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Samstag, 01.10.2016
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Marsmeteorit enthält Erdöl-Vorläufer

Organische Verbindungen könnten Überreste früheren Lebens sein

Sterbliche Überreste vom Mars? In einem Marsmeteoriten haben Forscher organische Verbindungen entdeckt, die Vorläufersubstanzen von Erdöl und Erdgas ähneln. Ihre Ansicht nach könnte es sich um Überreste biologischer Prozesse handeln und damit auf früheres Leben auf dem roten Planeten hindeuten. Allerdings schließen die Wissenschaftler auch eine abiotische Entstehung nicht völlig aus.
Ein Stück des Tissint-Marsmeteoriten mit dunklen Flecken und Adern auf der gebrochenen Oberfläche.

Ein Stück des Tissint-Marsmeteoriten mit dunklen Flecken und Adern auf der gebrochenen Oberfläche.

Gab es in der Vergangenheit Leben auf dem Mars? Mehrere Mars-Sonden wie zuletzt der Rover Curiosity suchen vor Ort auf dem roten Planeten nach Antworten auf diese Frage. Es gibt jedoch auch Material auf der Erde, das zumindest Hinweise liefern kann: Bei großen Asteroideneinschlägen auf dem Mars können Gesteinsbrocken davon fliegen und schließlich als Marsmeteoriten auf der Erde landen.

In einigen dieser Meteoriten fanden Wissenschaftler organische Verbindungen oder sogar angebliche Reste winziger Bakterien, die die Diskussion um Leben auf dem Mars anheizten. Allerdings war bei all diesen Funden umstritten, ob sich die typischen Verbindungen möglicherweise erst nach dem Aufprall auf der Erde entstanden sind, und ob sie sich auch abiotisch, also auf rein chemischem Weg und ohne jede Lebensform bilden könnten.

Erdöl-Vorläufer im Meteoriten


Im Jahr 2011 schlug ein solcher Marsmeteorit bei Tissint in Marokko auf. Im Gestein dieses Meteoriten haben Wissenschaftler um Ahmed El Goresy von der Universität Bayreuth nun organische Kohlenstoff-Verbindungen gefunden, die den irdischen Vorläufern von Erdöl und Ergas ähneln. Sie werten diese Kerogen-ähnlichen Verbindungen als Überreste biologischer Prozesse und damit als Hinweis auf früheres Leben auf dem Mars.


Für eine Herkunft des organischem Materials spricht die kurze Zeit seit dem Fund des Tissint-Meteoriten: Sie reiche nicht für die nachträgliche Entstehung solcher Verbindungen, argumentieren El Goresy und Kollegen. Sie sind sich sicher, dass die organischen Verbindungen nicht erst auf der Erde, sondern schon vor einigen hundert Millionen Jahren auf dem Mars entstanden.

Der Rote Planet

Der Rote Planet

"Fingerabdruck" von Marsgestein


Dafür sprechen auch die winzigen Gesteinsadern des Tissint-Meteoriten, in denen die Kohlenstoffverbindungen vorliegen: Sie müssen sich bei einem schockartigen Schmelzprozess gebildet haben. Ein solcher Prozess ist am Fundort im marokkanischen Wüstengebiet extrem unwahrscheinlich, wie die Forsher erklären. Genauso unmöglich sei dort die Bildung winziger Diamantkörnchen, die ebenfalls in diesen Gesteinsadern vorhanden sind. Die Energie beim Aufprall reicht für eine so starke Kompüression des Kohlenstoffs nicht aus.

Und schließlich enthält das Kerogen-artige Material im Tissint-Meteoriten einen großen Anteil an Deuterium oder schwerem Wasserstoff: "Eine derart enorme Anreicherung mit Deuterium ist der typische 'Fingerabdruck' von Marsgestein, den wir bereits von früheren Messungen kennen", erklärt El Goresy.

Ein biologischer Ursprung?


Mit der Herkunft des organischen Materials ist jedoch noch nicht bewiesen, dass es tatsächlich von Lebewesen produziert wurde. Doch auch dafür fanden die Wissenschaftler einen Hinweis: Mit Hilfe der Nano-Sekundärionen-Massenspektrometrie fanden sie einen auffallend geringen Anteil des Kohlenstoff-Isotops 13 in den Proben. Diese Isotopensignatur ähnelt damit derjenigen, die sich in Lebewesen und ihren Relikten auf der Erde findet.

"Wir können und wollen aber nicht völlig ausschließen, dass der organische Kohlenstoff im Tissint einen abiotischen Ursprung hat", betont Erstautor Yangting Lin von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking. Die Forscher räumen die Möglichkeit ein, dass die organischen Verbindungen durch sogenannte kohlenstoffhaltige Chondriten entstanden sein könnten. (Meteoritics & Planetary Science, 2014; doi: 10.1111/maps.12389)
(Universität Bayreuth, 03.12.2014 - AKR)
 
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