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Mittwoch, 01.06.2016
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Diät-Pille: "Imaginäres Essen" trickst den Körper aus

Neuer Wirkstoff aktiviert die Fettverbrennung mit weniger Nebenwirkungen

Eine Kalorienpille ohne Kalorien: Eine neue Diät-Pille könnte bald ein gezieltes Abnehmen ohne Nebenwirkungen bedeuten. US-Forscher haben ein Mittel entwickelt, das dem Körper vorgaukelt, man habe Nahrung zu sich genommen. Das soll die Fettverbrennung ankurbeln. Im Unterschied zu herkömmlichen Diätpillen bleibt das Mittel aber im Darm und geht nicht ins Blut – das soll Nebenwirkungen reduzieren, wie die Forscher im Fachmagazin "Nature Medicine" berichten.
Neue Diät-Pillen sollen beim Abnehmen helfen.

Neue Diät-Pillen sollen beim Abnehmen helfen.

Die Industrieländer der Erde werden immer dicker. Als fettleibig gilt man ab einem Body-Mass-Index von 30, was in den USA etwa einem Drittel der Bevölkerung betrifft, in Deutschland ist das immerhin jeder fünfte. Gleichzeitig steigen die Zahlen der durch Adipositas bedingten Krankheiten, darunter Diabetes, Bluthochdruck und Schlaganfall. Diät-Pillen werden von vielen Menschen als leichte Alternative zu gesunder Ernährung und Sport gewählt, aber oft haben sie erhebliche Nebenwirkungen und das einzige, was abnimmt, ist der Geldbeutel.

Imaginäre Mahlzeit


Sungsoon Fang vom Salk-Institute for Biological Studies in La Jolla und seine Kollegen haben nun einen neuen Typ der Diät-Pille entwickelt, die dem Körper vorgaukelt, er habe Kalorien konsumiert. „Diese Pille ist wie eine imaginäre Mahlzeit“, sagt Seniorautor Ronald Evans vom Salk Institute. „Sie sendet die gleichen Signale aus, die normalerweise ausgesendet werden, wenn man eine Menge isst. Der Körper beginnt Platz zu schaffen, um dieses zu speichern. Aber das Medikament enthält keine Kalorien und bewirkt auch keine Änderung im Appetitverhalten.“

Entscheidend für diese Wirkung ist der sogenannte Farnesoid X Rezeptor (FXR) – ein Protein, das zu Beginn einer Mahlzeit aktiviert wird und eine wichtige Rolle dafür spielt, wie die Leber Gallensäure freisetzt, Essen verdaut und Fette und Zucker speichert. Weil dabei die Fettverbrennung angekurbelt wird, gibt es bereits einige Diät-Mittel, die den FX-Rezeptor aktivieren. Das Problem dabei: Sie aktivieren das Protein auch außerhalb des Verdauungstrakts und verursachen so gefährliche Nebenwirkungen.


Wirkung nur im Darm


Um das zu vermeiden, veränderten Evans und seine Kollegen das Medikamentengerüst, das die meisten Pharma-Unternehmen für die FXR-Aktivierung nutzen. Der neue, Fexaramin getaufte Wirkstoff erwies sich in Versuchen mit Mäusen tatsächlich als schonender:
„Wie sich zeigte, ist dieses Mittel nur im Darm aktiv, wenn man es oral verabreichte“, erklärt Koautor Michael Downes vom Salk Institute. Es gelangt nicht ins Blut und wird daher auch nicht im ganzen Körper verteilt.

Erhielten fettleibige Mäusen täglich eine Fexaramin-Pille über fünf Wochen, nahmen die Tiere nicht mehr weiter zu, sie verloren Fett und sowohl der Blutzucker- als auch der Cholesterinspiegel wurden gesenkt. Außerdem maßen die Forscher eine höhere Körpertemperatur bei den Mäusen, was auf einen erhöhten Stoffwechsel und insbesondere eine verstärkte Fettverbrennung hindeutet, wie sie erklären.

Noch fanden die Versuche nur mit Mäusen statt. Die Forscher nehmen jedoch an, dass das Medikament auch für den Menschen um einiges sicherer ist als andere Medikamente, die auf FXR zielen. Sie bereiten bereits klinische Studien mit Menschen vor, um die Wirksamkeit von Fexaramin auf Adipositas und andere Stoffwechselkrankheiten zu testen. Idealerweise könnte das Medikament unter ärztlicher Aufsicht in Verbindung mit einer Diät und einem Lebensstilwandel eingesetzt werden. (Nature Medicine, 2014; doi: 10.1038/nm.3760)
(Salk Institute, 06.01.2015 - MAH)