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Montag, 26.09.2016
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Stegosaurus: Sieg durch tödlichen Schwanzschlag

Der schwerfällige Pflanzenfresser besiegte einen deutlich größeren Allosaurus im Kampf

Tödlicher Schwanz: Der vor 150 Millionen Jahren lebende Stegosaurus war wehrhafter als gedacht. Ein Fossilfund belegt, dass er im Kampf sogar den größten Fleischfresser seiner Zeit besiegte, einen Allosaurus. Ein gezielter Schlag mit den Dornenschwanz verletzte den Raubsaurier am Hüftknochen so schwer, dass er daran zugrunde ging, wie US-Paläontologen berichten. Die Wunde demonstriert, wie wendig der Stegosaurus seinen gefährlichen Schwanz einsetzte.
Der Stegosaurus: Kleiner Kopf, mächtiger Körper und dornenbewehrter Schwanz.

Der Stegosaurus: Kleiner Kopf, mächtiger Körper und dornenbewehrter Schwanz.

Der vor rund 150 Millionen Jahren lebende Stegosaurus gehört zu den bekanntesten Dinosauriern überhaupt, galt aber bisher eher als schwerfälliger Pflanzenfresser: Er wurde bis zu neun Meter lang und war massig gebaut, auf seinem Rücken trug er mächtige Knochenplatten, deren Funktion bisher unklar ist. Sein Hirn allerdings war nicht größer war als das eines Hundes. Typisch für den Stegosaurus ist zudem seine Haltung mit gesenktem kleinen Kopf und eher hoch getragenem, dornenbewehrtem Schwanz. Dass der Schwanz dem Stegosaurus zur Verteidigung diente, vermutete man schon länger.

Hüftknochen durchbohrt


Wie effektiv diese Abwehrwaffe aber tatsächlich war, das belegt jetzt ein Fossilfund. Robert Bakker vom Houston Museum of Natural Science und seine Kollegen hatten die Knochen eines Allosaurus – eines bis zu zwölf Meter langen Raubsauriers untersucht, als sie auf eine auffällige Verletzung stießen: Der Hüftknochen des Fleischfressers war durchbohrt – für den Dinosaurier war dies eine tödliche Wunde, wie die Forscher berichten.

Fossiler Hüftknochen des Allosaurus mit der schweren Verletzung

Fossiler Hüftknochen des Allosaurus mit der schweren Verletzung

"Eine massive Infektion fraß damals ein Baseball-großes Loch in den Knochen", berichtet Bakker. Das ist unter anderem an der Zerstörung des Knochens und an umgebenden Verformungen zu erkennen. "Diese Infektion breitete sich in angrenzende Weichteile wie Beinmuskeln, Darm und Fortpflanzungsorgane aus." Da es keine Hinweise auf ein Abheilen dieser Verletzungen gibt, muss der Allosaurus an dieser Wunde gestorben sein.


Schwanzschlag des Stegosaurus


Wer aber fügte dem wehrhaften Fleischfresser diese tödliche Verletzung zu? Nach Angaben der Forscher spricht die konisch zulaufende Form der Knochenwunde dafür, dass ein Horn den Hüftknochen des Allosaurus durchbohrte. Ähnliche Wunden finden sich bei Pferden oder Cowboys, wenn diese bei einem Rodeo durch ein Rinderhorn verletzt wurden, wie Bakker erklärt. Zu Lebzeiten des Allosaurus kam dafür vor allem ein Gegner in Frage: der Stegosaurus.

Kampf der Gigantne: Der Stegosaurus versetzt dem Allosaurus den tödlichen Schlag mit dem Schwanz.

Kampf der Gigantne: Der Stegosaurus versetzt dem Allosaurus den tödlichen Schlag mit dem Schwanz.

Nach Ansicht der Paläontologen muss ein Stegosaurus dem Raubsaurier im Kampf einen heftigen Schlag mit seinem dornbewehrten Schwanz verpasst haben. Dabei eine solche Wucht zu entfalten und die Hüfte von schräg unten zu treffen, erforderte allerdings große Kraft und Geschicklichkeit. Doch genau dies könnte der Stegosaurus besessen haben, denn sein Schwanz war anders aufgebaut als der der meisten anderen Dinosaurier, wie Bakker erklärt.

Beweglich wie der Schwanz eines Affen"


"Die Stegosaurier hatten keine blockierenden Gelenke im Schwanz, er war stattdessen beweglich wie der Schwanz eines Affen", sagt Bakker. Zudem reichten massive Muskelpakete bis in die Schwanzspitze, so dass er in allen Dimensionen kontrolliert beweglich war. "Sie waren für den dreidimensionalen Kampf wie gemacht", so der Paläontologe.

Um dem Allosaurus die tödliche Wunde zuzufügen, bewegte der Stegosaurus seinen Schwanz wahrscheinlich erst unter dessen Körper. Dann drehte er die Schwanzspitze so, dass die normalerweise nach außen und hinten gerichteten Dornen nach oben zeigten und schlug damit zu. Wie stark er selbst dabei verletzt wurde, ist nicht klar. "Ich glaube aber, dass der Stegosaurus diesen Kampf gewonnen hat", sagt Bakker. Trotz ihres kleinen Hirns und eher schwerfälligen Gangs waren die Stegosaurier demnach durchaus ebenbürtige Gegner für die großen Fleischfresser ihrer Zeit.
(Geological Society of America, 22.10.2014 - NPO)
 
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