• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 05.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Überraschende Entwicklung des Hausrindes

DNA in Knochenfund zeigt mögliche Kreuzung von Hausrindern mit wilden Auerochsen

Außergewöhnlicher Rinderknochen: Der Knochen eines steinzeitlichen Hausrindes zeigt genetische Spuren eines europäischen Auerochsen. Diese Art spielte jedoch bei der Entwicklung der heutigen Rinderrassen eigentlich keine Rolle – dachte man bis jetzt. Der Fund wirft neue Fragen zur Geschichte des Hausrindes auf, wie Wissenschaftler aus der Schweiz berichten: Unklar ist vor allem, ob es sich bei der Kreuzung um gezielte Züchtung handelt.
Heutige Hausrinder stammen vom Auerochsen ab.

Heutige Hausrinder stammen vom Auerochsen ab.

Das heutige Hausrind ist die domestizierte Form des Auerochsen, einer Wildart, die im 17. Jahrhundert ausgestorben ist. Diese Domestizierung des Auerochsen begann bereits vor rund 10.000 im Nahen Osten. Von diesen domestizierten Tieren stammen auch die heutigen Rinderrassen ab, wie die DNA der Tiere zeigt: In ihrer mütterlicherseits vererbten mitochondrialen DNA (mtDNA) zeigen die Rinder eine genetische Signatur, die sie der sogenannten T-Haplogruppe zuordnet. Daraus lässt sich ableiten, dass sich zusammen mit der Viehzucht auch das domestizierte Hausrind aus dem Nahen Osten nach Europa verbreitete.

Die zur selben Zeit in Europa heimischen wilden Auerochsen gehörten dagegen zu einer anderen genetischen Gruppe, der P-Haplogruppe. Bisher gingen Wissenschaftler daher davon aus, dass diese Wildrinder genetisch keinen Einfluss auf die in der Jungsteinzeit, etwa 5.500 bis 2.200 vor Christus, eingeführten Hausrinder aus dem Nahen Osten hatten.

Zufall oder Zucht?


Diese Ansicht könnte sich nun allerdings ändern: Forscher der Universität Basel stießen eher zufällig auf den sehr kleinen Mittelhandknochen eines steinzeitlichen Hausrinds. Dessen Analyse brachte eine Überraschung: Die genetische Signatur entspricht der P-Haplogruppe der europäischen Auerochsen. Der Knochen stammt aus einer Sammlung von Funden aus einer steinzeitlichen Pfahlbausiedlung bei Twann am Bielersee in der Schweiz.


Mittelhandknochen des kleinen Rindes von Twann mit Spuren der Probenentnahme für die genetischen Untersuchungen.

Mittelhandknochen des kleinen Rindes von Twann mit Spuren der Probenentnahme für die genetischen Untersuchungen.

Europäische weibliche Auerochsen, von denen die mtDNA stammt, konnten sich also auch mit Hausrindern aus dem Nahen Osten paaren und vermischen – und mindestens einmal ist dies geschehen. "Ob es sich dabei um vereinzelte Zufälle oder eine gezielte Einkreuzung gehandelt hat, können wir aufgrund unserer Resultate nicht eindeutig sagen", erklärt Forschungsgruppenleiter Jörg Schibler von der Universität Basel.

Kleines Rind als Arbeitstier?


Das Tier, von dem der Knochen stammt, war außergewöhnlich klein: Die Schulterhöhe betrug gerade mal 112 Zentimeter. "Daraus ergeben sich viele Fragen", sagt Angela Schlumbaum von der Universität Basel, und unterstreicht die Bedeutung für weitere Forschung: "Wie schwierig war eine Begattung oder auch eine Geburt in diesem Fall? Und wie viele Generationen hat es gebraucht, damit so kleine Tiere entstanden?"

Der kleine Rinderknochen stammt aus der Zeit der sogenannten Horgener Kultur, aus der Zeit um 3.400 bis 2.750 vor Christus. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Bauern dieser Zeit durchaus ihre Hausrinder gezielt mit den wilden Auerochsen gekreuzt haben könnten. So hätten sie eine kleinere, aber robustere Art von Hausrindern gezüchtet, die sich speziell als Arbeitstiere eigneten. Zu dieser Vermutung passen auch archäologische Funde aus dieser Zeit, die zu den frühesten Belegen von Holzrädern, Wagen und einem Joch für Rinder zählen. (Scientific Reports, 2014; doi: 10.1038/srep05798)
(Universität Basel, 29.07.2014 - AKR)
 
Printer IconShare Icon