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Samstag, 10.12.2016
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Unsere Freunde wissen es besser

Die Einschätzung unserer Persönlichkeit durch Freunde erlaubt Rückschlüsse auf unsere Lebenserwartung

Gewissenhaft, konfliktscheu oder risikofreudig? Wie unsere Freunde unsere Persönlichkeit einschätzen, erlaubt Rückschlüsse auf unsere Lebenserwartung. Denn sie erkennen besser als wir selbst, ob wir zu langfristig gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen oder Haltungen neigen. Wie erstaunlich treffsicher die Einschätzung unserer Freunde dabei ist, belegt die Auswertung einer Langzeitstudie. Wie die Forscher im Journal "Psychological Science" berichten, zeigt dies auch, wie wichtig das Feedback von Freuden sein kann – auch und gerade, wenn es um die Gesundheit geht.
Enge Freunde können unsere Persönlichkeit besser einschätzen, als wir selbst.

Enge Freunde können unsere Persönlichkeit besser einschätzen, als wir selbst.

Unsere Freunde kennen uns oft besser als wir selbst. Sie sehen und kommentieren daher auch die Mackenund Fehler, die wir selbst an uns noch nie wahrgenommen haben oder nie wahr haben wollten. Unsere Persönlichkeit hat aber entscheidenden Einfluss auf unseren Lebenswandel – und damit auf unsere Lebenserwartung: Umsichtige Menschen achten demnach mehr auf ihre Ernährung, zuverlässige Menschen halten sich eher an Diäten oder treiben regelmäßig Sport.

Langzeitstudie über 75 Jahre


Bei emotionaler Stabilität sinkt das Risiko auf Depressionen, und hohe Risikobereitschaft kann schnell zu einem frühen Tod führen. Lässt sich so möglicherweise von der Einschätzung unserer Freunde darauf schließen, wie alt wir werden? Um diese Frage zu beantworten, griffen Psychologen um Joshua Jackson von der Washington University in St. Louis auf die Daten einer in den 1930er Jahren begonnenen Langzeitstudie zurück.

Die Studie folgte einer Gruppe von Mittzwanzigern, von denen die meisten bereits verlobt waren. Die Daten enthielten ausführliche Angaben über Charakterzüge der Studienteilnehmer – sowohl nach eigener Einschätzung, als auch durch Freunde der Teilnehmer, darunter so nahe Bekannte wie die Trauzeugen. Jackson und Kollegen spürten außerdem Folgestudien und Todesurkunden auf, und konnten so die Todesdaten der meisten damaligen Teilnehmer dokumentieren und mit deren Persönlichkeiten abgleichen.


Ansicht der Freunde ist entscheidend


Bei ihrer Auswertung fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit der Probanden in ihrer Jugend und ihrer späteren Lebenserwartung. Das Interessante dabei: Entscheidend dafür war nicht die psychologische Selbsteinschätzung der Teilnehmer, sondern die Persönlichkeit, die ihre Freunde ihnen zusprachen.

So lebten Männer, die von ihren Freunden als offen und gewissenhaft beschrieben wurden, beispielsweise im Durchschnitt länger. Das gleiche galt für Frauen, denen ihre Bekannten eine emotional ausgeglichene und umgängliche Persönlichkeit bescheinigten.

Unbewusste Signale


Nach Ansicht der Forscher zeigen ihre Ergebnisse, dass Menschen die Persönlichkeit von Freunden sehr genau beobachten und bewerten – genau genug, um aus ihren Einschätzungen Rückschlüsse auf Gesundheit und Lebenserwartung ziehen zu können. "Menschen nehmen wichtige mit der Gesundheit verbundene Merkmale schon wahr, selbst wenn ihre Freunde noch völlig gesund und viele Jahre von ihrem Tod entfernt sind", erklärt Jackson.

Warum aber können Freunde dies offenbar treffender beurteilen als die Probanden selbst? Jackson nennt hierfür zwei mögliche Gründe: Freunde sehen uns aus einem anderen Blickwinkel und könnten daher Dinge wahrnehmen, die uns selbst entgehen. Der andere Grund ist statistischer Natur: Mehrere Freunde bedeuten mehrere Angaben – daraus können die Wissenschaftler Übereinstimmungen herausfiltern, die zuverlässiger sind als die einzelne eigene Beschreibung.

Gesellschaftlich geprägter Geschlechtsunterschied


Bei der Selbsteinschätzung der Teilnehmer offenbarte die Studie außerdem einen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Wie die Männer sich selbst bewerteten, passte relativ gut zu ihrer Lebenserwartung. Die eigenen Bewertungen der Frauen ermöglichten dagegen kaum eine Vorhersage.

Jackson vermutet gesellschaftliche Gründe hinter diesem Unterschied. Die Erwartungen der Gesellschaft an Frauen waren in den 1930er Jahren deutlich anders als heutzutage, und die meisten Frauen arbeiteten zuhause. Jungen Frauen mit ausgeglichener und emotional stabiler Persönlichkeit habe man damals wesentlich bessere Chancen auf ein langes und glückliches Eheleben zugesprochen. Eine ähnliche Studie zur heutigen Zeit ergäbe wahrscheinlich geringere Geschlechtsunterschiede, nimmt Jackson an – wenn man 75 Jahre auf die Ergebnisse warten wollte. (Psychological Science, 2015; doi: 10.1177/0956797614561800)
(Washington University in St. Louis, 27.01.2015 - AKR)
 
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