• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 02.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Wölfe können besser zählen

Haushunde unterscheiden Futtermengen schlechter als ihre wilden Vorfahren

Mehr oder weniger? Den Unterschied zwischen zwei verschiedenen Mengen von Futterstücken können Wölfe besser nachvollziehen als Hunde: Sie wählen zuverlässiger die größere Portion, auch wenn sie beide nur einzeln zu sehen bekommen, wie ein Experiment österreichischer Forscherinnen zeigt. Grund dafür könnte der Mensch sein: Für die domestizierten Haustiere ist der genaue Blick aufs Futter nicht mehr nötig.
Hunde haben die Fähigkeit, Mengen zu unterscheiden, wahrscheinlich im Laufe der Domestikation verloren.

Hunde haben die Fähigkeit, Mengen zu unterscheiden, wahrscheinlich im Laufe der Domestikation verloren.

Für soziale Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, ist ein Sinn für Mengenverhältnisse wichtig. Sei es um die Futtermenge oder die Größe einer Gruppe feindlicher Tiere abzuschätzen – ein gewisses numerisches Vorstellungsvermögen ist entscheidend. Löwen, Schimpansen und Hyänen wehren sich beispielsweise nur dann gegen eine Gruppe von Angreifern, wenn sie selbst in der Mehrzahl sind.

Friederike Range und ihre Kolleginnen von der Veterinärmedizinischen Universität Wien hatten bereits in einer früheren Studie festgestellt, dass Wölfe den Unterschied zwischen zwei Futtermengen recht gut erkennen können. Nun wollten sie wissen, ob dies auch bei Hunden der Fall ist oder ob diese die Fähigkeit vielleicht im Laufe der Domestizierung verloren haben.

Gesamtmenge nie zu sehen


Dazu testeten die Forscherinnen 13 Mischlingshunde, die in mehreren Rudeln im Wolf Science Center in Ernstbrunn leben. Die Hunde wuchsen dort genauso auf, wie die Wölfe der vorherigen Studie gehalten wurden. Im Experiment bekamen die Hunde nacheinander einzelne Käsestücke zu sehen, die die Wissenschaftlerinnen dann gleich in einer von zwei undurchsichtigen Röhren verschwinden ließen. Die Hunde sollten anschließend unterscheiden, in welcher Röhre mehr Käse gelandet war: rechts oder links? Wählten sie die richtige Röhre, erhielten sie die enthaltenen Käsestücke als Belohnung.


"Wir haben bewusst so getestet, dass die Hunde die gesamte Menge der Futterstücke nie zu Gesicht bekommen haben", erklärt Erstautorin Range. "Damit schließen wir aus, dass sich die Hunde an einfachen Faktoren wie beispielsweise dem Gesamtvolumen orientieren." Statt also unterschiedlich große Haufen von Käsestücken zu sehen, mussten sich die Hunde tatsächlich die Zahl der Stücke in den Röhren vorstellen, zumindest im Verhältnis zueinander.

Hunde von Selektion ausgenommen


Verglichen mit Wölfen hatten die Hunde Schwierigkeiten mit der gestellten Aufgabe: Sie konnten nur deutliche Unterschiede wie die doppelte, dreifache oder sogar vierfache Menge in einer Röhre gut nachvollziehen. Bei knappen Verhältnissen von zwei zu drei oder drei zu vier jedoch stoßen sie an ihre Grenzen, während ihre wilden Vorfahren damit noch gut zurechtkommen. "Hunde können die Futtermengen dann gut unterscheiden, wenn sie die Gesamtheit vor Augen haben", verdeutlicht Range. "Hierfür benötigen sie aber weniger ihre Vorstellungskraft."

Die Wissenschaftlerinnen beschäftigen sich nun damit, warum die Hunde in diesem Test so schlecht abgeschlossen haben: Liegt es daran, dass sie Schwierigkeiten mit numerischen Informationen haben, oder hapert es an der Vorstellungskraft? Die nötige Eigenschaft könnten die Hunde im Lauf der Domestikation durch den Menschen verloren haben – weil sie sie nicht mehr brauchten: "Haushunde müssen sich nicht mehr um die Futterbesorgung kümmern", erläutert Range. "Auch der Schlafplatz ist gesichert und die Partnerwahl von Menschenhand geplant. Der Hund ist somit von der natürlichen Selektion ausgenommen." (Frontiers in Psychology, 2014; doi: 10.3389/fpsyg.2014.01299)
(Veterinärmedizinische Universität Wien, 18.12.2014 - AKR)
 
Printer IconShare Icon