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Montag, 05.12.2016
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Wie gesund ist Milch wirklich?

Studie weist mehr Knochenbrüche und früheren Tod bei hohem Milchkonsum nach

Milch ist gesund – oder doch nicht? Eine schwedische Studie wirft kein gutes Licht auf das Getränk: Personen, die jahrelang viel Milch tranken, hatten keine gesünderen Knochen als Wenigtrinker. Gleichzeitig war ihr Risiko, früher zu sterben sogar erhöht, wie die Forscher im Fachmagazin "British Medical Journal" berichten. Ein möglicher Grund für diese überraschend negative Wirkung: Milchzucker kann Entzündungen fördern und oxidativen Stress verursachen.
Milch galt bisher als gut für die Knochengesundheit

Milch galt bisher als gut für die Knochengesundheit

Milch galt bisher als wertvoller Lieferant für Kalzium und als probates Mittel, um die Knochen zu stärken und beispielsweise einer Osteoporose vorzubeugen. "Milch enthält 18 von 22 essenziellen Nährstoffen, die für das Skelett wichtig sind, darunter Kalzium, Phosphor und Vitamin D", erklären Karl Michaëlsson von der Universität Uppsala und seine Kollegen. Das Trinken von drei bis vier Gläsern Milch pro Tag könnte – so glaubte man bisher – das Auftreten von Osteoporose immerhin so stark senken, dass den Gesundheitssystemen rund 20 Prozent Kosten erspart werden.

100.000 Teilnehmer und 20 Jahre Dauer


Ob dies wirklich das Fall ist, haben Michaëlsson und seine Kollegen nun in der bisher größten Kohortenstudie dazu getestet. Dafür verfolgten sie den gesundheitlichen Werdegang von 61.433 schwedischen Frauen und 45.339 Männern zwischen 39 und 74 Jahren. Alle Teilnehmer wurden ausführlich zu ihrer Ernährung und auch ihrem Konsum von Milch und Milchprodukten befragt und medizinisch untersucht. Für die Auswertung ermittelten die Forscher, wie viele Teilnehmer im Laufe der 20 Jahre Studiendauer Knochenbrüche erlitten und wie viele starben und ob es dabei Unterschiede bei viel oder wenig Milchtrinkern gab.

Mehr Hüftfrakturen, höhere Mortalität


Das Ergebnis überraschte: Statt eines positiven Effekts der Milch auf die Knochengesundheit fanden die Forscher eine eher gegenteilige Wirkung: Die Frauen, die pro Tag drei Becher Milch und mehr getrunken hatten, hatten sogar ein höheres Risiko, sich die Hüfte zu brechen als diejenigen, die weniger als ein Glas Milch pro Tag konsumierten. Auch die Todesrate war bei milchtrinkenden Frauen und Männern erhöht. "Wir haben eine dosisabhängige Beziehung von Milchkonsum mit Mortalität und Frakturen bei Frauen und von Mortalität bei Männern festgestellt", so die Forscher.


Untersuchungen der Blutwerte gaben auch einen Hinweis darauf, warum zu viel Milch sogar eher schädlich zu sein scheint: Die Vielmilchtrinker hatten höhere Biomarker für Entzündungen und oxidativen Stress im Blut, wie die Forscher berichten. Teilnehmer, die wenig Milch, aber viele fermentierte Milchprodukte wie Joghurt oder Käse zu sich nahmen, zeigten diese Erhöhung jedoch nicht.

Zucker aus der Milch schuld?


"Eine Erklärung für diese diskrepanten Ergebnisse könnte der Zuckergehalt der Milch sein", erklären Michaëlsson und seine Kollegen. Die in Milch enthaltene Laktose wird im Körper zu D-Galactose umgewandelt – pro Glas Milch in ungefähr fünf Milligramm dieses Zuckers. Experimente zeigen, dass Mäuse, Ratten und Taufliegen, die D-Galactose erhalten, vorzeitig altern und früher sterben – verursacht durch erhöhten oxidativen Stress und Entzündungen.

"Unsere Ergebnisse stellen die bisherigen Empfehlungen in Frage, nach denen ein höherer Milchkonsum Schwächebrüchen der Knochen vorbeugen kann", konstatiert Michaëlsson. Allerdings räumen die Forscher ein, dass ihre Studie trotz der hohen Teilnehmerzahl nur statistische Zusammenhänge festgestellt hat – ob es tatsächlich eine ursächliche Beziehung zwischen der erhöhten Mortalität und dem Milchkonsum gibt, muss nun erst noch in Folgestudien genauer erforscht werden.

In jedem Fall scheint klar: Auch wenn die pure Milch möglicherweise nicht so gesund ist, wie wir es bisher angenommen haben. Milchprodukte wie Joghurt und Käse bleiben wertvolle Kalziumlieferanten – ohne viel Laktose. (British Medical Journal, 2014; doi: 10.1136/bmj.g6015)
(BMJ-British Medical Journal, 30.10.2014 - NPO)
 
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