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Freitag, 09.12.2016
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Kartentricks: Mehr Psychologie als Zauberei

Die selbstständige Wahl beim Kartentrick ist eine Illusion

Wählen Sie eine Karte, irgendeine Karte – So fangen viele Zaubertricks an. Aber wählen wir dabei wirklich frei und beliebig? Forscher sind genau dem nun auf den Grund gegangen. Und wie sich zeigte, ist die freie Wahl tatsächlich eine Illusion. Denn unser Verhalten wird unterschwellig manipuliert - alles ist eine Frage des Tricks und des Könnens des Zauberers

Zauberer manipulieren uns beim Kartentrick


Jeder kennt das: Man soll eine Karte aus dem Spiel auswählen, der Magier behauptet, schon vorher zu wissen, welche. Es gibt 52 Möglichkeiten eine Entscheidung zu treffen – und damit 51 Möglichkeiten, dass der Zauberer falsch liegt. Zu viele Möglichkeiten, sollte man denken. Trotzdem kommt es wie erwartet, der Zauberer wählt die richtige Karte. Wir sind verblüfft und obwohl wir wissen, dass es ein Trick sein muss, verstehen können wir es nicht. Sicher ist nur, dass wir völlig frei gewählt haben, oder doch nicht?

Zauberei psychologisch noch wenig erforscht


Zauberei und Psychologie sind eng miteinander verstrickt, obwohl das eine eher als Hokuspokus gilt und das andere als fundierte Wissenschaft. Denn viele Zaubertricks nutzen gezielt unsere psychologischen Schwächen aus. Nun hat ein Forscherteam der kanadischen McGill University in Montreal einen Aspekt dieses Zusammenhangs genauer untersucht. Sie wollten wissen, wie bestimmte psychologische Faktoren bei Kartentricks unsere Wahl beeinflussen.

„Wir haben mit einem Grundprinzip der Zauberei begonnen, das wir nicht vollständig verstanden haben: Wie Magier ihre Zuschauer beeinflussen, eine bestimmte Karte auszuwählen, ohne dass es diesen bewusst ist“, erklärt der leitende Autor Jay Olsen, der selbst Hobbyzauberer ist. Menschen tendieren dazu Optionen zu wählen, die sich hervorheben, ohne zu bemerken, dass sie dies tun, erklärt der Forscher, der selbst professioneller Magier ist.


Subtile Manipulation


Im zweiteiligen Experiment baten die Forscher ihre 118 Probanden, jeweils eine Karte aus einem Spiel auszuwählen. Einmal präsentierte Olsen den Trick selbst, einmal sollte aus einem virtuellen Kartenspiel am Computer gewählt werden. Der Zauberer und Wissenschaftler ging folgendermaßen vor: Er blätterte das Kartenspiel nacheinander auf und bat die Teilnehmer, sich eine Karte zu merken.

Was die Probanden nicht wussten: Eine einzige Karte hob Olsen unauffällig hervor, unter anderem, indem er sie ein ganz wenig länger zeigte als die anderen. Und tatsächlich: 98 Prozent der Teilnehmer wählten die von Olsen gewollte Herz Zehn. Das Interessante daran: Kaum einem war die Beeinflussung aufgefallen, denn für das Vorführen des Tricks brauchte Olson gerade mal eine halbe Sekunde. Lediglich neun Prozent der Teilnehmer waren der Meinung, keine freie Wahl getroffen zu haben.

Ein Faktor allein reicht nicht


Im zweiten Durchlauf blätterte ein animiertes Programm die Karten in gleicher Weise vor. Und auch hier wurde eine spezielle Karte etwas länger gezeigt. Insgesamt wählten dieses Mal „nur“ 30 Prozent der Probanden die Zielkarte aus. Auch hierbei scheint die unterschwellige Beeinflussung zu wirken – allerdings deutlich schlechter als bei der Präsentation des Magiers. Aber warum?

„Vielleicht weil viele der sozial- und situationsbedingten Faktoren fehlten, die die Kartentricks ausmachen“, erklärt Koautor Ronald Rensink. Denn bei einem Kartentrick werden die Zuschauer durch mehrere Faktoren beeinflusst. Nicht unwichtig sind für den Trick etwa die Persönlichkeit des Magiers, die generierten Erwartungen durch die Vorführung oder aber auch der Druck, eine Karte schnell zu auswählen.

Magie gibt neue Sicht auf Verhalten


Zauberei und Wissenschaft sind eigentlich zwei Gegensätze, sollte man meinen. Denn dort wo die Zauberei versucht die Wahrheit zu verdecken, hat die Wissenschaft das Ziel, sie aufzudecken. Aber Studien wie diese zeigen, dass Zauberei auch dazu beitragen kann, unser Verhalten und unsere Psychologie besser zu verstehen. Offen bleibt, ob die Magie damit nicht ihren Zauber verliert. (Consciousness and Cognition, 21015; doi: 10.1016/j.concog.2015.01.004)
(McGill University, 12.02.2015 - MAH)
 
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