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Donnerstag, 29.09.2016
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Homo floresiensis hatte Down-Syndrom

Status als eigene Art umstritten: Eigenheiten des Skelettes deuten auf Entwicklungsstörung hin

Down-Syndrom statt neuer Menschen-Unterart: Der Sensationsfund des Homo florensiensis vor rund zehn Jahren ist möglicherweise viel weniger spektakulär als gedacht. Die Besonderheiten des Skeletts lassen sich auch mit dem Down-Syndrom erklären, berichtet ein internationales Forscherteam in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Demnach handelt es sich nur um Wachstumsstörungen eines einzelnen Individuums, nicht um eine komplett neue Unterart des Menschen.
Schädel des Skeletts LB1: Unterschiedliche Ansichten zeigen die Asymmetrie.

Schädel des Skeletts LB1: Unterschiedliche Ansichten zeigen die Asymmetrie.

Der Fund des "Homo floresiensis" im Jahr 2004 war eine wissenschaftliche Sensation: Auf der indonesischen Insel Flores entdeckte menschliche Skelette deuteten auf eine neue, bis dahin unbekannte Unterart des Menschen hin. Besonders das Skelett mit der Bezeichnung LB1 wies einzigartige Merkmale auf und führte zur Klassifizierung als eigene Art. Dieser kleinwüchsige Mensch soll noch bis vor rund 10.000 Jahren auf dem indonesischen Archipel gelebt haben.

Häufige Entwicklungsstörung erklärt Ausnahmeerscheinung


Eine neu und detaillierte Untersuchung von LB1 stellt den Status des Homo floresiensis nun allerdings in Frage: Wissenschaftler um Robert Eckhardt von der US-amerikanischen Penn State University kommen zu dem Ergebnis, dass LB1 von einem deformiert gewachsenen Homo sapiens stammt. Das Skelett zeigt den Forschern zufolge typische Anzeichen des Down-Syndroms, wie sie auch bei modernen Menschen auftreten. Das Down-Syndrom kommt bei etwa einer von tausend Geburten vor und ist damit die häufigste Entwicklungsstörung.

Die Klassifizierung von LB1 als Repräsentant der eigenen Unterart Homo floresiensis stützt sich vor allem auf zwei ungewöhnlich aussehende Bestandteile des Skeletts: den Schädel und die Oberschenkelknochen. Von allen in der Umgebung gefundenen Skelettfragmenten ist LB1 das einzige, von dem diese Teile erhalten sind – sie könnten also durchaus Ausnahmeerscheinungen sein, anstatt eine ganze Art widerzuspiegeln.


Vergleich von LB1 (links) mit dem Schädel eines modernen Menschen von Flores vor 3.000 bis 5.000 Jahren.

Vergleich von LB1 (links) mit dem Schädel eines modernen Menschen von Flores vor 3.000 bis 5.000 Jahren.

Kleines Gehirn, kurze Beine


Der Schädel von LB1 ist untypisch rund und außerdem asymmetrisch geformt. Er beinhaltete früheren Untersuchungen zufolge nur ein sehr kleines Gehirn: Mit einem Volumen von nur 380 Millilitern hätte es nur rund ein Drittel der Größe des Gehirns eines heutigen Menschen. In der neuen Studie berechnen Eckhardt und Kollegen dagegen ein Volumen von 430 Millilitern. "Der Unterschied ist signifikant", so der Forscher, "und der korrigierte Wert fällt in den angenommenen Bereich eines modernen Menschen mit Down-Syndrom, der aus derselben geographischen Region stammt." Das Down-Syndrom erkläre auch die anderen außergewöhnlichen Merkmale des Schädels, so die Forscher.

Außergewöhnlich sind auch die Schenkelknochen: Sie sind deutlich kürzer als bei modernen Menschen und deuten auf eine Körpergröße von nur knapp über einem Meter hin. Dieser Zwergwuchs trug dem Homo floresiensis auch den Spitznamen "Hobbit" ein, angelehnt an die kleinwüchsigen Wesen in den Werken von John R. R. Tolkien.

Eigenheiten rechtfertigen keine neue Art


Verkürzte Schenkelknochen sind jedoch ebenfalls ein Anzeichen des Down-Syndroms, sagt Eckhardt. Bezieht man dies in die Berechnung mit ein und korrigiert das Ergebnis entsprechend, so kommt man auf eine Körpergröße von etwa 1,26 Metern. Das ist verglichen mit den meisten heutigen Menschen zwar immer noch recht klein, deckt sich aber mit der Größe einiger noch heute auf Flores lebenden Menschen.

Diese typischen Anzeichen für das Down-Syndrom treten nur bei LB1 auf, keines davon lässt sich an den anderen Skelettfunden von Liang Bua nachweisen. "Sind die Skelette aus der Liang Bua Höhle ungewöhnlich genug um die Einführung einer neuen menschlichen Art zu erfordern?" fragt Eckhardt daher , und beantwortet die Frage zusammenfassend: "Unsere neue Analyse zeigt, dass sie es nicht sind. Eine Entwicklungsstörung ist die weniger komplizierte Erklärung."
(PNAS, 2014; doi: 10.1073/pnas.1407382111; doi: 10.1073/pnas.1407385111)
(Penn State , 05.08.2014 - AKR)
 
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