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Montag, 05.12.2016
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Codebrecher-Dokumente: Fund in Bletchley Park

Zerknüllte Zettel entpuppen sich als Notizen von Turing und seinen Kollegen

Zufallsfund in Kryptografen-Hütte: Bei Renovierungen im britischen Bletchley Park haben Arbeiter einzigartige Notizen von Alan Turing und seinen Kollegen entdeckt. Sie notierten darauf Berechnungen und Codeabfolgen, die ihnen halfen, den Enigma-Code des deutschen Militärs zu knacken. Weil sie diese Zettel nach Gebrauch nutzten, um Löcher im Dach der Baracke zu stopfen, blieben sie bis heute erhalten.
Eine in Baracke 6 entdeckte Seite mit kryptografischen Notizen

Eine in Baracke 6 entdeckte Seite mit kryptografischen Notizen

Der britische Mathematiker Alan Turing trug während des Zweiten Weltkriegs entscheidend dazu bei, den berüchtigten Enigma-Code der deutschen Marine und Wehrmacht zu entschlüsseln. Gemeinsam mit anderen Mathematikern sowie Linguisten und Kryptografen arbeitete er damals in Bletchley Park, der Zentrale der britischen Codebrecher. Für ihre tägliche Arbeit nutzten die Codebrecher damals nicht nur die von Turing entwickelten "Bomben" – eine Vorform eines Computers. Sie führten auch Abgleiche und Kalkulationen per Zettel und Papier durch.

Nach dem Krieg allerdings wurden alle Unterlagen aus Bletchley Park entweder als Geheimsache weggeschlossen oder, wie die meisten der Notizen von Turing und seinen Kollegen, schlicht vernichtet. Die unmittelbaren Zeugnisse ihrer Überlegungen und Dechiffrier-Bemühungen galten daher lange als verloren.

Zusammengeknüllt in Löchern der Baracke überdauerten die Notizen bis heute

Zusammengeknüllt in Löchern der Baracke überdauerten die Notizen bis heute

In Ritzen und Löchern versteckt


Doch jetzt zeigt sich, dass einige der Dokumente doch überdauerten – durch einen glücklichen Zufall: Mitarbeiter von Turing in Baracke 6 hatten damals ihre Notizen dafür genutzt, um Löcher und Ritzen im Dach und den Wänden der zugigen Hütte zustopfen. Dort bleiben sie bei den Aufräumarbeiten verborgen und entgingen so der Vernichtung.


Als Arbeiter dann im Jahr 2013 die Renovierung und Instandsetzung der Baracke 6 begannen, stießen sie auf die zerknüllten Zettel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Bei den Fundstücken handelt es sich um handschriftliche Zahlen- und Buchstabenreihen, die mit Bleistift und Buntstift auf dem Papier notiert worden waren. "Diese Stücke flüchtiger Notizen zu finden, ist unglaublich aufregend und liefert mehr Einblicke darin, wie die Codebrecher damals arbeiteten", sagt Iain Stander vom Bletchley Park Trust im Magazin MKWeb.

Die Banbury-Bögen halfen dabei, die Walzeneinstellung der Enigma zu ermitteln

Die Banbury-Bögen halfen dabei, die Walzeneinstellung der Enigma zu ermitteln

Wichtige Entschlüsselungs-Hilfen


Ebenfalls unter den Funden waren sogenannte Banbury-Bögen. Diese in einem bestimmten Muster perforierten Papierblätter repräsentierten bestimmte Buchstabenfolgen der chiffrierten Enigma-Nachrichten. Der Abgleich zweier solcher Bögen half den Kryptografen dabei, auf die Walzenstellung der Enigma zu schließen. Bisher galten alle Beispiele für solche Banbury-Bögen als vernichtet.

"Dies sind Dokumente, die von den Codebrechern tatsächlich genutzt wurden, sie waren entscheidend für den Entschlüsselungsprozess", erklärt Gillian Mason, Kuratorin des heute in ein Museum umgewandelten Bletchley Park. "Man sieht förmlich vor sich, wie diese Menschen damals vor sich hinarbeiteten." Neben den Notizen und Banbury-Bögen fanden sich aber auch Blätter aus einem Atlas und herausgerissene Seiten aus einem Modemagazin in den Wandritzen.

Nach ihrer Entdeckung wurden die Dokumente zunächst eingefroren, um ihren Zerfall zu verhindern, und anschließend behutsam restauriert. Ein Teil der Zettel wurde dann dem britischen Geheimdienst überlassen, der sie nun auswerten und entschlüsseln soll. Einige andere sind demnächst in einer Ausstellung in Bletchley Park zu sehen. Der zurzeit im Kino laufende Film "The Imitation Game" über Turings Leben und seine Zeit als Codebrecher wurde dort an Originalschauplätzen gedreht.
(Bletchley Park Trust, 10.02.2015 - NPO)
 
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