• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 27.05.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Warum haben Männer oft die bessere Orientierung?

Forscher finden möglichen Grund dafür bei zwei Naturvölkern

Warum haben Männer meist eine bessere räumliche Orientierung als Frauen? Eine Expedition zu zwei Naturvölkern in Namibia liefert eine mögliche Antwort: Die Männer, die die bessere räumliche Vorstellung haben, kommen bei diesen Völkern auch weiter herum – und zeugen daher auch mehr Kinder mit verschiedenen Frauen. Das könnte auch bei unseren Vorfahren so gewesen sein – und den Geschlechtsunterschied bei dieser Fähigkeit erklären, so die Forscher.
Eine Twe-Frau beim Test der räumlichen Vorstellung

Eine Twe-Frau beim Test der räumlichen Vorstellung

Ob beim Computerspiel Tetris, dem Packen eines Kofferraums oder der Orientierung im Gelände: Studien zeigen, dass Männer im Durchschnitt ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen besitzen als Frauen – und das über alle Kulturen hinweg. "Unter den Geschlechtsunterschieden, die man immer wieder in psychologischen Studien findet, sind die räumliche Vorstellung und die Orientierung besonders stark ausgeprägt, bei beiden schneiden Männer besser ab", erklärt Studienleiter Layne Vashro von der University of Utah in Salt Lake City.

Warum hatten Männer mehr Vorteile davon?


Warum das so ist, dazu gibt es schon länger eine Theorie: "Man benötigt einen guten Orientierungssinn, um erfolgreich zu navigieren und das wiederum ist nötig, damit man weite Strecken auch in unbekanntem Gelände zurücklegen kann", erklärt Vashros Kollegin Elizabeth Cashdan. "Die große Frage ist aber, warum das für Männer einen größeren Vorteil haben soll als für Frauen."

Eine Möglichkeit wäre, dass Männer, die weit herumkommen, mehr Chancen hatten, eine Partnerin zu finden und deshalb auch mehr Nachwuchs zeugten. Oder aber dass Jäger, die auch von fern mit Beute zurückfinden, bei den Frauen besser ankamen. Handfeste Belege gibt es jedoch bisher für diese Kette der möglichen Zusammenhänge kaum, wie die Forscher berichten. Sie haben daher die Chance genutzt, dies bei zwei Naturvölkern in Namibia, den Twe und den Tjimba, zu untersuchen.


Die Männer der Twe und Tjimba, die am weitesten herumgekommen waren, hatten auch die meisten Kinder gezeugt.

Die Männer der Twe und Tjimba, die am weitesten herumgekommen waren, hatten auch die meisten Kinder gezeugt.

Besuch bei den Twe und Tjimba


Beide Naturvölker leben halbnomadisch in einer halbtrockenen, bergigen Umwelt. In der Regenzeit bestellen sie Gärten in den Tälern, in der Trockenzeit leben sie in Camps in den Bergen, wo sie sammeln und jagen. "Sie navigieren dabei zu Fuß durch offenes Gelände, wie es viele unserer Vorfahren taten", sagt Vashro. Ein weiterer günstiger Umstand: Affairen und Kinder von verschiedenen Männern oder Frauen sind in diesen Kulturen völlig normal und akzeptiert.

Für ihre Studie testeten die Forscher zunächst, wie gut das räumliche Vorstellungsvermögen bei den Männern und Frauen der Twe und Tjimba ist. Dafür zeigten sie ihnen am Laptop beispielsweise verschieden gedrehte Bilder einer Hand und die Probanden sollten angeben, ob eine rechte oder linke Hand dargestellt war. In einem weiteren Test sollten die Teilnehmer angeben, welches gekippte Glas dem Wasserstand eines stehenden entsprach.

Besser im Test - weiter gewandert


In beiden Tests schnitten die Männer besser ab – was dem typischen Ergebnis für solche Tests entspricht, wie die Forscher berichten. Interessant wurde es, als die Forscher nun ihre Probanden danach fragten, wie viele andere Orte sie im vergangenen Jahr besucht hatten und wie weit sie sich dabei maximal von ihrem Lager entfernt hatten. Wie erwartet waren die Männer weiter herumgekommen als die Frauen.

Aber: Die Männer, die zuvor bei den Rotationstests besonders gut abgeschnitten hatten, waren deutlich weiter herumgekommen als ihre räumlich weniger begabten Geschlechtsgenossen. "Damit haben wir nun den Zusammenhang zwischen dem räumlichen Vorstellungsvermögen und der Größe des Einzugsgebiets hergestellt", sagt Vashro.

Wer weiter herumkommt, hat mehr Kinder


Und auch den nächsten Schritt in der Kette konnten die Forscher nachweisen: Die Männer, die am weitesten gewandert waren, hatten auch mehr Kinder von verschiedenen Frauen – genau das, was man erwarten würde, wenn die Theorie stimmt. "Das ist genau das was an erwarten würde, wenn Sex und Nachkommen die Belohnung für bessere Orientierung und weitere Reisen sind", konstatiert Vashro.

"Damit ist dies das erste Mal, dass jemand die Verbindung belegt hat zwischen räumlichem Vorstellungsvermögen, Navigation, Gebietsgröße und dem Fortpflanzungserfolg." Der größere Erfolg guter Navigatoren bei der Partnerwahl und Fortpflanzung könnte demnach tatsächlich eine der Triebkräfte gewesen sein, die im Laufe der Zeit Männern ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen bescherten als Frauen. (Evolution and Human Behavior, 2014)
(University of Utah, 17.11.2014 - NPO)