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Freitag, 30.09.2016
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Freudentränen schaffen Gefühlsausgleich

Psychologen erklären widersprüchliche negative Reaktionen bei freudigen Anlässen

Heulen vor Freude oder zu Tränen gerührt? Freudentränen scheinen zwar widersprüchlich, haben aber offenbar eine wichtige Funktion: Die negative Reaktion auf ein erfreuliches Ereignis hilft dabei, wieder zu einer ausgeglichenen Gefühlslage zu gelangen, wie US-Psychologen herausgefunden haben. Untersucht haben sie diesen Effekt mit Hilfe von niedlichen Babygesichtern – zusätzlich zum Beschützerinstinkt reagieren darauf viele Menschen mit eigentlich aggressivem Verhalten.
Tränen bedeuten nicht immer Trauer - Freudentränen sind eine scheinbar widersprüchliche Reaktion.

Tränen bedeuten nicht immer Trauer - Freudentränen sind eine scheinbar widersprüchliche Reaktion.

Ein nach langer Zeit wiedervereintes Liebespaar, ein Sportler bei der Medaillenvergabe oder Eltern bei der Geburt eines Kindes – bei solchen Gelegenheiten fließen oft Tränen, die nichts mit Trauer oder Schmerz zu tun haben. Warum wir überhaupt weinen, ist nicht völlig geklärt. Als gesichert gilt aber, dass es vor allem eine Reaktion auf negative Emotionen ist. Warum also lassen auch intensive Glücksmomente Menschen in Tränen ausbrechen oder auf andere Art negativ reagieren?

Widersprüchliche Aggression


Psychologen um Oriana Aragon von der Universität Yale haben solche widersprüchlichen Gefühle anhand der Reaktionen unter anderem auf Bilder freudiger Wiedervereinigungen und Babygesichter untersucht. Bereits der Anblick löst bei den meisten Personen neben positiven Emotionen den Instinkt aus, sich um das Kind zu kümmern. Andererseits reizt ein Baby viele Menschen aber auch zum Kitzeln, Zwicken oder sogar sanftem Beißen – sie finden das Kind "zum Auffressen niedlich". Selbstverständlich geschieht nichts davon mit der Absicht, dem Säugling Schmerzen zuzufügen. Ursprünglich handelt es sich jedoch um aggressives Verhalten, und das steht im Widerspruch zur eigentlichen Fürsorge.

Aragon und ihre Kollegen befragten die Studienteilnehmer über die Art und Intensität ihrer Reaktionen. Dabei zeigte sich: Diejenigen, die auch bei freudigen Ereignissen schnell weinen, hatten auch bei den Babys das größte Bedürfnis, sie in die Wange zu kneifen oder ähnliches. In einer Online-Umfrage mit über 650 Teilnehmern bestätigten die Psychologen dieses Ergebnis. Besonders bei Menschen mit besonders starken positiven Gefühlen schlägt die Reaktion schnell ins umgekehrte um – sie sind von ihren Gefühlen geradezu überwältigt, Freudentränen sind eine der Folgen.


Gefühlsausgleich in beide Richtungen


Als Grund dafür nennt Aragon eine Art emotionalen Ausgleich: "Die Personen stellen mit diesen Gefühlsausbrüchen möglicherweise ihr emotionales Gleichgewicht wieder her." Darauf deutet ein weiteres Ergebnis der Studie hin. Denn Personen, die auch bei Freude nah am Wasser gebaut waren oder die das Baby kneifen wollten, erlangten im Schnitt auch schneller ihr seelisches Gleichgewicht wieder. Gefühlsausbrüche werden offenbar durch diese konträren Reaktionen schneller ausgeglichen und abgedämpft.

Weiterhin vermuten die Forscher, dass dieser ausgleichende Mechanismus auch in die andere Richtung funktioniert: Nervöses Lachen oder trauriges Lächeln sind Beispiele von positiven Reaktionen, die zusammen mit negativen Erlebnissen auftreten können. Aragon zufolge können diese Erkenntnisse dabei helfen, alltägliche Reaktionen zu erklären, die dennoch für viele Menschen unverständlich und manchmal verwirrend sind. (
Psychological Science, 2014
)
(Yale University / Association for Psychological Science, 14.11.2014 - AKR)
 
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