• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 11.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Seife mit langfristigen Nebenwirkungen?

Der antibakterielle Wirkstoff Triclosan löst bei Mäusen Leberschäden und Krebs aus

Antibakteriell, aber gesundheitsschädlich? Die Chemikalie Triclosan findet sich in vielen Seifen, Zahnpasta oder Shampoos und galt bisher als verträglich. Doch jetzt deuten Versuche mit Mäusen daraufhin, dass Triclosan langfristig die Leber schädigen kann und vielleicht sogar Leberkrebs fördert. Es sei daher dringend geraten, bei weitverbreiteten Konsumartikeln auf diese Chemikalie zu verzichten, warnen Forscher im Fachmagazin " Proceedings of the National Academy of Sciences".
Händewaschen ist wichtig, aber mögicherweise ist Triclosan-haltige Seife langfristig ungesund

Händewaschen ist wichtig, aber mögicherweise ist Triclosan-haltige Seife langfristig ungesund

Der antimikrobielle Wirkstoff Triclosan ist in einer Vielzahl von Alltagsprodukten enthalten, darunter Zahnpasta, Flüssigseifen und Deodorants, aber auch in Kosmetika, in antimikrobiellen Textilien oder Kunststoff-Schneidebrettern für die Küche. Die Konzentration des Triclosans in diesen Produkten darf in Deutschland je nach Anwendung bis zu 0,5 Prozent betragen. Inzwischen ist diese Chemikalie so allgegenwärtig, dass sie in Blut, Muttermilch und Urin der meisten Menschen in den Industrieländern nachgewiesen werden kann.

Doch in jüngster Zeit mehren sich Bedenken. Schon vor zwei Jahren zeigten Studien mit Mäusen, dass Triclosan schon in niedrigen Dosierungen die Muskelfunktion drastisch beeinträchtigen kann. Mei-Fei Yueh von der University of California in San Diego und ihre Kollegen haben nun eine weitere negative Wirkung von Triclosan aufgedeckt.

Kollagen statt Leberzellen


Für ihre Studie verabreichten die Forscher einer Gruppe von jungen Mäusen acht Monate lang Futter, das mit 0,08 Prozent Triclosan versetzt war. Anschließend untersuchten sie den Zustand ihrer Leber und die Genexpression der Leberzellen. Die Untersuchung ergab: Bei den mit Triclosan gefütterten Mäusen war die Leber ungewöhnlich vergrößert. Zudem waren in den Leberzellen Gene aktiv, die die Zellteilung anregen, aber auch zu einer Leberfibrose führen.


Formel von Triclosan oder chemisch ausgedrückt 5-Chlor-2-(2,4-dichlorphenoxy)-phenol

Formel von Triclosan oder chemisch ausgedrückt 5-Chlor-2-(2,4-dichlorphenoxy)-phenol

Bei dieser von Entzündungen begleiteten krankhaften Veränderung wird zunehmend Lebergewebe in Kollagen umgewandelt. Dies beeinträchtigt die blutreinigende Funktion der Leber und kann langfristig zu Leberkrebs führen, wie die Forscher erklären. In einem weiteren Versuch erwiesen sich Mäuse, die Triclosan erhalten hatten, als anfälliger gegenüber einem krebserregenden Medikament. Sie bildeten mehr und größere Tumore aus als die Kontrolltiere, die nur das Karzinogen erhalten hatten.

Schädliche Folgen auch beim Menschen zu erwarten


Nach Ansicht der Forscher deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass eine langfristige Belastung durch Triclosan auch beim Menschen Leberfibrose und andere entzündliche Veränderungen der Leber verursachen kann. "Es ist angeraten zu überprüfen, ob eine Langzeit-Exposition gegenüber Triclosan auch beim Menschen ein Risikofaktor für Leberfibrose ist", so Yueh und ihre Kollegen. Sie halten es aber durchaus für wahrscheinlich, dass die Chemikalie auch das Risiko für Leberkrebs beim Menschen deutlich erhöhen kann.

"In Anbetracht der Allgegenwart von Triclosan erwarten wir, dass ein von dieser Chemikalie induzierter Leberkrebs beim Menschen genauso auftreten kann wie bei den Mäusen." Sie halten es daher für sinnvoll, zumindest bei Alltagsprodukten auf diese Chemikalie zu verzichten. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2014; doi: 10.1073/pnas.1419119111)
(PNAS, 19.11.2014 - NPO)
 
Printer IconShare Icon