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Dienstag, 06.12.2016
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Warum unsere Gesichter einzigartig sind

Der ungewöhnlich große Variantenreichtum der menschlichen Gesichtszüge ist kein Zufall

Unser Gesicht ist so individuell und einzigartig wie unsere Persönlichkeit. Kein anderes Tier verfügt über einen so großen Variantenreichtum der Gesichtszüge. Aber warum? Wie US-Forscher herausgefunden haben, ist diese Einzigartigkeit kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gezielten Selektion: Weil es schon für unsere Vorfahren wichtig war, Bekannte wiederzuerkennen, förderte dies eine ungewöhnlich große Vielfalt und Variabilität der Gesichtszüge, wie die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications" berichten.
Jedes Gesicht ist anders - eine ganz individuelle Kombination von Merkmalen

Jedes Gesicht ist anders - eine ganz individuelle Kombination von Merkmalen

Gesichter sind entscheidend: An ihnen unterscheiden wir Freunde und Verwandte von Fremden und sie helfen uns einzuschätzen, was für eine Persönlichkeit jemand besitzt. Wenn es um den ersten Eindruck geht, dann ist es in der Regel das Gesicht, das über Sympathie oder Antipathie entscheidet. "Menschen sind phänomenal gut darin, Gesichter zu erkennen, wir haben sogar ein eigenes Hirnareal dafür", erklärt Michael Sheehan von der University of California in Berkeley.

Das Ganze funktioniert aber nur deshalb so gut, weil wir Menschen auch eine so große Vielfalt verschiedener Gesichtsmerkmale haben. Ob diese individuellen Unterschiede aber reiner Zufall sind, oder ob sich im Laufe der Evolution bei uns tatsächlich eine ungewöhnlich große Vielfalt der Gesichter ausgebildet hat, war bisher strittig. Sheehan und sein Kollege Michael Nachman haben dies daher genauer untersucht.

Auffallend vielseitig


Für ihre Studie verglichen sie zunächst, ob einzelne Merkmale des Gesichts stärker variabel sind als die anderer Körperteile. Dafür vermaßen sie 18 Gesichtszüge und 46 andere Körpermerkmale bei mehr als 1.500 Menschen europäischer und afrikanischer Herkunft. Tatsächlich zeigte sich dabei, dass die Gesichtszüge nicht nur viel vielseitiger sind als andere Merkmale, sie variieren auch sehr viel unabhängiger von anderen Merkmalen.


"Die Gesichtszüge zeigen weniger starke Korrelationen als die Merkmale des Körpers", erklären die Forscher. So sind Länge und Breite der Hand meist korreliert: Eine lange Hand ist meist auch breiter. Bei Menschen mit einer langen Nase kann diese dagegen breit oder schmal sein, krumm oder gerade und auch die Augen können zahlreiche Merkmale kombinieren, ohne dass sich es einen Zusammenhang zu anderen Merkmalen gibt.

Selbst in der Masse ist jedes Gesicht anders und einzigartig

Selbst in der Masse ist jedes Gesicht anders und einzigartig

Ungewöhnliche viele Genvarianten


Gestützt wird dies durch genetische Analysen der Wissenschaftler: Sie zeigen, dass es von den Genen, die unsere Gesichtszüge beeinflussen, tatsächlich auch viel mehr Varianten gibt als von anderen Merkmalen oder Merkmalskombinationen. Und auch das ist nach Ansicht der Forscher ein klares Zeichen dafür, dass diese Vielfalt nützlich ist:

"Genetische Varianten werden im Laufe der Evolution normalerweise herausselektiert, so dass nur diejenigen übrigbleiben, die für das Überleben essenziell sind", erklärt Nachman. "Hier aber ist es umgekehrt: Die Selektion hat die große Vielfalt erhalten." Das spreche dafür, dass die Wiederkennbarkeit und Individualität unserer Gesichtszüge schon immer eine wichtige Rolle für uns spielte.

Selektion zur Einzigartigkeit


Diese ungewöhnliche Variabilität ist nach Ansicht der Forscher ein klares Zeichen dafür, dass nicht der Zufall, sondern eine gezielte Selektion unsere Gesichter-Vielfalt hervorgebracht hat. "Wir Menschen haben uns darauf hin entwickelt, jeweils einzigartig und leicht erkennbar zu sein", sagt Sheehan. "Denn es ist ein klarer Vorteil, wenn ich andere wiedererkenne, aber auch wichtig, dass andere wiederum mich leicht als Bekannten identifizieren können."

Demnach hat unsere Sozialstruktur – das Zusammenleben in größeren Gruppen – letztlich auch unser Aussehen geprägt. Denn weil unsere Vorfahren darauf angewiesen waren, sich wiederzuerkennen und genau zu wissen, wer wer ist, verstärkte sich die Vielfalt unserer individuellen Gesichtszüge. Dieser Selektion hin zu einzigartigem Aussehen begann sogar schon bei den gemeinsamen Vorfahren von Neandertaler, Denisova-Menschen und dem Homo sapiens. Denn auch bei ihnen fanden die Forscher bereits einen auffallenden Variantenreichtum bei Genen die die Gesichtszüge kontrollieren. (Nature Communications, 2014, doi: 10.1038/ncomms5800)
(University of California - Berkeley, 17.09.2014 - NPO)
 
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