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Montag, 26.09.2016
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Ebola: Panikmache durch übertriebenen Schutz?

Mediziner kritisieren Einsatz von Level-4 Schutzanzügen durch ausländische Mediziner in Westafrika

Unnötige Panikmache? Wenn ausländische Mediziner Ebola-Patienten behandeln oder in den Ebola-Gebieten Westafrikas unterwegs sind, tragen sie oft maximale Schutzausrüstung. Doch das ist unnötig, wie Mediziner jetzt im Fachmagazin "Lancet" kritisieren. Denn Ebola werde nicht durch die Luft übertragen, daher sei ein solcher Vollschutz rausgeschmissenes Geld und schüre zudem nur Panik in der Bevölkerung.
Forscher der US Centers of Disease Control (CDC) in in Monrovia, Liberia, beim Check ihrer Schutzanzüge.

Forscher der US Centers of Disease Control (CDC) in in Monrovia, Liberia, beim Check ihrer Schutzanzüge.

Der Gegensatz ist groß: Die meisten einheimische Ärzte und auch viele Helfer in Guinea, Sierra Leone und den anderen von der Ebola-Epidemie betroffenen Ländern Westafrikas arbeiten nur mit einfachem Schutzkittel, Handschuhen und einer dünnen Papiermaske – wenn überhaupt. Denn es fehlt an Geld und Material für mehr. Angehörige der Ebola-Patienten haben meist nicht einmal diesen minimalen Schutz.

Level-4-Schutz unnötig


Demgegenüber senden ausländische Gesundheitsbehörden ihre Mediziner oft mit Schutzanzügen der höchsten Sicherheitsstufe in die Ebola-Gebiete. Diese Anzüge haben eine eigene Luftversorgung und haben im Inneren einen Überdruck, der ein Eindringen kontaminierter Luft verhindern soll. Doch solche Anzüge sind eigentlich für Erreger gedacht, die sich über die Luft ausbreiten können, wie Jose Martin-Moreno von der Universität von Valencia und seine Kollegen erklären. Ebola aber tut genau dies nicht.

"Der Haupt-Übertragungsweg von Ebola ist durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Patienten – Blut, Erbrochenem oder Kot oder aber durch Verletzungen mit kontaminierten Nadeln", so die Forscher. Daher seien einfache Masken, Schutzbrillen, Kittel und Handschuhe absolut ausreichend, um eine Infektion zu verhindern. Nur bei Arbeiten im Labor oder in Situationen, in denen ein Versprühen von Tröpfchen drohe, wie beispielsweise beim Intubieren, sei ein stärkerer Schutz notwendig, so Martin-Moreno.


Masken, Schutzbrillen, Plastikkittel und Handschuhe reichen selbst bei stark blutenden Patienten als Schutz aus.

Masken, Schutzbrillen, Plastikkittel und Handschuhe reichen selbst bei stark blutenden Patienten als Schutz aus.

Panik und Desinformation


Für die Menschen in Westafrika ist der Anblick von Helfern in Level-4 Schutzanzügen nach Ansicht der Forscher weder hilfreich noch beruhigend – ganz im Gegenteil. Es verstärkt die Panik und Angst in der Bevölkerung und kann dazu führen, dass noch mehr Menschen aus den Infektionsgebieten fliehen – und so die Krankheit weiterverbreiten. Denn die Anzüge suggerieren, dass gegen eine Ebola-Infektion nur diese extremen Maßnahmen schützen.

Das aber könne dazu führen, dass wichtige, einfache Hygiene- und Schutzmaßnahmen nicht beachtet werden – beispielsweise das simple Vermeiden von direkten Hautkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten, so die Forscher. Trotz der Gefährlichkeit des Ebola-Virus sei selbst eine Maske nur dann nötig, wenn der Patient blutet oder sich übergibt.

"In Westafrika benötigen wir dringend einen effizienteren und rationaleren Umgang mit schützenden Ausrüstungen", konstatieren die Forscher. "Bei der Kontrolle solcher Infektionen ist mehr nicht immer besser und sehr oft ist sogar die einfachste Lösung die beste." (The Lancet, 2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)61343-X)

Mehr Informationen und Updates zu Ebola finden Sie in unserem Special: Ebola - eine Seuche breitet sich aus
(Lancet, 03.09.2014 - NPO)
 
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