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Donnerstag, 30.06.2016
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Warum Actionfilme dick machen

Die starke Ablenkung bei spannenden Filmen lässt uns mehr naschen, ohne dass wir es merken

Bei Diät lieber keine Actionfilme – denn sie animieren besonders stark zum Naschen vor der Glotze. Das belegt ein Experiment von US-Forschern. Wie sich zeigte, vertilgten die Probanden, die einen Actionfilm sahen, doppelt so viel Naschzeug wie die Zuschauer einer Talkshow. Der Grund für diesen Effekt: Der spannende Film lenkt uns mehr ab und wir merken gar nicht, wie viel Chips, Schokolade oder sonstiges wir naschen. Aber es gibt ein paar Tricks, mit denen sich dieser Effekt überlisten lässt.
Chips: Je spannender der Film, desto mehr naschen wir davon

Chips: Je spannender der Film, desto mehr naschen wir davon

Vor dem Fernseher rumgammeln und sich wenig bewegen macht dick – das ist nicht wirklich neu. Wenn wir viel Zeit auf dem Sofa verbringen und dabei Chips, Schokolade oder andere Snacks naschen, fördert das nicht gerade eine schlanke Linie. Unklar war aber bisher, ob es dabei auch eine Rolle spielt, was wir uns in der Glotze anschauen – ob romantische Komödie, Talkshow oder packender Actionthriller. Beeinflusst das Fernseh- oder Videoprogramm möglicherweise auch, wie viel wir dabei naschen?

Doppelt so viele Snacks beim Actionfilm


Genau diese Frage stellten sich Aner Tal von der Cornell University in Ithaca und seine Kollegen – und überprüften dies in einem Experiment. Dafür zeigten sie 94 Studenten jeweils 20 minütige Ausschnitte aus zwei verschiedenen Sendungen und stellten ihnen dabei eine Reihe verschiedener Snacks zur Verfügung: M&Ms, Kekse, Karotten und Weintrauben. Ein Drittel der Teilnehmer sah den Actionthriller "The Island", ein Drittel eine Talkshow und der Rest schaute ebenfalls "The Island", aber ohne Ton.

Das Ergebnis war überraschend klar: "Die Personen, die The Island schauten, aßen fast doppelt so viele Snacks wie diejenigen, die die Talkshow sahen", berichtet Tal. "Offenbar bekommt auch der Mund mehr Action, wenn wir einen Actionfilm sehen." Dies gilt sogar dann, wenn der Film ohne Ton läuft: Diese Probandengruppe verzehrte immerhin noch rund 36 Prozent mehr Snacks als die Talkshow-Zuschauer, wie die Forscher berichten.


Action-TV ist "fettes" TV - Poster der Forscher zum "Snack-Effekt"

Action-TV ist "fettes" TV - Poster der Forscher zum "Snack-Effekt"

Die starke Ablenkung ist schuld


Und dieser Action-induzierte Snackhunger schlug sich auch in der Kalorienbilanz nieder: Die Zuschauer des Actionfilms konsumierten nicht nur 98 Prozentmehr Snacks, sie nahmen auch rund 240 Kilokalorien mehr zu sich als die Teilnehmer, die die Talkshow gesehen hatten.

Was aber ist der Grund für diesen Effekt? Wie die Forscher erklären, liegt dies schlicht an der Ablenkung: "Actionlastige Programme sind abwechslungsreich, schnell geschnitten, bannen unsere Aufmerksamkeit und lenken uns dadurch davon ab, was und wie viel wir essen", erklärt Tal. Deshalb neigen wir bei stärker ablenkenden Programmen dazu, mehr zu essen und merken es nicht einmal.

Abhilfe: Portionieren und gesunde Snacks bereitstellen


Sind wir damit hilflos unseren Fernsehvorlieben ausgeliefert? Oder hilft nun nur noch, Snacks völlig zu verbannen? Nicht unbedingt, es gibt ein paar hilfreiche Tricks, um unser unbewusstes Snacken zu regulieren, wie die Forscher erklären. So ist es sinnvoll, nicht die ganze Chipstüte auf den Couchtisch zu legen, sondern die Chips im Vorhinein zu portionieren. Dadurch kommen wir gar nicht erst in die Versuchung, die komplett leer zu essen.

Eine andere Möglichkeit ist es, auf gesündere, kalorienärmere Snacks umzusteigen, wie beispielsweise Karotten oder anderes Obst oder Gemüse. "Denn die gute Nachricht ist, dass Zuschauer von Actionfilmen auch mehr gesunde Snacks vertilgen – sie nehmen einfach das, was vor ihnen steht und achten nicht darauf, was es ist", sagt Koautor Brian Wansink, Leiter des Cornell Food and Brand Lab. "Das lässt sich auch zu unserem Vorteil nutzen!" Fernsehen kann uns demnach sogar dabei helfen, gesünder zu essen, obwohl wir eigentlich wenig Lust dazu haben. (JAMA Internal Medicine, 2014;
doi: 10.1001/jamainternmed.2014.4098
)
(Cornell Food & Brand Lab, 02.09.2014 - NPO)