• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 09.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Madagaskars Reptilien brauchen Schutz

Rote Liste: Fast 40 Prozent der Arten sind vom Aussterben bedroht

Alarm auf dem "achten Kontinent": Die einzigartige Tierwelt Madagaskars ist durch die Abholzung des dortigen Regenwaldes in Gefahr. Fast 40 Prozent der Reptilien auf der ostafrikanischen Insel sind vom Aussterben bedroht, berichtet ein internationales Forscherteam. Die gute Nachricht: Noch ist es nicht zu spät, die Tiere in Schutzgebieten zu retten, schreiben die Forscher im Fachmagazin "PLOS ONE".
Durch Abholzung des Regenwalds auf Madagaskar gefährdet: Das Pinocchio-Chamäleon (Calumma gallus).

Durch Abholzung des Regenwalds auf Madagaskar gefährdet: Das Pinocchio-Chamäleon (Calumma gallus).

Die Insel Madagaskar ist berühmt für ihre einzigartige Natur: Seit mehr als 90 Millionen Jahren ist die Insel vom Festland getrennt und hat seitdem eine Tierwelt hervorgebracht, die es nirgendwo sonst auf der Erde gibt. Die Artenvielfalt Madagaskars ist so charakteristisch, dass sie der Insel den Spitznamen "achter Kontinent" eingebracht hat. Besonders faszinierend sind die zahlreichen Reptilien – darunter farbenprächtige Chamäleons, Riesenschlangen, Geckos und Schildkröten. Menschliche Aktivitäten bedrohen allerdings viele dieser Tiere.

Gefahren: Landwirtschaft und illegaler Tierhandel


Wissenschaftler um Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig haben untersucht, wie groß die Gefahr für die madagassischen Reptilien tatsächlich ist. Vences forscht bereits seit über 20 Jahren auf Madagaskar. Aus ihren Studienergebnissen haben die Forscher für die Weltnaturschutzorganisation "International Union for Conservation of Nature" (IUCN) eine Rote Liste erstellt. Das alarmierende Resultat: 39 Prozent der Reptilienarten auf der Insel sind vom Aussterben bedroht.

Eine der seltensten Schildkröten weltweit: die Schnabelbrustschildkröte oder Angonoka (Astrochelys yniphora) aus Westmadagaskar.

Eine der seltensten Schildkröten weltweit: die Schnabelbrustschildkröte oder Angonoka (Astrochelys yniphora) aus Westmadagaskar.

Der Grund: Um Fläche für die Landwirtschaft zu gewinnen, holzen die Menschen immer größere Gebiete des ursprünglichen Regenwaldes ab. So schrumpft besonders der Lebensraum der über 360 Arten von Echsen und Schlangen der tropischen Insel, einschließlich der Geckos und Chamäleons. Die Situation der madagassischen Schildkröten ist besonders dramatisch: Alle vier Landschildkröten sowie die wasserlebende Schienenschildkröte stuften die Forscher als stark gefährdet ein. Sie werden illegal in immer größeren Mengen gefangen und über den illegalen Tierhandel meist nach Asien geschmuggelt, oder sie werden für den Verzehr ihres Fleisches in Madagaskar gesammelt.


Schutzgebiete könnten Überleben sichern


Trotz der beunruhigenden Zahlen hoffen die Forscher, dass die madagassischen Reptilien überleben: Fast alle bedrohten Arten konnten in den letzten Jahren noch im Freiland beobachtet werden. Hinzu kommt ein Netzwerk von Naturschutzgebieten, das auf Madagaskar seit 2003 systematisch ausgebaut worden ist – Umweltschutz ist ein in der Verfassung des Landes festgesetztes Ziel. Auch wenn die Wälder in den Gebieten nicht vollständig vor Abholzung geschützt sind, bieten sie bedeutende Rückzugsgebiete für gefährdete Tiere und Pflanzen.

Die Informationen aus der Studie sind entscheidend, um die begrenzten Ressourcen in der Naturschutzarbeit auf Madagaskar zielgerichtet einsetzen zu können. "Unsere Ergebnisse belegen die enorme Bedeutung der neuen Naturschutzgebiete", hebt Evolutionsbiologe Vences die positiven Aspekte hervor. "Es ist erfreulich, dass wir bislang so gut wie keine Arten verloren haben. Auch wenn einige kurz vor dem Aussterben stehen – es gibt noch die Chance, sie durch intensive Naturschutzarbeit für die Nachwelt zu erhalten."
(PLOS ONE, 2014; doi: 10.1371/journal.pone.0100173)
(Technische Universität Braunschweig, 12.08.2014 - AKR)
 
Printer IconShare Icon