• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 27.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Bakterien gegen Lebensmittel-Allergien?

Ein bestimmter Typ von Darmkeimen schützt gegen allergische Überreaktion

Darmkeime als Therapie: Die Darmflora spielt offenbar eine wichtige Rolle dafür, ob jemand eine Lebensmittel-Allergie entwickelt oder nicht. Das zeigen Experimente von US-Forscher mit Mäusen. Sie identifizierten sogar die Bakteriengruppe, die gegen die überschießende Immunreaktion schützt. Das eröffnet neue Möglichkeiten der Therapie, beispielsweise indem Kindern gezielt diese Bakterien verabreicht werden.
Erdnüsse: Für viele eine leckere Knabberei, für manche ein Allergieauslöser

Erdnüsse: Für viele eine leckere Knabberei, für manche ein Allergieauslöser

Das Gesicht schwillt an, Bauchkrämpfe und Atemnot setzen ein – oft reichen schon winzige Spuren des Allergens im Essen aus, um beispielsweise bei Erdnuss-Allergikern lebensbedrohliche Symptome zu verursachen. Die Verbreitung solcher Lebensmittelallergien hat in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen. In der letzten Zeit mehren sich die Hinweise darauf, dass neben genetischer Veranlagung auch der Zustand der Darmflora eine wichtige Rolle für die Entstehung der Allergien spielt.

Starke Allergie bei fehlender Darmflora


"Vor allem Antibiotikagaben in der Kindheit stören die Bakterienpopulationen im Verdauungstrakt und könnten den Anstieg der Allergien fördern", erklären Andrew Stefka von der University of Chicago und seine Kollegen. Versuche mit Mäusen stützen dies: Wurden sie direkt nach der Geburt mit Antibiotika behandelt, verringerte dies ihre Darmflora, gleichzeitig verstärkte sich die Reaktion auf Erdnuss-Allergene. Ähnlich reagierten auch Mäuse, die komplett steril ohne Darmflora aufgezogen wurden: Auch sie zeigten die für Lebensmittelallergien typische überschießende Immunreaktion.

Die Forscher schließen daraus, dass die Bakterienpopulationen im Darm eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem ausüben und so Lebensmittelallergien entgegen wirken können. Die Frage war nun jedoch, ob bestimmte Bakterien für diese Wirkung verantwortlich sind oder vielmehr die Gesamtheit der Mikroben. Um dies zu testen, verabreichten die Wissenschaftler den Mäusen nach einer Antibiotikabehandlung gezielt nur bestimmte Bakterienkulturen und testeten dann ihre Reaktion auf Erdnuss-Allergene.


Clostridien scheinen Lebensmittel-Allergien zu verhindern.

Clostridien scheinen Lebensmittel-Allergien zu verhindern.

Clostridien dämpfen Immunreaktion


Dabei zeigte sich: Nur Bakterien aus der Gattung Clostridia scheinen gegen eine überschießende allergische Reaktion zu schützen. Andere Mikroben zeigten diese Wirkung nicht, wie die Forscher berichten. Nähere Untersuchungen enthüllten, dass die Clostridien dafür sorgen, dass vermehrt Interleukin-212 (IL-22) ausgeschüttet wird. Dieser Immunbotenstoff schützt die Darmwand, indem er ihre Schleimproduktion hochregelt und so verhindert, dass diese wichtige Barriere für Erreger oder Antigene durchlässig wird.

Tatsächlich ergaben Tests, dass die allergieauslösenden Erdnuss-Proteine die Darmwand der Mäuse mit Clostridien im Darm schlechter passieren konnten. Die Wissenschaftler registrierten weitaus weniger Allergene im Blut der Mäuse als bei Tieren ohne Clostridien.

Bakteriencocktail gegen Allergien?


"Damit haben wir eine Mikrobengruppe identifiziert, die einer allergischen Sensibilisierung entgegenwirkt", konstatieren Stefka und seine Kollegen. "Ihre Kenntnis könnte dazu beitragen, neue probiotische Therapien gegen Lebensmittelallergien zu entwickeln." Künftig könnte man dann möglicherweise Kinder frühzeitig einen Cocktail mit der hilfreichen Bakterienflora verabreichen, um sie vor Allergien zu schützen.

In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher dieses Potenzial nun gezielt ausloten. „Wir können natürlich noch nicht sagen, ob das Konzept tatsächlich funktioniert, aber es handelt sich um einen vielversprechenden Ansatz zur Entwicklung von Therapien gegen ein Gesundheitsproblem, für das es bisher keine Behandlungsmöglichkeiten gibt“, sagt Seniorautorin Cathryn Nagler von der Northwestern University in Chicago. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2014; doi: 10.1073/pnas.1412008111)
(PNAS, 26.08.2014 - NPO)
 
Printer IconShare Icon