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Sonntag, 26.06.2016
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Kalorien: Unser Gehirn zählt mit

Der interne Kalorienzähler weiß mehr als wir glauben und beeinflusst unsere Snack-Wahl

Fatale Lust am Gehaltvollen: In unserm Gehirn gibt es ein Areal, das genau weiß, wie nahrhaft eine Speise ist. Selbst wenn wir in unserer bewussten Kalorienschätzung komplett daneben liegen, signalisiert die Aktivität in diesem Areal den wahren Nährwert. Dumm nur: Je stärker dieser interne Kalorienzähler ausschlägt, desto mehr Lust bekommen wir auf diese Speise. Das könnte erklären, warum es so schwer fällt, Kalorienbomben zu widerstehen.
Unser Gehirn weiß, dass dies ziemlich kalorienhaltig ist - selbst wenn wir den Snack völlig falsch einschätzen.

Unser Gehirn weiß, dass dies ziemlich kalorienhaltig ist - selbst wenn wir den Snack völlig falsch einschätzen.

Wer eine Diät einhalten will, weiß wie schwer es ist, den Verlockungen von Pizza, Nudeln, Chips, Süßigkeiten und anderen Kalorienbomben zu widerstehen. Und selbst wenn wir wissen, dass sie gehaltvoll sind, greifen wir oft trotzdem zu. Vor allem Kinder und Jugendliche haben dieses Problem, denn die Kalorienbomben stehen meist ganz oben auf ihrer Hitliste der beliebtesten Speisen. "Frühere Studien haben bestätigt, dass Kinder und Jugendliche dazu neigen, kalorienreiche Lebensmittel auszuwählen", erklärt Alain Dagher vom Montreal Neurological Institute and Hospital.

Kontrolliert wird die Auswahl dabei vor allem von vergangenen Erfahrungen: Was gut schmeckt und ein Wohlgefühl auslöst, das wird wieder gekauft. Leider allerdings trifft genau dies auf die gehaltvollsten Nahrungsmittel zu. Die große Frage ist jedoch, ob eine bessere Aufklärung über den Kaloriengehalt der Produkte helfen kann, diese Vorlieben zu verändern.

Gehirn liegt richtig, Proband falsch


Um das herauszufinden, untersuchten Dagher und seine Kollegen, wie das Wissen um den Kaloriengehalt die Hirnregionen beeinflusst, die die Auswahl des Essens kontrollieren. Für ihre Studie zeigten sie 29 Kindern und Jugendlichen Fotos von 50 verschiedenen Snacks und Nahrungsmitteln. Die jungen Probanden sollten auf einer Skala von 1 bis 20 angeben, wie sehr sie diese Speise mochten und deren Kaloriengehalt einschätzen.


Das Ergebnis: Die Jugendlichen lagen bei den meisten Nahrungsmitteln überraschend weit daneben, wenn es um den Kaloriengehalt ging. Interessanterweise aber enthüllten Hirnscans, dass ihr Gehirn sich weniger täuschen ließ: Der Teil des präfrontalen Cortex, der den Wert verschiedener Reize beurteilt, sprang immer dann besonders stark an, wenn die Nahrungsmittel sehr kalorienreich waren – egal wie die Jugendlichen diese in ihrer bewussten Einstufung einschätzten.

Fatale Verknüpfung: nahrhaft = lecker


Offenbar weiß unser Gehirn demnach sehr wohl, wie reichhaltig ein Nahrungsmittel ist – selbst wenn wir das bewusst nicht zu wissen glauben. Dass es einen solchen Kalorienzähler im Gehirn gibt, bestätigte auch eine Versuchsvariante. Dabei durften die jungen Probanden in einer Auktion mitbieten, um den von ihnen präferierten Snack zu bekommen. Dabei zeigte: Die Jugendlichen boten nicht bei den Nahrungsmitteln am meisten, die auch den höchsten Kaloriengehalt hatten – unabhängig davon, wie hoch sie selbst den Nährwert einschätzten.

Das aber könnte bedeuten, dass eine Aufklärung über den Kaloriengehalt nur bedingt etwas bringt. Denn zum einen weiß der interne Kalorienzähler zumindest bei vertrauten Speisen ohnehin schon Bescheid. Zum anderen aber verknüpft das Gehirn zumindest bei vielen Jugendlichen einen hohen Brennwert automatisch mit hohem Genuss: nahrhaft = lecker. Um diese Verknüpfung zu lösen, bedarf es allerdings sicher mehr als nur das Wissen um die Kalorienzahl. (Psychological Science, 2014; doi:10.1177/0956797614552081)
(Association for Psychological Science, 24.10.2014 - NPO)