• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 28.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Ältestes Metallobjekt des Nahen Ostens entdeckt

Kupfer-Ahle verschiebt Beginn der Metallnutzung hunderte Jahre in die Vergangenheit

Eine unscheinbare Kupfernadel sorgt für eine Sensation. Denn das rund 7.000 Jahre alte Fundstück ist das älteste Metallobjekt des Nahen Ostens. Die vier Zentimeter lange Kupferahle wurde bei Ausgrabungen in Tel Tsaf am Jordan in einem Grab entdeckt. Ihr Fund verschiebt nun den Beginn der Metallnutzung im Nahen Osten um mehrere hundert Jahre in die Vergangenheit.
Die in Tel Tsaf gefundenen Kupferahle ist rund 7.000 Jahre alt.

Die in Tel Tsaf gefundenen Kupferahle ist rund 7.000 Jahre alt.

Die Stadt Tel Tsaf war in der Zeit von 5200 bis 4600 vor Christus ein blühendes Handelszentrum des Nahen Ostens. Ihre günstige Lange südlich des Sees Genezareth am Jordan machte die Einwohner wohlhabend – davon zeugen große Gebäude aus Lehmziegeln, Ruinen von Silos, in denen einst große Mengen von Weizen und Gerste gelagert wurden und Überreste von Öfen, in denen Archäologen unzählige Tierknochen fanden. Objekte aus anatolischem Obsidian, Muschelschalen aus dem Nil und für diese Region unübliche Keramikgefäße zeigen zudem, dass die Bewohner Tel Tsaf auch Handelsbeziehungen mit anderen Kulturen des Mittelmeerraums besaßen.

Frauengrab im Getreidesilo


Im Rahmen ihrer Ausgrabungen stießen die Archäologen um Danny Rosenberg von der Universität Haifa und Florian Klimscha vom Deutschen Archäologischen Institut auch auf ein ungewöhnliches Grab: Am Grund eines Silos war vor rund 7.000 Jahren eine etwa 40-jähre Frau begraben worden. Sie trug einen Gürtel aus mehr als 1.600 Perlen aus Austernschalen um ihren Leib und ihr Grab war mit großen Steinen bedeckt. Nach Ansicht der Archäologen spricht dies dafür, dass diese Frau eine bedeutende Stellung in ihrer Gemeinschaft besaß.

Zunächst wenig beachtet, wurde im Grab auch eine kleine, vier Zentimeter lange und einen Millimeter dicke Ahle gefunden. Dicke Verkrustungen ließen jedoch nicht erkennen, woraus das Nadelähnliche Fundstück bestand. Seine wahre Bedeutung enthüllte sich jedoch, als Rosenberg und seine Kollegen die Ahle chemisch analysierten.


Blick auf die Ruinen einiger Gebäude in Tel Tsaf am Jordan

Blick auf die Ruinen einiger Gebäude in Tel Tsaf am Jordan

Kupfer aus dem Kaukasus


Wie sich zeigte, bestand die unscheinbare Nadel aus Kupfer – und noch dazu aus einem Erz, das aus dem rund 1.000 Kilometer weit entfernten Kaukasus stammen muss, wie die Forscher berichten. Das aber bedeutet, dass die Bewohner von Tel Tsaf sehr viel früher damit begannen, Metallobjekte zu nutzen als bisher angenommen. Denn nach gängiger Theorie begann die Kupfer-Ära im Nahen Osten erst nach 4500 vor Christus – und damit hunderte Jahre später.

"Die Entdeckung der Ahle in Tel Tsaf belegt einen Gipfel der technischen Innovation in dieser Region und ist zugleich eine Entdeckung von globaler Bedeutung", konstatiert Rosenberg. Noch allerdings lässt der Fund fast mehr Fragen offen als er beantwortet. Denn wofür die Ahle genutzt wurde und wie sie oder ihr Rohmaterial in den Nahen Osten kamen, ist bisher noch unklar. "Viele Teile des Puzzles sind noch immer unbekannt, es bleibt daher für uns noch viel zu tun", sagt Rosenberg.
(University of Haifa, 22.08.2014 - NPO)
 
Printer IconShare Icon