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Sonntag, 25.09.2016
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Fehlschluss beeinflusst Torwarte

Intuitive Wahrnehmung falscher Wahrscheinlichkeiten wirkt auch beim Elfmeterschießen

Rechts oder Links, Rot oder Schwarz? Der Spielerfehlschluss lässt Menschen nach dem einen Ergebnis bevorzugt auf das jeweils andere setzen, da es in der Folge als wahrscheinlicher erscheint. Torwarte beim Fußball folgen offenbar einem ähnlichen Trugschluss, wie britische Forscher nun herausgefunden haben: Wenn Bälle beim Elfmeterschießen mehrfach in der gleichen Torseite landen, neigen sie dazu, sich nach ein paar Mal in die andere Richtung zu werfen. Doch offenbar nutzen Elfmeterschützen diesen möglichen Vorteil bisher nicht.
Torwart in Aktion

Torwart in Aktion

Beim Roulette neigt der Mensch zum sogenannten Spielerfehlschluss: Rollt die Kugel mehrmals hintereinander auf Schwarz, neigen die meisten zur Annahme, dass beim nächsten Mal die Wahrscheinlichkeit für Rot höher ist. Tatsächlich bleibt sie aber für jedes einzelne Ereignis gleich. Eine ähnliche Entscheidung müssen auch Torwarte beim Elfmeterschießen fällen: Statt Rot oder Schwarz müssen sie auf Rechts oder Links setzen.

Mehr oder weniger zufällige Schussrichtung


Ob der intuitive Fehlschluss auch hier auftritt, haben Erman Misirlisoy und Patrick Haggard vom University College London nun untersucht. Für ihre Studie haben sie systematisch Videos von jedem Elfmeterschießen ausgewertet, das es in den Jahren zwischen 1976 und 2012 bei Weltmeisterschaften und Europameisterschaften gegeben hat. 37 Mal wurde ein Spiel auf diese Weise entschieden. Unterm Strich haben die Forscher 361 Elfmeterschüsse analysiert.

Sie fanden dabei heraus: Jedes Team von Elfmeterschützen produzierte mehr oder weniger zufällige Sequenzen von Schüssen nach links oder rechts. Die Seite, auf die sich die Torwarte warfen, war nicht mit der jeweils aktuellen Schussrichtung verknüpft. Das liegt daran, dass die Zeit nicht ausreicht, um auf die Flugbahn des Balles erfolgreich zu reagieren. Torwarte entscheiden sich deshalb bereits vor dem Schuss für eine Richtung.


Wahrscheinlichkeit ist nicht an vorheriges Ergebnis geknüpft


Genau bei dieser Entscheidung spielt den Auswertungen der Forscher zufolge offenbar eine Rolle, wie die Torschüsse zuvor erfolgten: Gingen die Bälle bei den vorhergehenden Schüssen beispielsweise nach rechts, war die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöht, dass sich der Torwart beim nächste Elfmeter nach links warf.

Doch wie beim Roulette ist auch beim Elfmeter die Wahrscheinlichkeit für ein Ergebnis nicht an das vorhergehende geknüpft, sagen die Forscher. Der Torwart erhöht mit diesem Verhalten also nicht seine Chancen, den Ball zu halten. Eigentlich könnten sich die Elfmeterschützen die Neigung der Torwarte zum Spielerfehlschluss zu Nutze machen, sagt Misirlisoy: „Sie könnten vorhersagen, in welche Richtung sich der Torwart beim nächsten Schuss wahrscheinlich werfen wird und deshalb in die andere zielen". Doch den Auswertungen der Forscher zufolge scheinen sich Spieler bisher nicht auf diese Weise einen Vorteil zu verschaffen.

Schwächen ausnutzen, nicht so berechenbar sein


"Oft kann man im Spitzensport nur gewinnen, indem man winzige Schwächen des Gegners ausnutzt", sagt Haggart. Doch der Spielerfehlschluss ist bisher offenbar unentdeckt geblieben. Den Forschern zufolge könnte die Ursache dafür sein, dass sich Elfmeterschützen sehr stark auf sich selbst konzentrieren: "Den einzelnen Spielern ist es deshalb wenig bewusst, dass ihre Vorgänger eine Reihe von Schüssen in eine Ecke gefeuert haben und dass das etwas mit dem Verhalten des Torwarts zu tun haben könnte", so Haggart.

Doch mit der Studie der Forscher ist die Katze jetzt natürlich aus dem Sack: "Nun können Trainer den Spielerfehlschluss in ihre Strategien einbeziehen und ihre Elfmeterschützen entsprechend vorbereiten, um sich einen Vorteil zu verschaffen", sagt Misirlisoy. Doch der Erfolg dieses Tricks wäre vermutlich nur recht kurzlebig: Auch die Torwarte könnten dann natürlich schnell lernen, nicht so berechenbar zu sein, sagen die Forscher.
(Current Biology, 2014; doi: 10.1016/j.cub.2014.07.013)
(E. Misirlisoy, P. Haggard; Current Biology, 01.08.2014 - MVI)
 
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