• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 01.10.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Frauen im Wettstreit unkreativer?

Geschlechter-Rollen beeinflussen kreative Leistungen im Wettbewerb zwischen Teams

Kreativität leidet im Wettbewerb: Sobald mehrere Teams zueinander im Wettstreit stehen, kehrt sich das typische Geschlechterbild um. Frauen, die sonst als kreativer und teamfähiger gelten, leisten unter Konkurrenzdruck weniger kreative Beiträge als ihre männlichen Kollegen, besagt die neue Studie einer internationalen Forschergruppe. Um auch die weibliche Kreativität voll ausnutzen zu können, sollten Manager daher auf andere Motivationsmethoden als die Konkurrenz setzen.
Gemischte Teamarbeit: Frauen machen eine Gruppe kreativer und kooperativer.

Gemischte Teamarbeit: Frauen machen eine Gruppe kreativer und kooperativer.

Wettbewerb ist gut fürs Geschäft, so lautet ein Sprichwort. Wenn einzelne Teams innerhalb eines Betriebes zueinander in Wettbewerb stehen, so soll das die Teammitglieder antreiben und motivieren, und angeblich auch die Kreativität fördern: Einfallsreichtum bringt einen Vorteil gegenüber Konkurrenten. Genau das ist jedoch fraglich, zumindest wenn die beteiligten Teams aus Frauen bestehen oder Frauen an ihnen beteiligt sind.

Der Grund: Frauen und Männer reagieren in Wettbewerbssituationen gänzlich unterschiedlich. Darauf deutet nun eine Studie von Markus Baer von der Olin Businees School in St. Louis und seinen Kollegen hin. Sie basiert auf Experimenten mit männlichen und weiblichen Studenten, sowie Beobachtungen von 50 Teams von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern eines Öl- und Gas-Konzerns.

Scheinbar widersprüchliches Resultat


Die Ergebnisse zeigen: Je mehr der Wettstreit zwischen den Teams ansteigt, desto weniger kreative Beiträge stammen von den weiblichen Teammitgliedern. Besonders stark betroffen sind Gruppen, die ausschließlich aus Frauen bestehen. Männer profitieren dagegen vom Wettbewerb mit anderen: Sie fangen an, enger zusammen zu arbeiten und verlassen sich mehr aufeinander. Auch ihre Kreativität nimmt zu.


Dieses Resultat ist überraschend und scheinbar widersprüchlich: Bisherige Forschungsarbeiten hatten gezeigt, dass Frauen generell kreativer sind als Männer. Außerdem gelten sie als kooperativer: Die Qualität der Zusammenarbeit in Teams mit weiblicher Beteiligung steigt merklich an. "Wenn Teams Seite an Seite arbeiten, übertreffen die Frauen die Männer – sie sind einfach kreativer", sagt Baer.

Doch sobald der Wettbewerb zwischen mehreren Teams ins Spiel kommt, wendet sich offenbar das Blatt: Der kreative Vorsprung der Frauen verschwindet praktisch völlig. "Was unter konkurrenzlosen Bedingungen gilt, kehrt sich komplett um, wenn es wettbewerblich zugeht", so Baer.

Gesellschaftliche Rollenbilder und Sichtweisen


Manager, die durch den Wettstreit zwischen Teams deren Kreativität ankurbeln wollen, sollten aufgrund dieser Studienergebnisse Vorsicht walten lassen: Mit allzu intensivem Konkurrenzdenken könnten sie stattdessen das Gegenteil erreichen und den kreativen Vorteil der Frauen im Team auslöschen. Studienleiter Baer rät daher, nicht nur auf Wettbewerb zu setzen, sondern auch andere Motivationsmethoden zu finden, um auch das kreative Potenzial der Mitarbeiterinnen voll ausschöpfen zu können.

Zudem betont Baer, dass die Studie nicht besagt, Frauen seien von Natur aus schlecht in jeder Art von Wettbewerb: "Es liegt nicht daran, dass Frauen schlecht mit anderen konkurrieren können. Es liegt an der Art, wie die Gesellschaft Frauen betrachtet und wie sie Wettbewerb betrachtet." Verantwortlich sind also gesellschaftlich geprägte Rollenbilder und geschlechtsspezifische Sichtweisen, die sowohl das eigene Verhalten als auch die Wahrnehmung des Verhaltens anderer beeinflussen.
(Organization Science, 2014; doi: 10.1287/orsc.2013.0878)
(Washington University in St. Louis, 13.08.2014 - AKR)
 
Printer IconShare Icon