• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 25.08.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Dicke Luft an Fracking-Standorten

Proben zeigen vielfach erhöhte Werte von Benzol, Formaldehyd und Schwefelwasserstoff

Nach Wasser und Boden jetzt auch die Luft: In der Nähe von US-Fracking-Standorten haben Forscher teilweise enorm erhöhte Werte von Luftschadstoffen gemessen. Vor allem Benzol, Formaldehyd und Schwefelwasserstoff lagen bei der Hälfte der Proben um ein Vielfaches über den Grenz- oder Hintergrundwerten, wie die Forscher im Fachmagazin Environmental Health" berichten.
Gasförderbrunnen in einem Frackinggebiet der USA

Gasförderbrunnen in einem Frackinggebiet der USA

Die Förderung von unkonventionellen Gas- und Ölvorkommen sorgt weltweit für Diskussionen. Den vor allem bei der Erdgasgewinnung durch Fracking mehren sich Berichte über die Kontamination von Wasser und Böden durch austretende Frackflüssigkeit und aus undichten Bohrlöchern entweichendes Methangas. Welche Folgen das Fracking und die unkonventionelle Ölförderung für die Luftgüte haben, ist bisher jedoch deutlich weniger gut untersucht.

Luftproben von Fracking-Anliegern


"Wir haben die Luftqualität nun in einem zuvor vernachlässigten Maßstab untersucht: Auf der Ebene der Kommunen, die nahe von ÖL- und Gasförderanlagen liegen", erklärt Studienleiter David Carpenter von der University at Albany in New York. Dafür wiesen sie die Einwohner von elf Orten in fünf Bundesstaaten an, immer dann Luftproben zu nehmen, wenn an den Anlagen starke Aktivität herrschte oder wenn sie gesundheitliche Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit verspürten. Zusätzlich wurde die Luftgüte durch 41 passive Messstationen ermittelt.

Die Auswertung ergab Alarmierendes: Knapp die Hälfte aller Proben enthielten Schadstoffkonzentrationen, die deutlich über den Grenzwerten der US-Umweltbehörde EPA und der US-Agentur für Gifte lagen. Vor allem die Werte von Benzol, Formaldehyd und Schwefelwasserstoff waren stark erhöht, wie die Forscher berichten.


Benzol bis 770.000-fach erhöht


Beim Benzol lagen die gemessenen Konzentrationen zwischen 35 und 770.000-fach über den normalen Hintergrundwerten. "Die Belastung, die man in fünf Minuten an einer der Orte in Wyoming bekommt, entspricht der von zwei Jahren Aufenthalt in Los Angeles oder acht Monaten in Peking", erklären die Forscher. Benzol gilt als krebserregend.

Ebenfalls erhöht waren die Werte für Formaldehyd, dass in hohen Dosen als krebserregend gilt und zu Reizungen der Atemwege führen kann. Von diesem lagen die Werte bei 14 der 41 Messstationen zwischen 30 und 240-fach über den normalen Hintergrundwerten, wie die Forscher berichten. Der nach faulen Eiern riechende Schwefelwasserstoff erreichte sogar bis zu 60.000-fach höhere Konzentrationen als in normaler Atemluft. Solche Werte können nach Angaben der US-Giftagentur bereits nach einer Stunde Exposition Reizungen der Augen und Schleimhäute hervorrufen und Erschöpfung, Schwindel, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit.

Worst-Case-Beispiele


"Dieses Monitoring in der Nähe von unkonventionellen Gas- und Ölförderanlagen hat gefährlich erhöhte Werte von Luftschadstoffen unter verschiedenen Umständen ergeben", sagt Carpenter. Das sei Anlass zur Sorge. Die Forscher betonen aber auch, dass solche Messungen zwangsläufig nur eine Stichprobe sein können – es wurden nur wenige von tausenden Fracking-Standorten beprobt. Zudem repräsentieren die Messungen eher ein "Worst-Case" als einen langfristigen Durchschnitt, weil die Bewohner immer dann Proben nahmen, wenn sie etwas spürten oder die Förderaktivität hoch war. ( Environmental Health, 2014)
(BioMed Central, 30.10.2014 - NPO)
 
Printer IconShare Icon