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Dienstag, 06.12.2016
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Waschmittel-Kapseln sind für Kinder gefährlich

US-Studie belegt häufige Vergiftungen bei Kindern unter sechs Jahren

Verlockend bunt und giftig: Waschmittel-Kapseln haben in den zwei Jahren seit ihrer Markteinführung in den USA zu über 17.000 Vergiftungsfällen geführt. Dieses Ergebnis einer Langzeitstudie macht deutlich, wie leicht besonders kleine Kinder die Kapseln mit Süßigkeiten verwechseln. Die Forscher rufen daher Eltern und Hersteller zu einem sicheren Umgang mit derart vordosiertem Flüssigwaschmittel auf.
Hihe Verwechslungsgefahr: Eine Waschmittel-Kapsel und eine von den Forschern nachgemachte Kapsel mit einem Fruchtsaftgetränk konnten Kinder nur schwer unterscheiden.

Hihe Verwechslungsgefahr: Eine Waschmittel-Kapsel und eine von den Forschern nachgemachte Kapsel mit einem Fruchtsaftgetränk konnten Kinder nur schwer unterscheiden.

Waschmittel-Kapseln sind handlich, bunt – und giftig. Hochkonzentriertes Flüssigwaschmittel ist darin vordosiert, so dass sie lediglich in die Waschmaschine geworfen werden müssen, lästiges Dosieren entfällt. Allerdings stellen die bequemen Kapseln ein großes Vergiftungsrisiko für Kinder dar: "Waschmittel-Kapseln können für ein kleines Kind wie Saft oder Süßigkeiten aussehen", erläutert Marcel Casavant vom Nationwide Children's Hospital im US-Bundesstaat Ohio. "Ein Kind braucht nur ein paar Sekunden, um danach zu greifen, sie aufzubrechen, und die giftigen Chemikalien zu verschlucken oder in die Augen zu bekommen."

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte bereits vor einigen Monaten vor der Vergiftungsgefahr. In den USA kamen die Kapseln im Jahr 2012 auf den Markt, aber auch bei uns gibt es sie inzwischen. Mehr und mehr Menschen verwenden daher mittlerweile das handlich verpackte Waschmittel.

Ein vergiftetes Kind pro Stunde


Casavant und seine Kollegen haben die Gefahr durch Waschmittel-Kapseln in einer Langzeitstudie untersucht. Wie sie feststellten, gab es in Jahren 2012 und 2013 bei den US-amerikanischen Giftnotrufzentralen insgesamt über 17.000 Fälle, bei denen Kinder unter sechs Jahren mit Waschmittel aus Kapseln in Kontakt gekommen waren - das entspricht etwa einem Kind pro Stunde. Für durchschnittlich ein Kind pro Tag erforderte die Vergiftung einen Aufenthalt im Krankenhaus, ein Fall endete sogar tödlich, wie die Forscher berichten.


Besonders betroffen sind die Jüngsten: Zwei Drittel der Notrufe betrafen ein- bis zweijährige Kinder. Der Grund: In diesem Alter stecken Kinder noch am häufigsten Dinge in den Mund, während sie ihre Umgebung erkunden. Bei den Waschmittel-Kapseln ist so die Gefahr besonders groß, eine größere Menge des hochkonzentrierten Reinigers zu verschlucken. Entsprechend groß fällt in der Studie auch die Zahl von Waschmittel-Vergiftungen durch Verschlucken aus.

Gegenmaßnahmen und schnelle Hilfe


Die beste Gegenmaßnahme ist, die Kinder gar nicht erst an die bunten Kapseln herankommen zu lassen und Notfälle so zu vermeiden: Die Forscher halten Eltern ausdrücklich dazu an, Waschmittel sicher und außer Sicht aufzubewahren, am besten in einem verschlossenen Schrank. Behälter sollten nach dem Benutzen sofort wieder dicht verschlossen und verstaut werden. Falls ein Kind die Kapseln dennoch einmal in die Finger bekommt, ist unter Umständen schnelle Hilfe nötig. Aus diesem Grund sollten Eltern die Telefonnummern von Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren für den Notfall in ihrem Mobiltelefon speichern und schnell auffindbar in der Nähe von Festnetzapparaten anbringen.

Auch die Hersteller könnten und sollten einen Beitrag leisten, damit die Waschmittel-Kapseln kindersicher sind. Eine US-Firma verpackt beispielsweise ihre Kapseln seit Anfang 2013 blickdicht und mit zusätzlichen Sicherheitsverschlüssen. Bei vielen andere Marken sind die verlockenden bunten Kapseln jedoch nach wie vor in durchsichtigen Behältern allzu leicht erreichbar. Solange es keine allgemeinen Sicherheits-Standards gibt, empfiehlt Studienleiter Gary Smith daher: "Eltern kleiner Kinder sollten traditionelles Waschmittel anstelle von Waschmittel-Kapseln verwenden." Dieses ist weniger konzentriert und dadurch weniger giftig für Kinder, und sieht außerdem weniger verlockend aus.
(Nationwide Children's Hospital, 11.11.2014 - AKR)
 
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