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Samstag, 01.10.2016
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Bio-Anbau ist produktiver als gedacht

Angepasste Techniken verringern die Ertragslücke auf weniger als zehn Prozent

Bio bringt's: Die Erträge der biologischen Landwirtschaft hinken denen des konventionellen Anbaus weniger hinterher als gedacht. Nutzt man Techniken wie Fruchtwechsel und gemischten Anbau, dann schrumpft die Lücke auf weniger als zehn Prozent, wie die bisher umfangreichste Metastudie zu diesem Thema belegt. Durch reinen Bio-Anbau könne man daher die Weltbevölkerung durchaus ernähren, so die Forscher.
Biologischer Anbau kann fast so viel Ertrag bringen wie konventioneller - wenn es richtig gemacht wird.

Biologischer Anbau kann fast so viel Ertrag bringen wie konventioneller - wenn es richtig gemacht wird.

Die konventionelle Landwirtschaft ist zwar enorm produktiv, verursacht aber auch viele Umweltprobleme, darunter den Verlust von Lebensräumen und der Artenvielfalt, Giftwirkungen durch Pestizide, Überdüngung von Böden und Gewässern und vieles mehr. "Wenn wir die Produktivität der Erde auf lange Sicht erhalten wollen, müssen wir so bald wie möglich nachhaltige und belastbare Praktiken entwickeln und einsetzen", konstatieren Lauren Ponisio und ihre Kollegen von der University of California in Berkeley.

Lassen sich Nachhaltigkeit und Produktivität verbinden?


Doch der biologische Anbau galt bisher als zu wenig produktiv, um den Nahrungsbedarf der Weltbevölkerung decken zu können. "Das stellt uns vor ein Dilemma: Wie können wir die Nahrungsproduktion halten oder steigern, ohne die Nachhaltigkeit dafür zu opfern?", so die Forscher. Bisherige Vergleiche ergaben für den konventionellen Anbau ein Plus von 20 bis zu gewaltigen 180 Prozent. In der bisher umfangreichsten Metastudie zu diesem Thema haben Ponisio und ihre Kollegen dies nun überprüft.

Die Forscher griffen auf Daten aus 115 zuvor veröffentlichten Vergleichsstudien zurück. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern schlossen sie dabei verfälschende Ergebnisse aus einfacher Subsistenzwirtschaft in den Entwicklungsländern aus und verglichen primär Anbaumethoden mit vergleichbar hohem Wissens- und Technologiestandard. Insgesamt werteten sie 1.071 direkte Vergleiche von konventionellen und biologischen Anbaumethoden aus.


Die Kombination verschiedener Pflanzen auf einem Acker bringt Vorteile, hier Zwiebeln und Erdbeeren.

Die Kombination verschiedener Pflanzen auf einem Acker bringt Vorteile, hier Zwiebeln und Erdbeeren.

Ertragslücke geringer als angenommen


"Wir haben dabei eine deutlich geringere Ertragslücke gefunden als die vorhergehenden Metaanalysen", berichten die Forscher. Demnach liegen die Erträge aus der biologischen Landwirtschaft um rund 19,2 Prozent niedriger als die der konventionellen – und dies sowohl bei Getreide als auch bei Gemüse oder anderen Nutzpflanzen.

Zusätzlich zeigte sich, dass es zwei Anbau-Praktiken gibt, die diese Lücke noch weiter verkleinern können: den Fruchtwechsel und den gemischten Anbau, bei dem verschiedene Pflanze auf einem Feld zusammen angebaut werden. Durch die Pflanzenkombination ergeben sich Synergieeffekte sowohl bei der Nährstoffversorgung als auch bei der Schädlingsabwehr. Werden beiden Anbaumethoden konsequent und stärker als beim konventionellen Anbau üblich umgesetzt, dann kann dies die Ertragslücke auf nur noch acht beziehungsweise neun Prozent senken, wie die Forscher berichten.

"Eine vollwertige Alternative"


Nach Ansicht von Ponisio und ihre Kollegen spricht dies dafür, dass der biologische Anbau durchaus eine vollwertige Alternative zur konventionellen Landwirtschaft sein kann. "Mit weiteren Investitionen in agroökologische Forschung und die Züchtung von geeigneten Sorten für den biologischen Anbau könnte die verbleibende Ertragslücke für einige Pflanzen und Regionen sogar ganz geschlossen werden", sagt Ponisio.

Zudem bleibe dem Menschen auf lange Sicht ohnehin keine Wahl: Der Umstieg auf nachhaltige, biologische Anbaumethoden ist nach Ansicht der Forscher eine schlichte Notwendigkeit. "Wir können nicht damit fortfahren, Nahrung zu produzieren, ohne auf unsere Böden, unser Wasser und die Artenvielfalt Rücksicht zu nehmen", so die Forscher. (Proceedings of the Royal Society B, 2014; doi: 10.1098/rspb.2014.1396)
(University of California - Berkeley, 10.12.2014 - NPO)
 
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