neigen, und ob beispielsweise Reichtum das Schwindeln fördert, haben Forscher an Einzelpersonen schon untersucht. Aber auch Entscheidungsprozesse in Gruppen sind bedeutend, schließlich werden relevante ökonomische oder politische Entschlüsse eher von Gruppen als von Individuen getroffen.

Probanden würfelten und logen um Geld


Daher untersuchte Andreas Roider der Universität Regensburg mit Kollegen im Juni 2014 das Lügenverhalten in einer entsprechenden Studie. Sie befassten sich mit den zwei zentralen Fragen: Wie äußert sich Lügenverhalten in Gruppen? Und lügen Männer häufiger als Frauen?

Das Experiment bestand aus zwei Versuchsreihen, an denen entweder Probanden einzeln oder in Paaren teilnahmen. In der ersten Variante wurden die Teilnehmer aufgefordert, das Ergebnis eines Würfelwurfs, den nur sie beobachten konnten, zu notieren und den Forschern am Ende des Experiments bekannt zu geben. Sie wussten, dass sie dabei durchaus Lügen konnten, ohne ertappt zu werden.


Im zweiten Teil fassten die Forscher ihre Teilnehmer zufällig zu rein männlichen, gemischten oder rein weiblichen Zweiergruppen zusammen. Die Gruppenmitglieder mussten gemeinsam entscheiden, wer den Würfel wirft und welches Ergebnis danach aufgeschrieben und den Forschern mitgeteilt werden sollte. In beiden Versuchen bestimmte die jeweils gemeldete Punktzahl den Gewinn: Jeder Proband erhielt genauso viele Euros, wie Augenzahlen genannt wurden – egal, ob wahr oder gelogen. Nur für die Sechs gab es kein Geld.

Es wird geschummelt


Die Antworten verglichen die Forscher mit der statischen Wahrscheinlichkeit der Würfelergebnisse. Nach dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung ergibt sich – da die Wahrscheinlichkeit pro Wurf immer bei 1/6 liegt –eine durchschnittliche Auszahlung pro Wurf von 2,5 Euro Erhalten Probanden konsistent mehr als diese Menge, liegt der Verdacht nahe, dass sie ihre Würfe "geschönt" haben.
Und tatsächlich wurde geschummelt: Schon beim Einzeldurchgang lagen die Auszahlungen höher, als sie eigentlich sein dürften. Dabei logen Männer etwas mehr als Frauen. Allerdings war der Unterschied statistisch gesehen nicht signifikant, wie die Forscher berichten.

Weitaus deutlicher fielen die Geschlechter-Unterschiede im Lügen bei den Gruppen aus: Hier lag die durchschnittliche Auszahlungsquote bei männlichen (4,00) oder gemischten Gruppen (3,71) relativ hoch. Bei den Frauengruppen war das durchschnittliche Ergebnis dagegen mit 2,74 weit niedriger.

Wie sich zeigte, logen die Männer nicht nur mehr, sondern auch ausgeprägter: Sie gaben häufiger vor, eine „4“ oder „5“ gewürfelt zu haben – und damit die lukrativsten Augenzahlen. Als Folge strichen gerade rein männliche Gruppen sehr häufig den größtmöglichen Gewinn ein. Frauen tendierten zu umgekehrten Verhalten: Sie gaben viel häufiger eine der hohen Zahlen an, wenn sie einzeln befragt wurden, waren aber im Team zurückhaltender. Gemischte Gruppen verhielten sich wiederum tendenziell wie rein männliche Gruppen.

Auswirkungen für die Geschlechterverteilung in der Gesellschaft?


Das Geschlecht spielt demnach gerade bei Entscheidungsprozessen in Gruppen eine große Rolle. Angesichts dieser Beobachtungen sind die Forscher der Ansicht, dass eine stärkere Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Zusammensetzung von Entscheidungsgremien – beispielsweise in der Politik – ein Faktor sein könnte, um das Ausmaß von unethischem Verhalten zu reduzieren. (Economics Letters, 2015; doi: 10.1016/j.econlet.2014.12.019)
(Universität Regensburg, 17.02.2015 - MAH)