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Dienstag, 06.12.2016
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Vorfahre der ersten Europäer entdeckt?

Fossilfund in Israel könnte eine entscheidende Lücke der Menschheitsgeschichte schließen

Fossilfund auf Felssims: In einer Höhle in Israel haben Forscher den ältesten Vertreter des modernen Homo sapiens im Nahen Osten entdeckt. Das 55.000 Jahre alte Schädeldach ist möglicherweise sogar ein "Missing Link" der Menschheitsgeschichte. Denn es könnte einem Vorfahren jener modernen Menschen gehören, die nach Europa einwnaderten und dort den Neandertaler ablösten, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature" berichten.
Modell des fossilen Schädeldachs vor einer Aufnahme der Manot-Höhle

Modell des fossilen Schädeldachs vor einer Aufnahme der Manot-Höhle

Der Nahe Osten ist schon seit gut 100.000 Jahren ein Durchgangskorridor früher Menschen nach Asien und Europa. Das belegen in Israel entdeckte Fossilien archaischer Homo sapiens Formen. Doch Belege für ihren Nachfolger, den modernen Typ Menschen, der vor rund 50.000 Jahren nach Europa zog, fehlten. Daher blieb unklar, ob dieser sich aus den archaischen Formen des Nahen Ostens entwickelte oder ob er in einem zweiten Einwanderungsschub direkt aus Afrika kam.

"Missing Link" der Menschheitsgeschichte?


Das von Israel Hershkovitz von der Universität Tel Aviv und seinen Kollegen nun gefundene Fossil könnte diese Frage nun beantworten. Entdeckt wurde es in der Manot-Höhle nahe der Grenze zum Libanon. Diese Tropfsteinhöhle war während der Altsteinzeit offen, wurde aber vor 15.000 bis 30.000 Jahren durch einen Kollaps des Höhlendaches verschlossen. Dadurch blieben Fossilien in ihrem Inneren ungestört erhalten. Unter ihnen war auch das menschliche Schädeldach, das Forscher auf einem Felssims in einer Seitenkammer fanden.

Das Schädelfossil von Manot von oben. Gut sichtbar sind die Schädelnähte und die bräunlich gefärbte Kalzit-Patina.

Das Schädelfossil von Manot von oben. Gut sichtbar sind die Schädelnähte und die bräunlich gefärbte Kalzit-Patina.

Wie eine Datierung mit Hilfe von Uran-Thorium-Isotopen ergab, ist dieser Schädel bereits knapp 55.000 Jahre alt – er stammt damit genau aus der Zeit, aus der bisher Fossilien unserer Vorfahren fehlten. "Dieser Schädelfund aus Manot ist genau das, was wir Anthropologen seit Jahrzehnten gesucht haben", sagt Koautor Gerhard Weber von der Universität Wien. "Er verbindet perfekt die Teile der Menschheitsgeschichte in Raum und Zeit, die uns bisher bekannt waren."


Nicht vor Ort entwickelt


Das Schädelfragment trägt einige Merkmale, die eindeutig dem modernen Menschen zuzuordnen sind, wie Hershkovitz und seine Kollegen berichten. Es ähnelt darin den modernen Afrikanern und steinzeitlichen Europäern, nicht aber den archaischen Vertretern des Homo sapiens, die zuvor im Nahen Osten lebten. "Das ist der erste fossile Beleg dafür, dass die Levante in der mittleren Altsteinzeit nicht nur von Neandertalern, sondern auch von modernen Menschen besiedelt war", konstatieren die Forscher.

Ihrer Ansicht nach entwickelten sich diese modernen Menschen demnach nicht vor Ort, sondern wanderten in einer zweiten Welle aus Afrika neu ein. Der zu dieser zweiten Welle gehörende Mensch aus der Manot-Höhle könnte dann ein Vorfahre der Population geworden sein, die später nach Europa weiterzog.

Blick in die Manot-Höhle im Norden Israels

Blick in die Manot-Höhle im Norden Israels

Merkmale vom Neandertaler


Interessanterweise hat der Schädel aber auch Merkmale, die denen des Neandertalers gleichen, darunter eine typische Wölbung am Hinterhauptsbein. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dies ein Anzeichen dafür sein, dass der Manot-Mensch auch Anteile des Neandertalers in sich trug – weil seine Vorfahren sich mit dem Neandertaler kreuzten.

Immerhin belegen Fossilfunde, dass diese Vettern des Homo sapiens vor rund 60.000 Jahren auch im Nahen Osten siedelten. Ein enger Kontakt und eine Vermischung könnte also durchaus stattgefunden haben. Doch wie die Forscher betonen, reicht allein das Schädelfragment nicht aus, um zu belegen, dass es sich bei dem Manot-Menschen um einen Hybriden handelte. Das ließe sich nur durch genetische Analysen klarstellen. (Nature, 2015; doi: 10.1038/nature14134)
(Nature, 29.01.2015 - NPO)
 
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