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Freitag, 30.09.2016
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Wie gut sind deutsche Flughäfen auf Ebola vorbereitet?

So soll die Ausbreitung durch einreisende Passagiere verhindert werden

Schutz vor der Ebola-Epidemie? Flughäfen in Deutschland sollen bereits auf das Eintreffen möglicher Ebola-Verdachtsfälle vorbereitet sein – so heißt es jedenfalls: Detaillierte Notfallpläne und medizinische Kapazitäten stünden bereit. Möglicherweise infizierte Reisende sollen dadurch in Deutschland bereits am Flughafen erkannt und in Quarantäne gebracht werden.
Flugzeug auf dem Rollfeld des Flughafens Düsseldorf - einer der deutschen Flughäfen mit Kernkapazitäten im Ebola-Verdachtsfall.

Flugzeug auf dem Rollfeld des Flughafens Düsseldorf - einer der deutschen Flughäfen mit Kernkapazitäten im Ebola-Verdachtsfall.

Ein Ende der Ebola-Epidemie in Westafrika ist nicht abzusehen. Über ausgeflogene Patienten gibt es mittlerweile auch außerhalb Afrikas die ersten Infektionsfälle: Sowohl in Spanien als auch in den USA steckten sich Krankenpflegerinnen beim Kontakt mit Ebola-Patienten an. Die Sorge darüber, wie gut vorbereitet auf solche Fälle die angeblich bestens abgesicherten Industrienationen tatsächlich sind, wächst auch in Deutschland.

Medizinische Maßnahmen bei der Einreise


Als besonderes Risiko gilt bereits die Einreise von möglicherweise infizierten Personen. An Flughäfen sollen daher besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten. Die deutschen Flughäfen sind laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) auf den Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen gut vorbereitet: Gemäß den Vorschriften der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen in Deutschland fünf Flughäfen - Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und zukünftig Berlin (BER) - sogenannte Kernkapazitäten bereitstellen.

Das Ebola-Virus hat Europa erreicht

Das Ebola-Virus hat Europa erreicht

Sollte das Personal in einem Passagierflugzeug einen Ebola-Verdachtsfall feststellen, meldet der Pilot dies der Flugsicherung. Das Flugzeug wird dann zu einem dieser fünf Flughäfen umgeleitet. Das Flugzeug wird nach der Landung auf einer Sonderposition geparkt. Speziell geschultes medizinisches Personal überprüft dann die Reisenden. Nach dem "Frankfurter Modell" erhält der möglicherweise mit Ebola infizierte Passagier den Status "rot". Ein Spezialfahrzeug bringt diesen Patienten direkt in eine Sonderisolierstation.


Status rot, gelb oder grün


Die restlichen Fluggäste erhalten entweder den Status "gelb" oder "grün". Als "gelb" gelten dabei Passagiere, die näheren Kontakt mit dem möglicherweise Infizierten hatten – nach dem Ermessen der zuständigen Mediziner werden sie ebenfalls zunächst unter Quarantäne gestellt. Alle anderen erhalten detailliertes Informationsmaterial und können sofort nach Hause. Damit kein weiterer Kontakt zwischen den unterschiedlichen Gruppen besteht, transportieren gelbe und grüne Busse die Reisenden getrennt voneinander vom Flugfeld in unterschiedliche Räume auf dem Flughafengelände.

Infrarot-Fieberthermometer zur Temperaturmessung ohne Körperkontakt.

Infrarot-Fieberthermometer zur Temperaturmessung ohne Körperkontakt.

In den USA setzen die Gesundheitsbehörden auf das sogenannte Thermoscreening: Mit Infrarot-Thermometern werden Flugreisende aus Ebola-Risikogebieten auf Fieber überprüft. Darauf will man hierzulande jedoch verzichten: "Der Aufwand bei der Umsetzung der massenhaften Temperaturmessung an einreisenden Passagieren ist extrem hoch", erklärt Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV.

Kein massenhaftes Fiebermessen


Vor allem die geringe Erfolgsrate spreche gegen diesen aufwändigen Ansatz: Schon bei der SARS-Epidemie in Asien habe sich gezeigt, dass der Nutzen des massenhaften Fiebermessens sehr zweifelhaft sei, so die ADV. Theoretisch reicht schließlich schon ein einfaches fiebersenkendes Medikament, und ein erkrankter Passagier fällt bei der Temperaturkontrolle nicht mehr auf. Im Falle von Ebola zeigen Infizierte außerdem während der Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen keinerlei Symptome. Sowohl das deutsche Robert-Koch-Institut als auch die WHO empfehlen das Thermoscreening daher nicht.

Notfallpläne für den Umgang mit gefährlichen Infektionen auf deutschen Flughäfen existieren bereits seit Jahren, sie werden aber kontinuierlich anhand von neuen Erkenntnissen und Vorschriften der WHO weiterentwickelt. Zuständig sind die jeweiligen Bundesländer. In der Vergangenheit hat sich dieses Konzept bereits mehrfach bewährt, so etwa bei der SARS-Epidemie von 2003, einem Fall von Lassafieber im Jahr 2006 oder bei der Ausbreitung der Schweinegrippe 2009. Wesentlich wirkungsvoller als alle Maßnahmen am Zielflughafen seien der ADV zufolge jedoch Schutzvorkehrungen bereits in den Ebola-Krisenregionen, "also bevor ein möglicherweise infizierter Passagier überhaupt in ein Flugzeug einsteigen kann".
(Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, 13.10.2014 - AKR)
 
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