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Samstag, 30.07.2016
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Passivrauchen macht dick

Zigarettenrauch bringt den Stoffwechsel durcheinander und bewirkt Insulinresistenz

Rauchen hält schlank? Eher im Gegenteil: Einer US-Studie an Mäusen zufolge stört Zigarettenrauch den Insulin-Stoffwechsel und lässt die Versuchstiere dadurch sogar zunehmen. Passivraucher sind den Forschern zufolge besonders betroffen. Aber auch einen möglichen Schutz für alle, die unfreiwillig Zigarettenrauch atmen, haben die Forscher bereits entdeckt.
Zigarettenrauch ist besonders für Passivraucher gefährlich, wie eine US-Studie erneut belegt.

Zigarettenrauch ist besonders für Passivraucher gefährlich, wie eine US-Studie erneut belegt.

Dass Rauchen der Gesundheit schadet, ist mittlerweile bekannt. Doch nicht die Raucher selbst sind betroffen: So zeigen Studien, dass Passivrauchen bei Kindern den Blutdruck erhöht und die Gefäße schädigt. Und Versuche mit Mäusen weisen sogar auf Spermienschädigende Wirkung schon nach kurzer Zeit des Passivrauchens hin.

"Für Menschen, die mit einem Raucher zusammenleben, besonders Kinder, ist das zusätzliche Risiko für Herzkreislauf- oder Stoffwechselprobleme gewaltig", sagt Benjamin Bikman von der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah. Er und seine Kollegen wollten daher genauer untersuchen, wie der Zigarettenrauch sich auf den Stoffwechsel und im Speziellen den Insulinhaushalt auswirkt. Zusammenhänge zwischen Insulinresistenz und Übergewicht werden seit einiger Zeit immer wieder diskutiert.

"Wenn Insulin ansteigt, wird mehr Fett produziert"


Im Laborversuch machten die Wissenschaftler darum eine Gruppe von Mäusen zu Passivrauchern und setzten sie täglich einer Dosis Zigarettenrauch aus. Zusätzlich erhielten die Tiere ein fett- und zuckerreiches Futter. Das Ergebnis: Während die ohne Rauch gehaltenen Kontrolltiere ihr Gewicht annähernd hielten, nahmen die passivrauchenden Mäuse deutlich zu. Zudem zeigte sich bei ihnen auch Anzeichen für eine Insulinresistenz, wie die Forscher berichten.


Den Mechanismus hinter diesem Effekt fanden die Wissenschaftler auf der zellulären Ebene: Der eingeatmete Rauch aktiviert in den Zellen der Lunge eine Gruppe kleiner Lipidmoleküle, sogenannter Ceramide. Diese gelangen auch in die Muskeln und bringen dort die Kraftwerke der Zelle, die Mitochondrien, durcheinander. Das führt auch dazu, dass die Zellen schlechter auf Insulin reagieren. "Wenn jemand insulin-resistent wird, benötigt der Körper mehr Insulin. Und sobald das Insulin ansteigt, wird im Körper mehr Fett produziert", erklärt Koautor Paul Reynolds.

Ceramid-Blocker als Schutz für Passivraucher?


In einem Folgeexperiment fanden die Forscher jedoch auch ein Gegenmittel: Wenn sie die verantwortlichen Ceramide mit einem Mittel namens Myriocin blockierten, nahmen die Mäuse nicht mehr zu und hatten auch keine anderen Stoffwechselprobleme. Dies funktionierte allerdings nicht mehr, sobald die Mäuse neben dem Passiv-Zigarettenrauch auch eine zuckerreiche Diät erhielten.

Die Wissenschaftler forschen nun nach einem Ceramid-Blocker, der auch für Menschen sicher ist. "Die Vorstellung, dass es eine Therapie geben könnte, mit der wir Unbeteiligte vor den Konsequenzen des Zusammenwohnens mit einem Raucher schützen können, ist ziemlich erfreulich", sagt Reynolds.

Was die Raucher selbst betrifft, hat Bikman ebenfalls einen Rat: "Sie müssen bloß aufhören", sagt der Wissenschaftler. "Vielleicht liefert ihnen unsere Forschung eine zusätzliche Motivation, wenn sie von den zusätzlichen schädlichen Effekten für ihre Angehörigen lernen." (American Journal of Physiology: Endocrinology and Metabolism, 2014; doi: 10.1152/ajpendo.00258.2014)
(Brigham Young University, 05.11.2014 - AKR)