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Samstag, 10.12.2016
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Büros mit Fenstern sind gesünder

Tageslicht am Arbeitsplatz fördert einen stabilen Tag-Nacht-Rhythmus

Neonröhren oder sonnendurchflutetes Großraumbüro? Die Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz haben offenbar einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit, berichten US-Forscher anhand von Studienergebnissen. Wer bei der Arbeit ausreichend Tageslicht erhält, schläft besser und fühlt sich allgemein fitter. Fensterlose Büros mit nur künstlichem Licht erwiesen sich dagegen weniger gesundheitsfreundlich.
Breite Fensterfronten lassen genug Tageslicht ins Büro.

Breite Fensterfronten lassen genug Tageslicht ins Büro.

Tageslicht ist ein wichtiger Taktgeber für das Gehirn und den Körper: Es wirkt als Signal auf die innere Uhr und damit auf eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen. Der Effekt auf den Hormonhaushalt geht sogar so weit, dass Tageslicht die Rechts- oder Linkshändigkeit von gezeugten Kindern beeinflusst. Regelmäßige Tagesrhythmen sind wichtig für die Gesundheit, andernfalls gerät das System aus dem Takt – Schlafstörungen und andere Gesundheitsprobleme können folgen. Ein kurzer Spaziergang in der Morgensonne dagegen reicht bereits aus, um den Stoffwechsel in Schwung zu bringen.

Gesundheit und Schlafverhalten


Auch bei der Arbeit im Büro ist ausreichend Tageslicht offenbar sehr wichtig. Schlaf-Forscherin Phyllis Zee von der Northwestern University in Chicago hat zusammen mit ihren Kollegen untersucht, wie sich Tageslicht am Arbeitsplatz auf Gesundheit und Schlafverhalten auswirkt. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 49 Büroangestellte, die alle tagsüber arbeiteten. 27 Teilnehmer arbeiteten in Büros ohne Fenster, die restlichen 22 hatten Fenster am Arbeitsplatz.

Gesundheit und Schlafqualität der Versuchspersonen bewerteten die Forscher anhand von Fragebögen und mit sogenannten Actigraphen: Ein solches Gerät wird von Studienteilnehmern wie eine Uhr am Handgelenk getragen. Rund um die Uhr zeichnet es körperliche Aktivität, Ruhephasen und Lichtverhältnisse auf.


Mehr Aktivität, gesunder Schlaf


Es stellte sich heraus, dass die Angestellten mit Fensterplatz pro Nacht im Durchschnitt 46 Minuten länger schliefen als ihre Kollegen im Dunkeln. Während der Arbeitszeit erhielten sie fast die dreifache Menge an sogenanntem weißen Licht, dem Lichtspektrum, das für Tageslicht typisch ist. Außerdem bewegten sich die Menschen, die in Büros mit Fenstern arbeiteten, deutlich mehr.

Künstliche Beleuchtung am Arbeitsplatz ist gegenüber Tageslicht nur eine Notlösung.

Künstliche Beleuchtung am Arbeitsplatz ist gegenüber Tageslicht nur eine Notlösung.

Diejenigen Versuchspersonen, deren Büros keine Fenster hatten, berichteten dagegen von generell niedrigerer Lebensqualität: Körperliche Probleme, Motivationsschwierigkeiten und Schlafprobleme waren verbreitet. "Es gibt zunehmend Hinweise, dass Licht während des Tages und ganz besonders am Morgen gut für die Gesundheit ist, wegen seiner Wirkung auf Stimmung, Wachsamkeit und Stoffwechsel", betont Zee. "Angestellte sind eine besondere Risikogruppe, weil sie typischerweise drinnen arbeiten."

Wichtige Synchronisation der inneren Uhr


"Licht ist der wichtigste synchronisierende Faktor für das Gehirn und den Körper", erläutert Koautorin Ivy Cheung die Wirkung des Tageslichts für einen gesunden Tag-Nacht-Rhythmus. "Die richtige Abstimmung der inneren biologischen Uhr auf die tägliche Rotation der Erde hat sich als unerlässlich für die Gesundheit herausgestellt."

Die Forscher haben einen einfachen Rat für Büroangestellte und deren Arbeitgeber: Schreibtische sollten nicht weiter als sechs bis acht Meter von einer Wand mit Fenstern entfernt aufgestellt sein. Bereits beim Bau von Bürogebäuden sollten Architekten auf solche Vorgaben achten. Eine ausreichende Versorgung mit Tageslicht wirkt sich dabei nicht nur positiv auf die Gesundheit aus – sie spart außerdem Stromkosten für künstliche Beleuchtung. Wenn es gar nicht anders geht, sollte bei künstlichem Licht darauf geachtet werden, dass das Spektrum der Lampen dem des natürlichen Tageslichts möglichst nahe kommt.
(Journal of Clinical Sleep Medicine, 2014;doi: 10.5664/jcsm.3780)
(Northwestern University, 12.08.2014 - AKR)
 
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