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Donnerstag, 29.09.2016
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Ebola hat Europa erreicht

Erster Fall einer Ansteckung in Spanien weckt Zweifel an Sicherheit

Von wegen bessere Hygienestandards: Der erste Fall einer Ebola-Infektion innerhalb Europas belegt, dass auch hiesige Gesundheitssysteme nicht unbedingt gegen die Seuche gerüstet sind. Eine Krankenschwester hatte sich beim Umgang mit einem Ebolapatienten in einer Madrider Klinik angesteckt. Inzwischen stehen weitere Personen unter Beobachtung. Mitarbeiter des Krankenhauses protestieren gegen unzureichende Schutzausrüstung und Aufklärung.
Das Ebola-Virus hat Europa erreicht

Das Ebola-Virus hat Europa erreicht

Den Anfang machte der 69-jährige spanische Missionar Manuel García Viejo, der aus Sierra Leone nach Spanien zurückgebracht wurde, weil er an Ebola erkrankt war. Im Madrider Krankenhaus Carlos III. wurde er ab dem 20. September auf einer Isolierstation behandelt, bis er vier Tage später dem hämorrhagischen Fieber erlag. Trotz des hochansteckenden Virus schien soweit alles regulär zu verlaufen.

Erst Urlaub, dann Fieber


Doch das war ein Irrtum, wie sich am 30. September herausstellte: Eine der Krankenschwestern, die den Raum des Patienten nur zwei Mal mit entsprechender Schutzkleidung betreten hatte, ist inzwischen ebenfalls an Ebola erkrankt. Wie es zu dieser Ansteckung kommen konnte, ist bis heute unklar. Klar scheint nur, dass trotz der Beteuerungen, bestens für den Umgang mit Ebola gerüstet zu sein, in Spanien einiges schief lief.

So konnte die Krankenschwester Theresa Romero einen Tag nach dem Tod des Patienten ungehindert in Urlaub fahren. Sie selbst war es, die während dieser Zeit regelmäßig Fieber gemessen haben soll, um ihren Gesundheitszustand zu überprüfen. Als sie dann bei sich Fieber feststellte, informierte sie die Gesundheitsbehörden und stellte sich mit mittlerweile hohem Fieber in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Alcorcón, einem Vorort von Madrid vor.


Wie vorschriftsmäßig die Schutzanzüge im Madrider Krankenhaus waren, ist strittig

Wie vorschriftsmäßig die Schutzanzüge im Madrider Krankenhaus waren, ist strittig

Nur durch einen Vorhang von anderen Patienten getrennt


Wie die spanische Zeitung El Mundo berichtet, musste die Krankenschwester selbst mehrfach darum bitten, auf Ebola hin getestet zu werden, bis dies dann endlich durchgeführt wurde. Während das medizinische Personal der Notaufnahme auf das Ergebnis der Tests wartete, lag die Patientin weiter in einem normalen Bett in der Notaufnahme, nur durch einen Vorhang von anderen Patienten getrennt, heißt es.

Spanische Behörden dementieren dies allerdings, ihrer Version nach soll die Krankenschwester vom ersten Moment an isoliert worden sein. Nachdem die Tests dann tatsächlich Ebola ergaben, wurde die Patientin in das Madrider Carlos III. Hospital verlegt – in die Isolierstation, auf der sie sich zuvor angesteckt hatte.

"Offensichtlich ein Problem"


Wie sich die Krankenschwester trotz der strengen Sicherheitsmaßnahmen und Schutzanzüge anstecken konnte, ist bislang ungeklärt. Der Sprecher der EU-Kommission Frédéric Vincent, forderte am Dienstag, 07.10. umgehend Aufklärung darüber, wie dies möglich gewesen sein konnte. "Es gibt offensichtlich irgendwo ein Problem", so Vincent.

Die spanischen Behörden betonten jedoch, dass das medizinische Personal, das Ebolapatienten behandele, immer den vorgeschrieben WHO-Protokollen folge. Dem widersprechen jedoch Mitarbeiter des Krankenhauses, die seit Bekanntwerden des Ebolafalles für mehr Transparenz und protestieren und den Rücktritt der spanischen Gesundheitsministerin Ana Mato fordern.

Die erste Ebola-Ansteckung in Spanien weckt Besorgnis


Anzüge nicht sicher genug?


Wie Krankhausangestellte gegenüber der Zeitung EL País berichteten, hätten die eingesetzten Schutzanzüge nicht dem WHO-Standard entsprochen. Die Latex-Handschuhe habe man behelfsmäßig mit Klebeband am Anzug befestigt, von einer Undurchlässigkeit könne keine Rede sein. Auch ein Atemgerät, wie es für den Umgang mit hoch kontaminierten Objekten und Patienten empfohlen werde, habe es nicht gegeben.

Inzwischen wurde auch der Ehemann der Krankenschwester unter Quarantäne gestellt, eine weitere medizinische Angestellte hat sich inzwischen als nicht infiziert erwiesen. Die Behörden sind zudem dabei, alle Kontaktpersonen der Patientin unter Beobachtung zu stellen, bisher sind dies 22 Personen.

Die Hilflosigkeit im Umgang mit der Seuche zeigt auch dies: Der Hund der erkrankten Krankenschwester, der in deren Wohnung isoliert ist, soll nun offenbar getötet werden, weil er das Virus in sich tragen und andere Menschen anstecken könnte. Javier Romero, der Ehemann der Patientin protestierte dagegen und appellierte an die Behörden via Facebook, den Hund nur unter Quarantäne zu stellen. Doch die Behörden bleiben bisher bei ihrem Entschluss.

Ist Europa wirklich vorbereitet?


Nach wie vor ist strittig, wie gut vorbereitet und gerüstet die Krankenhäuser in Europa tatsächlich für eine so hochansteckende Seuche wie Ebola sind. Die Regionaldirektorin der WHO, Zsuzsanna Jakab, betonte gestern gegenüber der Agentur Reuters: "Vor allem der westliche Teil der europäischen Region ist weltweit am besten darauf vorbereitet, auf virale hämorrhagische Fieber wie Ebola zu reagieren." Wenn die Vorfälle in Spanien dafür ein Beispiel sein sollen, dann trägt dies allerdings nicht gerade zur Beruhigung bei.

Unterdessen ist ein weiterer Ebolafall aus Westafrika nach Europa zu Behandlung eingeflogen worden: In Oslo liegt eine norwegische Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen auf der Isolierstation, die sich in Sierra Leone mit Ebola angesteckt hatte. Sie soll nun nach Angaben der Tagesschau die weltweit letzte verfügbare Dosis des experimentellen Antikörper-Mittels "Zmapp" erhalten.

Mehr Informationen und Updates zu Ebola finden Sie in unserem Special: Ebola - eine Seuche breitet sich aus
(Guardian, Tagesschau, EL Pais, Euronews, , 08.10.2014 - NPO)
 
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