• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 25.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Ständiger Begleiter: Hund?

Hunde kamen möglicherweise viel später nach Amerika als der Mensch

Seit über 10.000 Jahren "bei Fuß": Hunde begleiten den Menschen schon seit Jahrtausenden und geben auch Aufschluss über dessen Wanderungen. US-Forscher haben nun jedoch einen scheinbaren Widerspruch gefunden: Genetischen Untersuchungen zufolge tauchten Hunde erst sehr viel später auf dem amerikanischen Kontinent auf als der Mensch. Die Studie im "Journal of Human Evolution" beschreibt auch, wie die damaligen Menschen ihre Hunde verehrten.
Kamen Hunde schon mit dem Menschen nach Amerika, oder erst sehr viel später?

Kamen Hunde schon mit dem Menschen nach Amerika, oder erst sehr viel später?

Hund und Mensch pflegen schon seit langer Zeit eine besondere Beziehung. Schon vor 11.000 bis 16.000 Jahren haben sich Hunde an die Gesellschaft des Menschen gewöhnt. Schon damals zogen sie einen Nutzen daraus: Sie erhielten Zugang zu neuen Nahrungsquellen und Sicherheit in den menschlichen Wohnorten. Andererseits dienten sie dem Menschen als Lasttier und als Begleiter auf der Jagd.

In all dieser Zeit folgten Hunde dem Menschen gewissermaßen "bei Fuß": "Hunde gehören zu den frühesten Organismen, die mit dem Menschen auf jeden Kontinent zogen", sagt Kelsey Witt von der Universität of Illinois in Urbana-Champaign, "und ich denke, das sagt eine Menge über die Beziehung, die Hunde zum Menschen haben." Darum bieten in archäologischen Grabungen gefundene Überreste von Hunden auch Einblicke in die Wanderungen der Menschen.

"Ununterbrochene Linie in die Vergangenheit"


Menschliche Überreste stehen Forschern für solche Untersuchungen nicht immer uneingeschränkt zur Verfügung: Manche indigene Völker gestatten beispielsweise keine Entnahme von DNA-Proben, aus Respekt vor ihren Vorfahren. An Hunden dagegen können die Forscher ihre Analysen oft durchführen, erklärt Witt. Wie schon Wissenschaftler in früheren Studien analysierten Witt und Kollegen die DNA in den Mitochondrien der Hunde. Im Gegensatz zur DNA im Zellkern wird die mitochondrielle DNA ausschließlich über die Mutter vererbt und nicht mit väterlicher DNA vermischt. Daher bietet sie Forschern "eine ununterbrochene Linie der Vererbung zurück in die Vergangenheit", so Witt.


Besondere Verehrung: In der Nähe von St. Louis befindet sich diese Begräbnisstätte zweier Hunde, von vor 660 bis 1350 Jahren.

Besondere Verehrung: In der Nähe von St. Louis befindet sich diese Begräbnisstätte zweier Hunde, von vor 660 bis 1350 Jahren.

In ihrer Studie untersuchten die Forscher eine viel größere Anzahl von DNA-Proben als bisherige Studien lieferten: Von insgesamt 84 Hunden erfassten die Wissenschaftler genetische Charakteristika, um sie miteinander zu vergleichen. Allein 35 davon stammen von einer archäologischen Fundstelle namens "Janey B. Goode" im US-Bundesstaat Illinois, in der Nähe des heutigen St. Louis. Dieser Fundort liegt auch nahe der alten Stadt Cahokia, der ersten und größten bekannten "Metropole" in Nordamerika. Cahokia hatte vor rund 700 bis 1.000 Jahren ihre Blütezeit, während bei Janey B. Goode vor 1.000 bis 1.400 Jahren Menschen lebten.

Bestatten oder essen


Dutzende Hunde wurden an der Stelle Janey B. Goode rituell bestattet. Dies deutet darauf hin, dass die dort lebenden Menschen ihre Hunde besonders verehrten. Die meisten der Hunde sind allein in ihren Gräbern, einige wurden jedoch paarweise Rücken an Rücken beerdigt. In Cahokia ist das Bild anders: Überreste von Hunden finden sich hier zusammen mit anderen Nahrungsresten, manche davon sind verbrannt. Auch hier gab es also Hunde, sie wurden jedoch weniger verehrt, sondern offenbar manchmal gegessen. Rituelle Bestattungen von Hunden aus dieser Zeit sind selten.

In den DNA-Proben fanden die Wissenschaftler vier völlig neue genetische Signaturen, die auf eine größere Vielfalt der Hunde in Amerika hindeuten als bisher angenommen. Manche Hunde-Populationen zeigten dagegen jedoch bemerkenswert wenig genetische Unterschiede. Daraus schließen die Forscher, dass die Menschen zu dieser Zeit bereits Hunde gezielt auf bestimmte Merkmale gezüchtet haben könnten. Einige Proben ähneln genetisch amerikanischen Wölfen. Manche der Hunde könnten sich also entweder mit den Wölfen des Kontinents vermischt haben, oder aber sie stammen von domestizierten Wölfen ab.

Hunde erst seit 10.000 Jahren in Amerika?


Aus der genetischen Vielfalt können die Forscher auch abschätzen, wie weit zurück die Ankunft der Hunde auf dem amerikanischen Kontinent liegt. Dabei erlebten sie eine Überraschung: "Die genetische Vielfalt der Hunde in Nord- und Südamerika datiert vielleicht auf bloß etwa 10.000 Jahre zurück", sagt Witt. Das würde bedeuten, Hunde kamen erst mehrere tausend Jahre später nach Amerika, nachdem der Mensch bereits die Landbrücke der Beringstraße überquert hatte. Dieses Datum fällt auch in etwa mit den frühesten rituellen Begräbnisstätten von Hunden zusammen.

Bislang haben die Forscher jedoch nur einen Teil der mitochondriellen DNA der Hunde untersucht. Daher nehmen sie an, dass ihre bisherigen Funde nur ein unvollständiges Bild liefern. Es könnte darum sein, dass die Geschichte der amerikanischen Hunde im Vergleich zum Menschen jünger erscheint, als sie tatsächlich ist. Ausführlichere Analysen des vollständigen Genoms sollen bald eine genauere Datierung ermöglichen. (Journal of Human Evolution, 2014; doi: 10.1016/j.jhevol.2014.10.012)
(University of Illinois at Urbana-Champaign, 09.01.2015 - AKR)
 
Printer IconShare Icon