• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 07.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Reisende schleppen "Superkeime" ein

Antibiotika-Einnahme im Urlaub erhöht Risiko für Infektion mit resistenten Keinen drastisch

Gefährliches Mitbringsel: Mehrfach resistente Bakterien werden zunehmend von Fernreisenden eingeschleppt: Immerhin jeder Fünfte trägt bei seinr Rückkehr gefährliche sogenannte ESBL-Keime im Darm – ohne es selbst zu merken. Noch gravierender aber wird es, wenn unterwegs Antibiotika eingenommen werden: Dann steigt die Infektionsrate sogar auf 80 Prozent, wie Forscher feststellten.
ESBL-Bakterien sind auch gegen neuerer Antibiotika resistent

ESBL-Bakterien sind auch gegen neuerer Antibiotika resistent

Resistente Bakterien breiten sich immer weiter aus – und die moderne, globalisierte Gesellschaft hilft ihnen dabei. Denn inzwischen kann selbst ein neuer Superkeim wie kürzlich in Brasilien entdeckt, sich relativ schnell auf andere Regionen der Erde ausbreiten. Auch der in Europa häufige resistente Stamm des Erregers Staphylococcus aureus (MRSA) stammt ursprünglich aus Afrika.

Verbreitung per Urlauber-Express


Was die Übertragung resistenter Bakterien von einer Region in die andere fördert, haben Anu Kantele von der Universität Helsinki und seine Kollegen nun untersucht. Sie sammelten dafür Stuhlproben von 430 Finnen bevor und nachdem sie ein tropisches oder subtropisches Land reisten und befragten die Reisenden hinterher nach ihrem gesundheitlichen Zustand. Diese analysierten sie gezielt auf Spuren resistenter Keime aus der Gruppe der Enterobacteriaceae. Diese erzeugen Enzyme, sogenannte extended-spectrum-beta-lactamases (ESBL), die auch neuere Antibiotika wirkungslos machen.

Wie sich zeigte, hatten 90 Probanden nach ihrer Reise ESBL-produzierende Bakterien in ihrem Darm – das entspricht 21 Prozent. Besonders hoch war der Anteil bei denen, die in Südostasien und Südasien oder Nordafrika unterwegs waren. "Mehr als 300 Millionen Menschen besuchen diese Hochrisiko-Regionen jedes Jahr", sagt Kantele. "Wenn nur rund 20 Prozent von ihnen mit den Bakterien infiziert werden, dann ist das eine wirklich große Anzahl – das ist eine ernste Sache." Denn die Rückkehrer können dann die "Superkeime" in ihrer Heimat verbreiten.


Kolonien des ESBL-Keims Acinetobacter baumanii auf Nährmedium - sie wurden vermutlich aus dem Mittleren Osten eingeschleppt.

Kolonien des ESBL-Keims Acinetobacter baumanii auf Nährmedium - sie wurden vermutlich aus dem Mittleren Osten eingeschleppt.

Unbemerkte Durchseuchung


Noch gravierender aber: Diejenigen, die während der Reise Antibiotika eingenommen hatten, beispielsweise wegen eines Durchfalls, waren sogar zu 80 Prozent infiziert – und das, obwohl die Durchfälle selbst nicht von den ESBL-Bakterien ausgelöst worden waren. Wer sich ansteckt, merkt selbst meist nichts davon, denn die Bakterien machen nicht sofort jeden krank, wie die Forscher erklären. Gefährlich werden sie meist erst, wenn das Immunsystem des Trägers geschwächt ist oder er Menschen ansteckt, die immungeschwächt sind.

Die Forscher warnen daher davor, auf einer Reise zu früh und unnötig Antibiotika einzunehmen. "Reisende sollten lieber zunächst nichtantibiotische Medikamente gegen Durchfall nutzen", so Kantele. "Denn die meisten Fälle von Reise-Durchfall verlaufen mild und gehen von alleine weg."
Nur in schweren Fällen, wenn hohes Fieber, Blut im Stuhl oder schwere Dehydrierung dazu kommen, sollte ein Antibiotikum eingenommen werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler sollten hier auch die Gesundheitsbehörden in den europäischen Ländern mehr Aufklärung betreiben. (Clinical Infectious Diseases, 2015; doi: 10.1093/cid/ciu957)
(Oxford University Press, 22.01.2015 - NPO)
 
Printer IconShare Icon