• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 27.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Diabetes im Winterschlaf

Grizzly-Bären liefern Einsichten in Zusammenhang zwischen Diabetes und Übergewicht

Zuckerkranke Bären: Auch Grizzlybären bekommen Diabetes – im Gegensatz zum Menschen scheint es sich dabei jedoch um einen normalen Stoffwechselprozess zu handeln: Nach dem Winterschlaf verschwindet die "Krankheit" bei den Bären wieder, berichten US-Forscher im Magazin "Cell Metabolism". Dieses Phänomen wirft den Wissenschaftlern zufolge ein neues Licht auf den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Diabetes und könnte auch neue Therapieansätze ermöglichen.
Braunbär

Braunbär

Beim Menschen sorgt Diabetes vom Typ 2 dafür, dass Zellen nicht mehr auf das Hormon Insulin reagieren können. Dieses wichtige Hormon reguliert den Zuckerspiegel im Blut: Sinkt dieser zu niedrig oder steigt zu hoch, drohen Krämpfe, Sehstörungen und Koma. Generell gilt für Menschen, dass krankhaftes Übergewicht auch das Risiko steigert, an Diabetes zu erkranken. Sowohl die Fälle von Übergewicht als auch von Diabetes nehmen weltweit zu. Dieser Zusammenhang ist jedoch offenbar nicht ganz so einfach und war zuletzt Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.

Bären: Nach Winterschlaf geheilt


Neue und überraschende Einblicke erhielten Wissenschaftler um Kevin Corbit vom US-amerikanischen Biotechnologieunternehmen Amgen nun von einem ganz anderen Studienobjekt als dem Menschen: von Grizzlybären. Diese fressen sich einen ordentlichen Vorrat an, bevor sie sich in den Winterschlaf zurückziehen. Im Herbst haben sie daher hohes Übergewicht: Die Forscher fanden heraus, dass die Bären ihren gesamten Energievorrat für den Winter im Fettgewebe einlagern, nicht in anderen bei Übergewicht häufigen Speicherorten wie Muskeln oder Leber.

Einige Wochen später im Verlauf des Winterschlafs werden die Bären dann diabetisch – wenn sie im Frühjahr aufwachen, sind sie jedoch vom Diabetes "geheilt". Wie die Forscher herausfanden, bleibt der Insulingehalt im Blut der Bären die ganze Zeit über konstant, ganz anders als im Menschen. Außerdem sind die Grizzlies zur Zeit des größten Übergewichts auch am empfindlichsten für die Wirkung des Hormons. Diabetes bedeutet jedoch das genaue Gegenteil: Eine sinkende Empfindlichkeit für Insulin.


"Das steht im Gegensatz zu verbreiteten Annahme beim Menschen, dass Übergewicht zu Diabetes führt", so Corbit. Verantwortlich ist ein Protein namens PTEN, dessen Aktivität in den Fettzellen heruntergefahren wird. Dies deckt sich wiederum mit Beobachtungen im menschlichen Körper: Menschen mit wenig PTEN sind ebenfalls sehr empfindlich für Insulin – egal ob sie übergewichtig sind oder nicht.

Komplexes Modell von Übergewicht und Diabetes


Die Resultate zeigen den Forscher zufolge nicht nur eindrücklich, wie Tiere in der Natur mit Bedingungen fertig werden, die im Menschen zu Krankheiten führen würden. Sie verdeutlichen auch die komplexe Beziehung zwischen Übergewicht und Diabetes: "Unsere Ergebnisse tragen anschaulich zu einem neuen Modell bei", so Cornit, "in welchem Diabetes und Übergewicht natürliche Punkte an entgegengesetzten Enden des Stoffwechselspektrums sind, im Gegensatz zur vorherrschenden Annahme, dass beide stets zusammen gehören."

Corbit vertritt darum die Ansicht, dass in manchen Patienten gerade bestimmte Schutzmechanismen des Körpers gegen Diabetes zum Übergewicht führen könnten. Andererseits könnten gleichzeitig die Ursachen für Diabetes auf Mechanismen gegen Übergewicht zurückzuführen sein. "Dieses fortgeschrittene Verständnis der Beziehung zwischen Diabetes und Übergewicht sollte Wissenschftlern die Möglichkeit geben, nicht nur Therapien gegen diese Mechanismen zu entwicklen, sondern auch diejenigen Patienten zu identifizieren, auf die diese Therapien zugeschnitten sein sollten."
(Cell Metabolism, 2014; doi: 10.1016/j.cmet.2014.07.008)
(Cell Press, 06.08.2014 - AKR)
 
Printer IconShare Icon