• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 02.10.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Waren die Neandertaler Mammut-Esser?

Überreste der Jagdbeute zeigen opportunistische Ernährungsstrategie

Großwildjagd in der Steinzeit: Ernährten sich die Neandertaler wirklich fast ausschließlich von Mammutfleisch, wie oft vermutet? Dieses Bild stimmt nur teilweise, wie neuere Untersuchungen zeigen. Demnach waren die Neandertaler zwar erfolgreiche und effiziente Mammutjäger, dennoch spielten die riesigen Tiere nur eine untergeordnete Rolle im Speiseplan der Steinzeitmenschen – sie waren eher eine gelegentliches Plus.
Das Wollmammut - auf dem Neandertaler-Speiseplan eher die Ausnahme als die Regel

Das Wollmammut - auf dem Neandertaler-Speiseplan eher die Ausnahme als die Regel

Wenn es um die Lebensweise der Neandertaler geht, denken die meisten Menschen schnell an mammutjagende Höhlenmenschen. Und in der Tat zeigen archäozoologische Untersuchungen an Überresten ihrer Jagdbeute, dass die Neandertaler erfolgreiche Großwildjäger und ausgemachte Fleischfresser waren. Isotopenanalysen sprechen sogar dafür, dass Mammuts ganz oben auf dem Speiseplan der Steinzeitmenschen standen.

Treibjagden auf ganze Mammutherden?


Allerdings sprechen auch einige Argumente gegen Mammuts als Lieblingsmahlzeit der Neandertaler: Die riesigen Tiere zu jagen war alles andere als einfach, immerhin wurden sie über drei Meter hoch und bis zu sechs Tonnen schwer. Außerdem tauchten an den meisten Fundstellen von Siedlungen der Neandertaler nur selten Mammutknochen auf. Geoff Smith vom Archäologischen Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution Monrepos in Neuwied ist der Frage nach dem Mammutkonsum der Neandertaler daher genauer nachgegangen.

Dazu hat er zunächst die Jagdbeutereste des Fundplatzes La Cotte de St. Brelade auf der Kanalinsel Jersey akribisch untersucht. Dabei bestimmte er nicht nur Tierarten und Körperteile, sondern analysierte auch Verwitterung, Brandspuren, Raubtierverbiss und wie die Knochen zerbrachen oder zerbrochen wurden.


Der Fundort La Cotte lag am Nordwestrand des damaligen Ausbreitungsgebiets der Neandertaler und nimmt eine Sonderstellung ein: Im Gegensatz zu den meisten anderen Fundstellen gibt es dort eine Menge Mammutknochen. "Hier wurden richtige Mammutknochenhaufen ausgegraben, das gibt es so nirgendwo sonst", erklärt Smith. "Früher dachte man deshalb sogar, die Neandertaler hätten hier ganze Mammutherden bei Treibjagden abgeschlachtet."

Schädel eines Neandertalers

Schädel eines Neandertalers

Komplexere Strategien statt spezialisierter Mammutjagd


Smith hat für ein solches Ausmaß der Mammutjagd fand Smith zwar keine Belege, ganz sicher aber haben die Neandertaler in La Cotte immer wieder Mammuts erlegt und effizient ausgeschlachtet. Dies belegen viele Schnitt- und Schlagspuren an den Mammutknochen. Die Menschen der Steinzeit nutzten außerdem auch Hirn und Knochenmark und verbrannten viele Knochen anschließend, vielleicht als Holzersatz.

Während unter den Jagdbeuteresten von La Cotte Großwild wie Mammute und Wollnashörner überwiegen, kommen in geringerem Ausmaß aber auch kleinere Rinder, Hirsche und Pferde vor. Smith schließt daraus, dass die Neandertaler keine spezialisierten Mammutjäger waren, sondern viel komplexere Ernährungsstrategien verfolgten. Demnach jagten sie verschiedene Tiere und auch Fische zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich intensiv, meistens jedoch mittelgroße Pflanzenfresser wie Wildrinder oder Pferde.

"Die Tierknochen zeigen, dass Neandertaler hier und anderswo ganz opportunistisch vorgegangen sind", so Smith. "Mammuts waren eher so eine Art Nahrungsergänzung, mit der man auf Klima- und Umweltschwankungen reagieren konnte." (Journal of Human Evolution, 2014; doi: 10.1016/j.jhevol.2014.10.007)
(Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) - Forschungsinstitut für Archäologie, 15.12.2014 - AKR)
 
Printer IconShare Icon